Newsletter

Profis geben ihre Tipps und Tricks weiter

Wie böse ist PR? (Teil 2)

Foto: AdobeStock/alphaspirit

In den USA scheinen mir Corporate Influencer nahezu unbekannt. Vielmehr ist die Rede von Employee Advocacy – oder gar Employee Activism. Und daran zeigt sich eine interessante Kehrseite des Konzepts, die eigenen Mitarbeiter glaubwürdig für das eigene Unternehmen kommunizieren zu lassen: Mit der Reichweite, dem Selbstbewusstsein und dem kommunikativen Mandat richten sie sich zunehmend nach innen und fordern mehr Mitsprache im eigenen Unternehmen – vor allem, wenn um Werte geht.

Erfolgreich & familienfreundlich arbeiten in der Kommunikationsbranche (und anderswo)

Foto: © Oseon

Eigentlich sollte dies ein Beitrag über die Familienfreundlichkeit der Kommunikationsbranche werden. Ich habe mich mit berufstätigen Müttern unserer Zunft ausgetauscht, wie wir Beruf und Familie unter einen Hut bekommen. Herausgekommen ist ein Beitrag über individuelle Karrieregestaltung, Rücksichtnahme, die Frage, wie wir den Wert von Arbeit bemessen wollen, Zeit und warum wir alle ein bisschen großzügiger sein sollten. Egal, in welchem Beruf wir arbeiten. Aber der Reihe nach. Wie komme ich überhaupt auf das Thema?

Warum Branchenveranstaltungen kleiner und intimer werden

Foto: © AdobeStock/GaudiLab

Von Berufswegen beobachte ich genau, wie sich die Netzwerke in unserer Branche entwickeln. Der neue Jahrgang der PR-Nachwuchsinitiative #30u30 , mit dem ich mich in den letzten Wochen intensiv beschäftigt habe, zeigt (erneut) deutlich: An sich bräuchte es mich nicht mehr. Alle kennen alle, zumindest digital. Doch das Gefühl täuscht, glaube ich.

Je mehr die Menschen vermeintlich miteinander vernetzt sind, desto stärker scheint ihr Wunsch, sich abseits der Masse auszutauschen. Sie suchen Verbindlichkeit und Augenhöhe, die sie auf großen Konferenzen nicht finden. Menschen kommen dort nicht mehr (nur) hin, um Vorbilder auf Bühnen zu erleben. Sie kommen vor allem wegen der Menschen, die neben ihnen vor der Bühne sitzen

Buchtipp: „Professionelle Krisenkommunikation“ (mit Gewinnspiel)

Gemeinsam mit Annika Schach, Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover, hat die Krisenmanagement- und Kommunikationsberaterin Jana Meißner das Fachbuch „Professionelle Krisenkommunikation. Basiswissen, Impulse und Handlungsempfehlungen für die Praxis“ herausgegeben. Auf 264 Seiten finden sich 20 Beiträge von insgesamt 22 AutorInnen aus Praxis, Wissenschaft und Lehre – allesamt ExpertInnen auf den Gebieten Risikomanagement, Notfall- und Krisenmanagement, Internes Kontrollsystem, Business Continuity Management und Organisationale Resilienz. Auf dem Zukunftsforum der DPRG in Hamburg konnte medienrot-Chefredakteur Jens Stoewhase die beiden Kolleginnen zum Inhalt und dem Machen des Buches für den medienrot-Podcast befragen.

Das Agenturgeschäft hat ein Vertrauensproblem

Foto: © AdobeStock/LoloStock

Die Kostenlos-Kultur bei Agentur-Pitches schadet vor allem dem Vertrauen in Geschäftsbeziehungen – und das schon in der Anbahnungsphase. Wir brauchen mehr Date-Charakter in der Geschäftsanbahnung, denn sonst leidet die Qualität der Arbeit.

Upskilling in der Unternehmenskommunikation: Warum die Unternehmen aufrüsten

Foto: Jacob Lund, AdobeStock

Auch wenn die großen Konzerne gerade den Rotstift ansetzen: Die Unternehmen rüsten ihre Kommunikation nach meinem Gefühl derzeit auf, weniger personell, dafür inhaltlich. Und der Vorsprung, den Agenturen auf ihre Kunden haben und als Dienstleister auch haben müssen, schmilzt damit. Dieses Upskilling in der Unternehmenskommunikation treibt so auch den Wandel, den die Agenturbranche aktuell erlebt.

Technologie und Trends werden universeller, Wissen wird global, vor allem aber wird es nicht mehr monopolisiert, sondern aktiv geteilt. Der Vorteil, den insbesondere internationale Agenturen haben, weil sie Expertise aus dem Netzwerk oder dem HQ in den USA importieren, schwindet. Zudem rückt die Welt (zumindest räumlich) zusammen und das nationale Bewusstsein in Märkten in Übersee und Fernost steigt. Internationale Unternehmen stärken also auch ihre Kommunikatoren vor Ort, um mehr als lokaler Player wahrgenommen zu werden. Agenturen als Statthalter können das nicht leisten.

Hinzu kommt: Die Unternehmen achten mehr auf Datenhoheit. Er prüfe, welche Daten er überhaupt noch an seine Agentur auslagern könne, um bei einem potenziellen Agenturwechsel nicht bei Null beginnen zu müssen, sagte mir ein PR-Chef diese Woche. Das beginnt bei simplen Verteilerlisten, deren Nutzung die DSGVO erschwert hat, das betrifft aber vor allem auch interne Unternehmens- oder gar Kundendaten des Unternehmens, die der Kunde mit seiner Agentur nicht teilen kann – oder will. Eine schlanke Lösung lässt sich nicht so leicht auszubaldowern. Wer es sich leisten kann, tut das aber lieber intern.

Junge Kommunikationsmanager in den Unternehmen, mit denen ich vor allem zu tun habe, wollen Kommunikation nicht nur verwalten, weil sie das von ihrer Arbeit entfremdet. Ihre Motivation: Sie wollen sie aktiv und kreativ gestalten, bestenfalls Hand in Hand und auf Augenhöhe mit Agenturen. Und das müssen sie auch: Wenn Kommunikation komplexer und schneller wird, weil digitaler, und das Publikum herausfordernder, reduziert sich die Eingewöhnungszeit für die Dienstleister bei ihren Kunden, für Abstimmungsschleifen sowieso. Konzepte von der Stange tragen nicht mehr.

Und je besser die Teams in den Unternehmen im Thema sind und kommunikativ an der Sache arbeiten, desto kritischer gehen sie nach meiner Beobachtung mit ihren Agenturen um. Desto mehr kommt es für Agenturen darauf an, handwerklich präzise zu arbeiten. Desto stärker müssen sie Freiheiten für Unternehmertypen schaffen und Beraterpersönlichkeiten binden, die verstehen, wie der Kunde tickt.

Konzerne sind freilich Konzerne und noch lange nicht so weit, wie sie glauben. Aber Silos und alte Denkmuster weichen mit dem Generationenwechsel. Vor diesem Wandel galt für mich: Gute Agenturmenschen denken um die Ecke, sind ideenreich, reagieren schnell, sie sind gute Vermittler und erkennen Opportunitäten, weil sie mit einem Ohr im Markt und mit dem anderen in der Kantine des Kunden hören. So gesehen: Auch in den Unternehmen arbeiten mittlerweile viele Agenturmenschen. Und manchen Agenturen fehlen sie inzwischen gänzlich.


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30. Er ist Herausgeber des PR Career Center, das PR-Studierende unterstützt und vernetzt. Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.


Wenn Personaler im Juni kommunizieren, …

Foto: © AdobeStock/Hanna

… dann geht es unter anderem um Altersdöner, Workshops mit Introvertierten, preiswürdige Schichtplanung, vier Motivationstypen, die NWS von BMAS und BMBF, KI im Recruiting, Verhaltensökonomik und den Weg des CHRO an die Spitze des Unternehmens.

Reden ist Silber, Machen ist Gold

Foto: © AdobeStock/michaklootwijk

Ich kann mich noch genau an mein Bewerbungsgespräch vor inzwischen über fünf Jahren erinnern. Ich wurde gefragt, wie ich PR definieren würde. Eine ganz klare Sache für mich: PR ist dazu da, um den Menschen dabei zu helfen, komplexe Produkte und Dienstleistungen zu verstehen und sie in unserer reizüberfluteten Welt überhaupt erst zu finden. Ich verstehe diese Aufgabe also in erster Linie als Dienst an den KundInnen unserer KundInnen, da alle Maßnahmen dort ankommen und wirken sollen. Darin liegt die Kraft unserer Arbeit. Und aus großer Kraft folgt große Verantwortung, das wusste schon Peter Parkers Onkel. Eine Verantwortung gegenüber all den Menschen, mit denen wir diesen Planeten teilen, keinen allzu großen Bullshit zu erzählen.