Deepfakes im Alltag angekommen – Studie zeigt wachsendes Misstrauen

© AdobeStock / terovesalainen
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Deepfakes sind in Deutschland längst kein Nischenthema mehr. Das zeigt eine aktuelle Vergleichsstudie der Universität Leipzig. Demnach begegnen immer mehr Menschen KI-generierten oder manipulierten Bild-, Video- und Toninhalten im Alltag. Gleichzeitig wächst zwar das Wissen über die Technologie, das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Deepfakes zu erkennen, bleibt jedoch gering.

Während 2022 noch 77,2 Prozent der Befragten angaben, keinen Kontakt mit Deepfakes gehabt zu haben, waren es 2025 nur noch 27,3 Prozent. Besonders häufig werden Deepfakes auf Instagram, Facebook, YouTube und TikTok wahrgenommen. „Das Eindrücklichste ist, wie schnell Deepfakes im Alltag angekommen sind“, sagt Alexander Godulla. Was lange als Kuriosität gegolten habe, sei heute Teil der normalen Mediennutzung.

Im Vergleich zur ersten Befragung im Jahr 2022 ist das Wissen über Deepfakes gestiegen. Dennoch verfügen viele Befragte weiterhin nur über geringe oder mittlere Kenntnisse über die Technologie. Auch die sogenannte Deepfake-Selbstwirksamkeit hat zwar zugenommen, bleibt insgesamt jedoch niedrig. Am ehesten trauen sich die Befragten zu, mögliche Fälschungen durch Internetrecherchen zu überprüfen. Projektleiter Christian P. Hoffmann erklärt: „Die Technologie verbreitet sich also im Moment schneller, als die Menschen mit ihr umzugehen lernen.“

Die Studie zeigt außerdem, dass Deepfakes von vielen Befragten als Gefahr für die Öffentlichkeit, die Informationsqualität und die demokratische Meinungsbildung wahrgenommen werden. Die Sorge, dass andere Menschen auf Deepfakes hereinfallen oder manipuliert werden, ist dabei größer als die Angst, selbst betroffen zu sein. Viele Befragte befürchten zudem, dass Deepfakes die Grenze zwischen Realität und Fiktion verwischen und eine gesellschaftliche Verständigung darüber erschweren, was als wahr gilt. Personen, die bereits Kontakt mit Deepfakes hatten, berichten häufiger von Unsicherheit bei der Wahrnehmung von Realität und Wahrheit. „Die Herausforderung ist nicht so sehr, dass wir ganz selten auch mal auf Fälschungen hereinfallen, sondern dass wir dem Echten nicht mehr trauen“, sagt Godulla.

Nach Einschätzung der Forschenden stimmen subjektive Wahrnehmung und tatsächliche Verbreitung von Deepfakes nicht immer überein. Viele Befragte glauben, politische Deepfakes gesehen zu haben, obwohl diese nach anderen Analysen vergleichsweise selten sind. Werden politische Deepfakes wahrgenommen, ordnen die Befragten diese überwiegend als beeinflussend oder bloßstellend ein. Satirische oder parodierende Darstellungen werden dagegen seltener genannt.

Für die Verbreitung von Deepfakes machen die Befragten vor allem Social-Media-Plattformen sowie Nutzer verantwortlich. Gleichzeitig sehen sie Technologieunternehmen, Regulierungsbehörden und die Plattformen selbst in der Pflicht, die Verbreitung schädlicher Deepfakes einzudämmen.

Akzeptanz finden KI-generierte Inhalte vor allem dann, wenn der Einsatz von Künstlicher Intelligenz transparent offengelegt wird und die dargestellten Personen eingewilligt haben. Weniger Zustimmung erfährt dagegen die detailgetreue Darstellung realer oder bereits verstorbener Personen.

Die Forschenden sprechen sich deshalb für mehr Medienbildung, transparente Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten und starke Institutionen aus. Hoffmann plädiert zudem für „intellektuelle Bescheidenheit“ und erklärt: „Resilienz heißt, eine gesunde Balance zu finden – und dazu gehört intellektuelle Bescheidenheit: das Eingeständnis, dass auch ich mich täuschen kann.“

Hier gibt’s die Ergebnisse im Überblick >>

Das „Deepfake-Projekt“ der Universität Leipzig untersucht seit 2022 die gesellschaftlichen Auswirkungen KI-generierter Medien. Im Sommer 2025 befragte das Forschungsteam 1.297 Internetnutzer in Deutschland. Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse über Chancen und Risiken von Deepfakes zu gewinnen und die Medienmündigkeit in der Gesellschaft zu stärken.

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