Social-Media-Müdigkeit verändert die Nutzung

Bild: © AdobeStock / master1305
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Social Media verlieren für viele Nutzer:innen offenbar ihren Charakter als unkomplizierter Ort für Austausch und Unterhaltung. Eine Befragung von 1.000 US-Amerikaner:innen durch Incogni zeigt: Die Menschen löschen ihre Accounts zwar nicht massenhaft, posten aber weniger, schränken ihre Zielgruppen stärker ein und empfinden ihre Online-Präsenz zunehmend als zusätzliche Arbeit.

55 Prozent der Befragten geben an, heute weniger zu posten als noch vor fünf Jahren. 53 Prozent sind zudem wählerischer geworden, wer ihre Beiträge sehen darf. Besonders deutlich wird damit ein Trend zu einer leiseren und kontrollierteren Nutzung: weniger Inhalte, kleinere Zielgruppen und mehr Vorsicht beim Teilen.

Für mehr als die Hälfte der Befragten fühlt sich die Pflege der eigenen Online-Präsenz inzwischen wie Arbeit an. Bei der Generation Z liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent, bei den Babyboomern bei 38 Prozent. Gemeint ist nicht nur das Erstellen von Beiträgen, sondern auch die ständige Pflege sozialer Kontakte, das Beantworten von Nachrichten und die Frage, wie Inhalte von anderen aufgenommen werden.

Auch beim bewussten Abschalten zeigt sich ein ambivalentes Bild. 27 Prozent berichten von einem Gefühl der Ruhe, wenn sie längere Zeit nicht auf ihre Nachrichten schauen, 21 Prozent fühlen sich entspannt. Gleichzeitig nennen 22 Prozent Angst als Reaktion auf die digitale Abstinenz. Besonders stark ist dieser Widerspruch bei der Gen Z: 34 Prozent erleben Angst, wenn sie ihre Nachrichten nicht checken, 29 Prozent FOMO, also die Sorge, etwas zu verpassen.

Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Polarisierung in sozialen Netzwerken. 44 Prozent der Befragten sagen, politische Inhalte und Polarisierung würden sie dazu bringen, sich aus Social Media zurückzuziehen. Der Rückzug ist damit nicht nur eine Reaktion auf zu viel Bildschirmzeit, sondern auch auf Konflikte, Feindseligkeit und die emotionale Intensität vieler Online-Debatten.

Fast die Hälfte der Befragten hat bereits eine Social-Media- oder Messaging-App wegen Stress oder Angst gelöscht. Bei Millennials sind es 61 Prozent, bei der Gen Z 56 Prozent. Als wichtigsten möglichen Grund für eine vollständige Abkehr nennen 51 Prozent Sorgen um Privatsphäre und Sicherheit, gefolgt von Belästigung, Mobbing oder Hassrede.

Auch die psychische Gesundheit spielt eine wichtige Rolle – vor allem bei jüngeren Nutzer:innen. 44 Prozent der Gen Z und 42 Prozent der Millennials nennen psychische Belastungen als möglichen Grund, ihre Accounts zu löschen. Bei der Generation X sind es 25 Prozent, bei den Babyboomern lediglich 12 Prozent.

Die Ergebnisse zeichnen damit weniger das Bild eines bevorstehenden Exodus aus den sozialen Netzwerken als eines schleichenden Rückzugs. Nutzer:innen bleiben, werden aber stiller und vorsichtiger: Sie teilen weniger, kontrollieren stärker, wer ihre Inhalte sieht, und ziehen sich teilweise aus Apps zurück, die sie als belastend empfinden. Für Plattformen, Creator und Marken könnte damit nicht nur die Reichweite zum Problem werden, sondern zunehmend auch die Bereitschaft der Nutzer, überhaupt noch aktiv teilzunehmen.

Die Befragung wurde vom 1. bis 9. Juni 2026 über Cint durchgeführt und umfasst eine nach Alter und geografischer Verteilung repräsentative Stichprobe von 1.000 Erwachsenen in den USA.

incogni.com via upload-magazin.de