
Social Media spielen im Alltag von Kindern zwischen drei und zehn Jahren eine deutlich stärker von Eltern begleitete Rolle als vielfach angenommen. Eine neue Studie der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) zeigt: YouTube ist mit 71 Prozent die mit Abstand wichtigste Plattform, während TikTok, Instagram und Snapchat bei jüngeren Kindern kaum eine Rolle spielen.
Die Nutzung ist dabei meist kurz und in den Familienalltag eingebettet. 56 Prozent der Kinder verbringen laut Studie höchstens 30 Minuten täglich mit Social Media, rund 80 Prozent der Eltern setzen ein Tageslimit – im Durchschnitt sind es 34 Minuten. Häufig findet die Nutzung am Nachmittag statt, aber auch beim Essen, auf Autofahrten, beim Zähneputzen oder während Eltern kochen und andere Aufgaben erledigen. Social Media dienen damit nicht nur der Unterhaltung der Kinder, sondern können für Familien auch eine Art kurzfristige Entlastung oder Beschäftigung in Übergangs- und Wartesituationen sein.
Klassische soziale Funktionen spielen bei den jüngeren Kindern dagegen kaum eine Rolle. Sie nutzen digitale Medien vor allem für kurze organisatorische Kommunikation, etwa um Treffen zu vereinbaren oder zu grüßen. Inhalte werden zwar häufig anschließend im Familien- oder Freundeskreis weitererzählt, systematisches Teilen von Beiträgen ist in dieser Altersgruppe jedoch kaum verbreitet.
Die Eltern greifen dabei auf unterschiedliche Formen der Kontrolle zurück: Sie begleiten die Nutzung direkt, entscheiden über geeignete Inhalte und Plattformen und setzen Zeitlimits. Bei der Auswahl orientieren sich 71 Prozent vor allem an ihrer eigenen Einschätzung, 42 Prozent an Altersfreigaben und Empfehlungen. Auffällig ist zudem, dass Kurzvideoformate wie YouTube Shorts von Eltern kritischer und restriktiver bewertet werden als längere Videos.
Gleichzeitig fällt das Urteil der Eltern über Social Media nicht ausschließlich negativ aus. 69 Prozent berichten von überwiegend oder eher positiven Erfahrungen, sehen aber auch Risiken – insbesondere Schwierigkeiten beim Beenden der Nutzung, ungeeignete Inhalte und mögliche Konflikte innerhalb der Familie. Die Studie beschreibt deshalb ein Spannungsfeld zwischen den wahrgenommenen Chancen digitaler Angebote und der Notwendigkeit, ihre Nutzung zu begrenzen und zu begleiten.
Für die Medienpädagogik und Regulierung ergibt sich daraus laut den Autor ein Ansatz, der über reine Verbote oder Zeitlimits hinausgeht. Gefordert werden unter anderem alltagsnahe Medienbildung, kindgerechte Voreinstellungen auf Plattformen sowie Mindeststandards, beispielsweise beim automatischen Abspielen von Inhalten und bei Werbung. BLM-Präsident Thorsten Schmiege fasst die Schlussfolgerung so zusammen: „Zeitlimits oder Verbote allein helfen nicht weiter.“
Die Untersuchung von Kommunikationswissenschaftler Jeffrey Wimmer und Moritz Schweiger wurde im Auftrag der BLM durchgeführt. Für die Studie wurden zwischen September und Dezember 2025 insgesamt 378 Eltern von Drei- bis Zehnjährigen online befragt; hinzu kamen Familieninterviews mit 20 Familien sowie Gruppeninterviews mit 20 Kindern.
blm.de (PDF), presseportal.de