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Profis geben ihre Tipps und Tricks weiter

Einsteigerdebatte

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Ja, Agenturen bezahlen ihre Anfänger mies. Und zwar zu recht. Auf diese ungewohnt unversöhnliche Aussage reduziert sich der Kommentar, den GPRA-Chefin Christiane Schulz neulich im PR-Journal abgab, in den Ohren von Studierenden. Dabei war ihr Appell vermutlich mehr an ihre Kunden gerichtet. Denn diese drücken die Honorare.

Das klassische Agenturmodell steht damit vor einer Herausforderung. Und mit dieser sinke der Spielraum für Gehälter in Agenturen, zumal Einsteiger kaum unmittelbar anwendbare sprich: verkäufliche Erfahrung mitbrächten, so Schulz‘ Argument.

Audio – auf geht’s!

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Alexa ist bald überall. Die nette Damenstimme von Amazon wird Bestandteil von Autos, kann Waschmaschinen steuern und weckt auch, wenn man sie darum bittet. Inzwischen gibt es für das Alexa-Versum um die 50.000 Skills. Das sind die kleinen Funktionen, die Alexa verhelfen, Gutes für ihre BefehlsgeberInnen zu tun.

In dieser Woche wurde nun auch vermeldet, dass inzwischen mehr als 3.500 Marken mit Skills bei Alexa vertreten sind. Eine Studie der Teambank AG sprach in der letzten Woche bereits von neun Millionen Deutschen, die Fragen bzw. Befehle an Alexa und Siri (Apple) richten. Der Google Sprachassistent „Ok Google“ bekam vor kurzer Zeit einen Konversationsmodus.

Die Maschinen lernen sprechen, die Marken wollen dabei sein. Zuletzt sprach ich mit Marcia Maybach von achtung! und auch mit Klas Roggenkamp im medienrot-Podcast über die Optionen, wenn die Maschinen nicht nur zu Gesprächspartnern werden, sondern auch Entscheidungen übernehmen. Was passiert, wenn ein Kunde seinem Sprachassistenten mitteilt: „Alexa, bestell Waschmittel!“?

Wer entscheidet jetzt über die Waschmittelsorte welcher Marke? Basiert die Entscheidung auf dem Tracking der Gewohnheiten des Bestellers? Wird ein Special-Angebot beim Versender des Waschmittels getriggert, weil der Besteller generell günstige Angebote nutzt? Oder wird auch einbezogen, dass sich der Besteller neulich über ein neues Waschmittel informiert hat?

Auf diese Fragen haben wir noch nicht sämtlichen Antworten. Das ist kein Problem. Was wir jedoch wissen: Die neuen Technologien wollen Inhalte. Die NutzerInnen von Sprachassistenten wollen nicht nur befehlen, sie wollen auch hören. Auch da zeigt sich Amazon ganz weit vorn, denn mit Audible haben sie schon vor vielen Jahren eine florierende Hörbuch- und Hörspielplattform übernommen und ausgebaut. Inzwischen sind sie bereits massiv in die Eigenproduktion von Hörinhalten eingestiegen. So gibt es kuratierte Podcasts für Audible-AbonnentInnen und derzeit ist man auf der Suche nach Inhalten von redaktionelle Podcastreihen und Hörserien.

Worauf will ich hinaus?

Erinnern Sie sich noch an das Wort „Seifenoper“? Nicht wenige werden das Wort mit der RTL-Serie „Gute Zeiten – Schlechte Zeiten“ assoziieren. Doch der Ursprung liegt in den frühen 1930ern in den USA. Damals waren es kurze Hörgeschichten im Radio, in denen Werbung für verschiedene Haushaltsprodukte platziert wurde.

In der vergangenen Woche fand u.a. das Podcastfest in Berlin statt. Es war tatsächlich ein kleines Festival, auf dem live vor Publikum getalkt wurde – also Podcasts live stattfanden. Menschen saßen vor Bühnen und schauten den ProtagonistInnen auf den Bühnen zu, wie sie Interviews führten oder einfach miteinander „quatschten“. Dieses eintägige Festival war gut besucht, hat aber noch Luft nach oben.

Audioinhalte werden also immer aktiver konsumiert. Gleichzeitig werden sie Bestandteil einer digitalen Welt, die sie mit künstlicher Intelligenz paart und somit noch breiter nutzbar macht. Hier ergeben sich zahllose Ansätze, wie man Unternehmen, Themen oder Produkte platzieren kann. Dafür wird es jedoch notwendig, die eigene Ressourcen zu schaffen und sich vorab mit dem Thema intensiv auseinanderzusetzen. Meine persönliche Empfehlung: Schauen Sie dieser Tage das IFA-Special von heise.de an. Dort bekommen Sie einen guten Eindruck, wie weit Sprachassistenten bereits in die verschiedensten Systeme integriert werden.

Über den Autor:
jst-autorenbildJens Stoewhase ist Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die das Onlinejournal medienrot.de im Auftrag von Landau Media betreibt. Dabei ist er auch Produzent des medienrot-Podcasts. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.

 

Wenn Personaler im August kommunizieren, …

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… dann geht es um profilierte Profi-Profiler, Flexibilität, Generation Y, das Grauen des Alltags, Squads und Bullshit-Jobs und Recruiting-Cafés.

In die Zukunft mit HR

Seit geraumer Zeit geistern durch die klassischen (Spiegel Online, Focus Online) und vor allem durch die sozialen Medien Videos und Kolumne von Suzanne Grieger-Langer. Mit markigen Sprüchen und pointierter Erscheinung macht sie auf sich aufmerksam – als „Profilerin“ will sie Unternehmen helfen, zwischen „Pfeifen“ und „Performern“ zu unterscheiden und lässt damit tief blicken in ein unter-komplexes Menschenbild. Die Journalistin und Diplom-Psychologin Bärbel Schwertfeger hat genauer hingeschaut und in mehreren, langen Artikeln diverse Fehler und Lügen aufgedeckt. Einen Höhepunkt fand der Konflikt, als Grieger-Langer für die Social Recruiting Days als Keynote-Speakerin ausgerufen wurde. Auf Twitter und Facebook brach sich pointierte und halbgare Kritik Bahn, die schlussendlich dann doch zur Programm-Änderung führte, denn auch der Veranstalter geriet in die Kritik. Die „Profilerin“ selbst wehrt sich mit einem Post „Viel Feind, viel Ehr“ und wirft ihren Kritikern panisch „Krieg“, „Terror“ und „Rufmord“ vor – souverän ist auch anders.

Verrückt: „Die“ Generation Y gibt es gar nicht! Meterlange Blogposts und stundenlanges Personaler-Gejammer war völlig umsonst, weil Menschen nicht in Schubladen passen – zumindest nicht viele. Im Handelsblatt steht trotzdem, dass die Gen-Y entscheidungsunwillig ist, obwohl ihre alle Türen offen stehen.

Marcus Reif meint, wir organisierten Arbeit immer noch wie vor 60 und plädiert für mehr Vertrauen, Verantwortung und Flexibilität. Auch das Arbeitsschutzgesetz sei mit New Work des Jahres 2018 nicht mehr vereinbar.

Das schiere Grauen regiert noch immer von Montag bis Freitag für die allermeisten Menschen, wenn man den Artikeln glaubt, die es zum Thema Arbeit in die großen Publikumsmedien schaffen. Auch der Tagesspiegel berichtetWer lustlos arbeitet, hat oft einen schlechten Chef“.

Die Wirtschaftswoche schaut sich an, wie man bei der Telekom in agilen Squads arbeitet und warum diese agile Methode (natürlich) kein Wundermittel ist.

Die These des Anthropologen David Graeber ist, dass der technologische Fortschritt viele Bullshit-Jobs geschaffen hat. Er hat fünf Arten dieser überflüssigen Jobs erkannt.

Entwicklung

Perfektionisten haben keinen guten Ruf, Deadlines auch nicht. Was passieren kann, wenn beides zusammenkommt, schreiben Förster & Kreuz in ihrem Blog.

Welche Skills braucht man in einer Personalabteilung? Die Ergebnisse einer Auswertung von 100 Stellenausschreibungen sind recht eindeutig: Generalisten mit Kommunikationsskills, die auch Englisch sprechen und „Soft-Skills“ haben. Haufe berichtet näheres.

Was man dann in der Personalabteilung verdienen kann, hat der Crosswater Jobguide aus der Stepstone-Gehaltsstudie rausgelesen.

Zu geringe Bezahlung ist noch immer der häufigste Kündigungsgrund in Deutschland, fehlende Anerkennung ist laut einer Studie der zweithäufigste Grund. Mehr steht in der Personalwirtschaft.

Recruiting

Cyquest stellt Software zur Eignungsdiagnostik her und Softgarden stellt Recruiting-Software her. Folgerichtig haben beide Unternehmen zu Jahresbeginn eine Studie durchgeführt, die die Akzeptanz von Matching-Tools bei Bewerbern erheben soll. Ergebnisse stehen im Cyquest-Blog Recruitainment.

Arbeitgebersiegel sind eine beliebte und wohl auch wirksame Möglichkeit, Jobsucher zur Bewerbung zu motivieren. Henner Knabenreich hat sich das Siegel Deutschlands begehrteste Arbeitgeber des FAZ Instituts näher angesehen.

Pop-up-Stores gibt es immer mehr: Auf kurze Zeit gemietete Ladenflächen in exponierten Lagen, die Unternehmen nutzen, um sich oder ihre Produkte zu präsentieren. Das Pop-Up Recruiting Café ist neu – und passiert natürlich in Zürich.

Twitch – das nächste große Ding in Sachen Social-Video-Content

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An anderer Stelle habe ich neulich Amazons Live-Streaming-Angebot Twitch nur unpräzise als das „Gamer-YouTube“ beschrieben. Dazu hat es Widerrede gegeben, nämlich von Tim Juhl, selbst ein Urheber auf der Plattform.

Tim arbeitet als PR-Berater in München, er ist in diesem Jahr Teilnehmer unserer PR-Nachwuchsinitiative #30u30. Und er sendet seit vier Jahren als „HerrJuhl“ bei Twitch, mittlerweile annähernd 70 Stunden pro Monat.

Aufhänger für die teils stundenlangen Streams sind Video-Spiele, das gehört nach wie vor zur DNA von Twitch. Inzwischen mischen sich in die Sendungen allerdings Talkshowelemente, in denen es etwa um Ernährung geht, um Alltag, um Persönliches. Nur religiöse und politische Themen bleiben außen vor, so will es der Betreiber.

Infografik leicht gemacht: Spannende Datengeschichten für Einsteiger

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Nicht umsonst nennen wir uns stolz Wissensgesellschaft. Tagtäglich überschwemmt uns eine Welle an Informationen, Daten und Zahlen. Aber nur die Wenigsten wissen diese richtig zu nutzen und mit der Strömung mitzuschwimmen. Die meisten gehen in der Informationsflut unter. Doch Rettung naht! Eine Infografik stellt hier ein durchaus hilfreiches grafisches Mittel dar, um den nötigen Durchblick zu schaffen. Diese holt alle ins selbe Boot und ermöglicht einen allgemein verständlichen Zugang zu Wissen. Eine gute Grafik zu erstellen, will dennoch gelernt sein. Mit den nachfolgenden fünf Tipps, wird diese nicht nur informativ und ansprechend, sondern zum wahren Rettungsanker im Datenwirrwarr.

Wie Mesut Özil mit seinem Team die eigene Kommunikation meistert

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Mesut Özil hat die Medienwoche mit einer vollen Breitseite eingeläutet. Dabei setzten er und sein Team auf die sozialen Medien und zeigten einmal mehr, wie man die Klaviatur spielen muss, wenn man seinen Messages die maximale Aufmerksamkeit, aber auch Wirkung ermöglichen will. Jens Stoewhase widmet sich deshalb nicht dem Pro und Contra zu Mesut Özils Rücktritt von der Nationalmannschaft oder zu den einzelnen Anschuldigungen und Stellungnahmen, er rekapituliert vielmehr das WIE. Warum, wann und wie hat sich Özil über Social Media geäußert. Ein kurzer Überblick.

Raus aus der Deckung!

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PR-Leute trauen sich inzwischen mehr. Bisher galt für die Unternehmenskommunikation ein fast defensiver Code im direkten Schlagabtausch mit Meinungsbildnern, insbesondere mit Journalisten. Wenn Berichterstattung missfällt, wird das im Hintergrund geklärt. Eine auf lange Sicht stabile Beziehung zu Medien hat Priorität. Viele haben deshalb über die Jahre viel schlucken müssen. Ich kenne keine PR-Profis, denen sich nicht schon oft die Faust in der Tasche geballt hätte. Aber da blieb sie in der Regel auch.

Besonders bohrend ist das Gefühl, dass NGOs und ihre Kampagnenorganisationen einen Freibrief bei Medien hätten, Journalisten also zu unkritisch mit deren Positionen umgingen. Ganz im Gegensatz zu denen der Industrie. In Erinnerung ist mir ein bemerkenswerter Auftritt von Coke-Kommunikationschef Patrick Kammerer auf dem Kommunikationskongress vor zwei Jahren, bei dem er über Skandalisierungspartnerschaften zwischen Medien und NGOs sprach. Seine Empfehlung an die Kollegen: in die Offensive!

Der Konzern Bayer tut das, inbesondere seit er dank der Monsanto-Übernahme viele mediale Konflikte austragen muss. Auf dem Zukunftsforum, das die DPRG neulich wieder einberufen hatte, erntete Bayer-PR-Kopf Christian Maertin viel Beifall, zum einen als er die Hintergründe zu dem berühmtem Renate-Künast-Tweet aus dem Köcher holte, zum anderen für die Verve, Anwürfe des WWF mit einem eigens produzierten YouTube-Video zu kontern, das aber nie auf YouTube erschien. Es sollte nicht aus dem Kontext gerissen werden.

Maertin will erkennbar aus der Deckung. Sein Team experimentiert und findet dafür kreative und humorvolle Ansätze, die Anerkennung erlauben, weil sie dem Gegenüber die Tür zu einem sachlichen Dialog immer offen halten. Ich kann nichts Falsches daran erkennen, NGOs und Journalisten auf offener Bühne zu stellen und selbstbewusst das Gespräch zu suchen.

Erst recht, weil die Lebensmittelindustrie das immer vermieden hat. Zu groß war die Angst einzelner Unternehmen stellvertretend für alle in Geiselhaft genommen zu werden. Wer sich aus der Deckung wagt, verliert. Selbst in die Bütt wollte also keiner, deshalb installierte man vor Jahren stattdessen einen Lobbyverein, der von seinen Trägern moralisch und finanziell schwach aufgestellt auf verlorenem Posten kämpfte, angesichts der Kampagnenstärke, die Organisationen wie Foodwatch ins Feld führen. Und angesichts der unrealistischen Erwartungshaltung der meisten Konzerne im Rücken des Vereins, was mit diesem Set-up zu erreichen wäre. Der Verein hat mittlerweile dicht gemacht.

Als äußerst streitbarer Lebensmittellobbyist tritt vor allem Verbändechef Christoph Minhoff auf den Plan, und er lieferte neulich ein Beispiel, wie schmal der Grat wird, wenn Fürsprecher „offensiv“ werden. Der Journalist Marc Neller hatte in der Welt ein kritisches Stück über die Zuckerlobby veröffentlicht und dort den Verbandsboss Günter Tissen aufs Korn genommen –, weil sich bekanntlich auch im Wirtschaftsteil Geschichten mit Menschen besser erzählen lassen als ohne. Ob das in diesem Fall gelungen war, will ich hier nicht bewerten.

Minhoff jedenfalls warf sich vor Tissen, der sich meiner Wahrnehmung nach interessanterweise selbst nicht öffentlich dazu äußerte. Minhoff schrieb bei LinkedIn eine giftige Replik, die offenbar zum Ziel hatte, Nellers Artikel auf ironische Weise zu kontern und dem Journalisten den Spiegel vorzuhalten (hier die ganze Geschichte bei Meedia). So in etwa jedenfalls stellte es Minhoff in einem anschließenden Interview mit kress-Chef Bülend Ürük dar.

Doch Minhoffs Ironie zündete nicht – was erwartbar war. Man kann zwar gedanklich nachvollziehen, was ihn bewegte. Dennoch wäre seine Faust hier besser in der Tasche geblieben. Sein als scharfsinnig-ironisch gemeinter Diskussionsanreiz blieb als die polemische Attacke auf den Journalisten im Kopf. Ein Austausch war nicht die Folge.

Stattdessen provozierte der Fall in mir den Gedanken, wie es inzwischen um das gegenseitigte Verständnis und das Verhältnis Medien und Kommunikation bestellt ist. Beide Seiten dürfen keinesfalls gestatten, dass es derart leidet, dass der Respekt schleichend schwindet – und die PR sich gar ein Beispiel am diffamierenden Ton nimmt, mit dem populistische Politiker viel Schaden anrichten. Wohin das führt, ist klar: Alle verlieren.


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30 (www.30u30.de). Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.