
In den Chats des KI-Chatbots ChatGPT wird künftig Werbung erscheinen. Das hat der US-Konzern OpenAI angekündigt. Betroffen sind zunächst Nutzer:innen in den USA, die die kostenlose Version oder den neuen Einsteigertarif „ChatGPT Go“ verwenden. Ein erster Testlauf soll in den kommenden Wochen starten.
OpenAI begründet den Schritt mit dem Ziel, den Zugang zu Künstlicher Intelligenz zu erweitern. „KI erreicht mittlerweile einen Punkt, an dem alle einen persönlichen Superassistenten haben können“, heißt es in einem Blogbeitrag des Unternehmens. Wer diesen Zugang erhalte, entscheide darüber, „ob KI Chancen erweitert oder bestehende Unterschiede verstärkt“.
Seit August bietet OpenAI den Tarif „ChatGPT Go“ in 171 Ländern an, nun auch in den USA. Für acht Dollar im Monat erhalten Nutzer:innen erweiterte Funktionen wie Bildgenerierung, Datei-Uploads und mehr Speicher. Künftig soll dieser Tarif ebenso wie die kostenlose Version durch Anzeigen mitfinanziert werden. Die höherpreisigen Abos Plus, Pro, Business und Enterprise bleiben werbefrei.
„Werbung beeinflusst niemals die Antworten“
OpenAI betont, dass Anzeigen keinen Einfluss auf die Inhalte des Chatbots haben sollen. Wörtlich heißt es: „Werbung beeinflusst niemals die Antworten von ChatGPT. Die Antworten würden rein danach optimiert, was am meisten helfe. Anzeigen sind immer getrennt und klar gekennzeichnet.“
Auch beim Datenschutz gibt sich das Unternehmen zurückhaltend: „Wir halten Unterhaltungen mit ChatGPT strikt vor Werbetreibenden geschützt und verkaufen keine Daten.“ Nutzer:innen könnten selbst entscheiden, wie ihre Daten verwendet werden. „Personalisierung kann abgeschaltet und die für Anzeigen verwendeten Daten können jederzeit gelöscht werden.“
Laut ARD-Journalist Nils Dampz sollen die Anzeigen zunächst nur erwachsenen Nutzer:innen in den USA ausgespielt werden. „Wann Anzeigen auch in Deutschland ausgespielt werden, ist noch nicht bekannt“, berichtet er. Zudem verspricht OpenAI, sensible Themen wie Gesundheit oder Politik von Werbung auszunehmen.
Geplant ist, Anzeigen am Ende einer Antwort einzublenden – allerdings nur, „wenn es ein relevantes gesponsertes Produkt bzw. eine Dienstleistung auf Basis des aktuellen Gesprächs gibt“. Nutzer:innen sollen nachvollziehen können, warum ihnen eine Anzeige angezeigt wird und diese bei Bedarf ausblenden.
Hohe Kosten, neue Einnahmequellen
Dass OpenAI neue Erlösmodelle sucht, kommt nicht überraschend. Zwar soll ChatGPT nach Unternehmensangaben rund 800 Millionen wöchentliche Nutzer:innen haben, doch die große Mehrheit nutzt den kostenlosen Tarif. Schätzungen zufolge sind es über 90 Prozent. Diese Nutzer:innen verursachen hohe Kosten, bringen bislang aber keine direkten Einnahmen.
OpenAI investiert derzeit zusammen mit Partnern hunderte Milliarden Dollar in neue Rechenzentren. Werbeeinnahmen sollen helfen, diese Ausgaben zu finanzieren. Gleichzeitig entsteht ein Anreiz für Nutzer:innen, auf werbefreie, kostenpflichtige Abos umzusteigen. Wer keine Werbung sehen will, muss mindestens 20 US-Dollar im Monat für ChatGPT Plus zahlen.
Abkehr von früherer Haltung
Die Einführung von Werbung markiert einen deutlichen Strategiewechsel. Firmenchef Sam Altman hatte sich lange strikt gegen Anzeigen im Chatbot ausgesprochen. Zuletzt zeigte er sich in Interviews jedoch offener und verwies auf Plattformen wie Instagram, auf denen Werbung „nützlich sein könne, wenn sie gut gemacht sei“.
OpenAI will die neuen Formate schrittweise testen und anhand von Nutzerfeedback weiterentwickeln. „[U]nser Engagement, die Nutzer:innen an erste Stelle zu setzen und ihr Vertrauen zu wahren, wird sich nicht ändern“, schreibt das Unternehmen. Langfristig wolle man Produkte entwickeln, „die Millionen von Menschen und Unternehmen so wertvoll finden, dass sie bereit sind, dafür zu bezahlen“.
Ob und wann die Werbetests auf Europa ausgeweitet werden, ist bislang offen.