
Interne Kommunikation gilt heute als strategischer Erfolgsfaktor. Sie soll Orientierung geben, Wandel begleiten und den Zusammenhalt stärken. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft in vielen Unternehmen eine große Lücke. Das zeigt der aktuelle „Trendmonitor Interne Kommunikation 2026“, den Staffbase gemeinsam mit der School for Communication and Management (SCM) veröffentlicht hat. Für die Studie wurden zwischen Juni und Juli 2025 insgesamt 431 Fach- und Führungskräfte aus dem deutschsprachigen Raum befragt, die in ihren Organisationen für interne Kommunikation verantwortlich sind.
Fehlende Strukturen trotz wachsender Bedeutung
Nur jede:r dritte Befragte arbeitet in einer eigenen Abteilung für interne Kommunikation. In größeren Unternehmen ist eine solche Einheit häufiger etabliert, während die Aufgaben in kleineren Organisationen meist bei der Unternehmenskommunikation, im Marketing oder im HR-Bereich angesiedelt sind. Fast jede:r Zehnte gibt sogar an, dass es im eigenen Unternehmen gar keine organisierte interne Kommunikation gibt.
Auffällig ist auch die Budgetlage: 40 Prozent berichten von gleichbleibenden Mitteln, 17 Prozent von Kürzungen und nur 13 Prozent von Erhöhungen. Rund jede:r Fünfte arbeitet mit weniger als 10.000 Euro Jahresbudget. Besonders kritisch: Knapp ein Viertel verfügt über kein festgelegtes Budget – ein deutliches Signal für mangelnde Planungssicherheit.
Strategie bleibt die Ausnahme
Zwar halten nahezu alle Befragten eine definierte IK-Strategie für wichtig, doch nur 17 Prozent verfügen über ein professionell ausgearbeitetes Konzept. Die Mehrheit arbeitet mit groben Leitlinien oder ganz ohne schriftliches Fundament. Entsprechend unklar bleiben oft die Ziele.
Die Studienautor:innen bringen diese Diskrepanz auf den Punkt: „Die interne Kommunikation soll Orientierung geben, Transformation begleiten und Kultur prägen – agiert dabei jedoch oft ohne das strategische Fundament, das für genau diese Aufgaben notwendig wäre.“
Wo Ziele klar formuliert sind, stammen sie meist direkt aus der internen Kommunikation selbst. Häufig werden sie jedoch von der Unternehmenskommunikation oder der Geschäftsführung vorgegeben.
Change dominiert die Inhalte
Erstmals stehen Change- und Transformationsthemen im Mittelpunkt der internen Kommunikation. 51,5 Prozent der Befragten geben an, diese Inhalte am intensivsten zu behandeln. HR-Themen folgen auf Platz zwei, während strategische Themen – lange Zeit Spitzenreiter – weiter an Bedeutung verlieren.
Gleichzeitig zeigt sich Zurückhaltung bei gesellschaftspolitischen Positionierungen. Zwar halten viele Unternehmen Stellungnahmen für notwendig, etwa wenn Werte betroffen sind oder Mitarbeitende dies einfordern. Doch nur 42 Prozent kommunizieren klar zu solchen Themen, ein ähnlich großer Anteil macht dazu keine Angaben.
Führungskräfte als Schlüssel – mit Defiziten
Führungskräfte gelten als entscheidender Hebel für wirksame interne Kommunikation. Mehr als 85 Prozent der Befragten bewerten ihren Einfluss als hoch oder sehr hoch. Gleichzeitig sehen fast drei Viertel mangelndes Kommunikationsverständnis als größte Hürde, rund 63 Prozent nennen Zeitmangel.
Zwar erhalten Führungskräfte häufig Briefings, Leitfäden oder Vorlagen – doch systematische Schulungen fehlen oft. Knapp 18 Prozent geben sogar an, dass Führungskräfte überhaupt keine Unterstützung erhalten.
Erfolgsmessung bleibt Problemfeld
Ein weiteres strukturelles Defizit ist die Wirkungsmessung. Nur etwa ein Drittel der Organisationen überprüft systematisch, ob Kommunikationsziele erreicht werden. In mehr als der Hälfte findet gar keine Erfolgskontrolle statt.
Als Hauptgründe nennen die Befragten fehlende Ressourcen, mangelndes Know-how und fehlendes Interesse. Dort, wo gemessen wird, rücken zunehmend Engagement, Beteiligung und Stimmungsbilder in den Fokus.
Künstliche Intelligenz als Zukunftstreiber
Mit Blick nach vorn sehen mehr als zwei Drittel der Befragten künstliche Intelligenz und Personalisierung als wichtigsten Zukunftstrend der internen Kommunikation. Bereits heute nutzen 86 Prozent KI-Tools im Arbeitsalltag – vor allem für Texte und Übersetzungen.
Gleichzeitig bestehen Hemmnisse: In manchen Unternehmen ist der Einsatz untersagt oder es fehlen klare Leitlinien. Parallel gewinnen emotionale Bindung, Sinnvermittlung und persönlicher Austausch weiter an Bedeutung.
Fazit
Der Trendmonitor zeigt ein ambivalentes Bild: Interne Kommunikation ist strategisch anerkannt, bleibt organisatorisch jedoch oft unterentwickelt. Fehlende Ressourcen, unklare Ziele und mangelnde Erfolgsmessung bremsen ihre Wirkung.
Die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre lautet daher: Strategischen Anspruch mit klaren Konzepten, ausreichenden Budgets und professioneller Steuerung zu verbinden – damit interne Kommunikation in Zeiten von Wandel und Unsicherheit tatsächlich Orientierung geben kann.
insights.staffbase.com (kostenloser Download nach Eingabe der Daten), kom.de