
Die Deutsche Telekom AG behauptet zum sechsten Mal in Folge die Spitzenposition im Corporate Benchmark von Net Federation und erzielt 787 von 1000 möglichen Punkten für ihre Unternehmenswebsite. „Die Site hat eine klare Struktur, hohe inhaltliche Tiefe und eine stringente strategische Klammer“, erklärt die Kölner Beratungsfirma. Auf den Plätzen folgen Rewe (714 Punkte) und Porsche (707 Punkte), während die Hannover Rück das Schlusslicht bildet.
Digitale Defizite trotz professioneller Inhalte
Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen trotz professioneller Inhalte massive digitale Defizite haben. Mobile Performance liegt im Durchschnitt bei nur 26 Prozent, Barrierefreiheit bei 52 Prozent, und viele Daten sind unstrukturiert oder schwer auffindbar. Christian Berens, Geschäftsführer von NetFed, sagt: „Die Corporate Website wird zur Referenz – genau deshalb ist die technische Basis keine Hygiene mehr, sondern Reputationslogik. Wer mobil nicht lädt, wird nicht gefunden. Wer Strategie als Textmenge präsentiert, wird nicht verstanden. Wer Daten versteckt, wird nicht verglichen.“
Nachhaltigkeitskommunikation und Greenhushing
Auch die Nachhaltigkeitskommunikation zeigt Schwächen: CR-Blogs brechen um 70 Prozent ein, nur 33 Prozent veröffentlichen Treibhausgas-Emissionen transparent, und 64 Prozent verstecken Klimadaten in PDFs. Berens warnt: „Greenhushing ist kommunikativ genauso riskant wie Greenwashing. Wer nicht vergleichbar macht, verliert Stakeholder, Mitarbeitende, Investor:innen.“
KI als neuer Stakeholder
Ein weiteres zentrales Thema ist KI-Readiness. Während 76 Prozent der Unternehmen über Künstliche Intelligenz kommunizieren, nutzen nur 6 Prozent eine KI-gestützte Suche. Chatbots wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity durchsuchen bereits Unternehmensinhalte und prägen die Außenwahrnehmung. Berens betont: „Wer Inhalte nicht so aufbereitet, dass sie gefunden, verstanden und verglichen werden können, verliert Kontrolle über die eigene Wahrnehmung.“ Siemens zeige mit KI-gestützter Suche, wie komplexe Konzernstrukturen strategisch durchdringbar werden.
Lichtblicke und Best Practices
Trotz struktureller Schwächen gibt es Vorreiter:innen:
- E.ON zeigt im Über-Uns-Bereich, wie strukturelle Klarheit funktioniert.
- Vonovia präsentiert ein ESG-Factbook mit allen Kennzahlen strukturiert und online zugänglich.
- Otto gibt Auszubildenden authentische Einblicke, statt Hochglanzinszenierungen zu zeigen.
- Deutsche Bahn demonstriert, dass KI-Chatbots funktionieren, wenn Prozesse simpel bleiben.
Christian Berens fasst zusammen: „Finden. Verstehen. Vergleichen. – das ist der neue Standard für digitale Glaubwürdigkeit.“ Wer diese Grundprinzipien nicht erfülle, riskiere nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch Relevanz.
Ziel des Corporate Benchmark
Der Corporate Benchmark analysiert jährlich die 50 größten deutschen Konzerne und untersucht deren Websites auf KI-Readiness, Barrierefreiheit und inhaltliche Konsistenz. Ziel ist es, Kommunikationsverantwortlichen datengestützte Orientierung für die Optimierung der digitalen Infrastruktur zu bieten.