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Lassen Sie tief blicken!

Nach drei Folgen (1, 2, 3) voll mit Theorie widmen wir uns heute gleich der Königsdisziplin des Employer Brandings: HR Videos! Ich werde jetzt nicht den hundertsten Artikel schreiben, der die 5/10/15 schlechtesten/besten/peinlichsten Human Ressources Videos verlinken. Das können andere viel besser.

Sie wollen also ein HR Video produzieren? Warum eigentlich? Gut, mittlerweile hat jeder eins, von der Sparda Bank bis zum Bäckerhandwerk, aber warum Sie? Was wollen Sie erreichen? Wollen Sie die BewerberInnenzahlen steigern, mehr passende BewerberInnen oder wollen Sie einfach nur den zukünftigen KandidatInnen ein realistisches Bild Ihrer Unternehmenskultur vermitteln und damit (vorbildlich!) proaktiv die Fluktuation reduzieren? Sie wollen die HR Abteilung und den Bewerbungsprozess vorstellen? Sie wollen den Azubis/PraktikantInnen ein Videoprojekt zum Abschluss geben? Dann sollten Sie für jedes dieser Ziele ein eigenes Format wählen:

Option 1: Sie wollen also die schiere Zahl an eingehenden Bewerbungen steigern? Dann brauchen Sie ein Video, das Reichweite generiert und die Grenzen Ihrer bisherigen Bekanntheit überschreitet, ja sprengt. Sie sollten in Ihrem Video die Vielfalt an Jobs vorstellen, die Sie anbieten. Zeigen Sie Vielfalt der Fachbereiche (von Buchhaltung bis Produktion), der Einstiegsmöglichkeiten (von PraktikantInnen bis zu Führungskräften) und der Aufgaben, vor denen Ihre MitarbeiterInnen täglich stehen. Wollen Sie, dass das Video von alleine „viral geht“ also sich von allein in sozialen Netzwerken verbreitet, dann wäre das die hohe Schule in Social Media. Machen Sie sich mit „Memen“ vertraut – medienrot.de hat hier einige sehr aufschlussreiche Artikel zum Thema. Sicherer dürfte aber klassisches Online Marketing funktionieren – Stichworte SEO, SEM, SEA.

Option 2: Sie wollen einen besseren „Fit“ zwischen BewerberInnen und offenen Positionen herstellen und somit die Effizienz des Recruitings steigern – und weniger BewerberInnen absagen müssen? Dann produzieren Sie einzelne Videos, in denen kurz (60 Sekunden) die Jobs oder die Bereiche vorgestellt werden. Zeigen Sie das Team, in dem gearbeitet wird und welche Aufgaben anstehen.

Option 3: Sie wollen etwas so Abstraktes wie Ihre Unternehmenskultur rüberbringen? Dann sollten Sie herausfinden, worin sie sich konkret ausdrückt. Legen Sie eher Wert auf Kooperationen oder Einzelleistungen? Stehen Preis oder Qualität Ihres Produktes im Vordergrund? Arbeiten Sie eher dynamisch und schnell oder geht’s Ihnen eher um Sorgfalt und das beste Ergebnis? Dann zeigen Sie genau das in Ihrem Video.

Option 4: Sie als PersonalerIn kennen Ihren Bewerbungsgprozess und worauf es Ihnen dabei ankommt am besten. Stellen Sie sich vor, Sie schreiben Ihr gesamtes Leben von der Grundschule über die Uni, vorherige Jobs, Hobbies, private Interessen und noch viel mehr in ein PDF und schicken dieses an eine info@irgendeiner-Adresse oder laden es in irgendein Tool hoch. Sie würden sich bestimmt besser fühlen, wenn Sie wüssten, was damit dann passiert und dass Ihr Leben für die andere Seite nicht nur eine Fallnummer ist – sondern eben ein Lebenslauf. Also zeigen Sie, wie die Personalabteilung arbeitet, wie der Prozess (idealtypisch) aussieht und welche KollegInnen damit befasst sind. Das schafft Vertrauen bei BewerberInnen.

Für all diese HR Videos gilt:

a: Greifen Sie idealerweise auf einen Dienstleister für die Konzeption und Produktion des Videos zurück. Das Geld ist auf jeden Fall sinnvoll investiert. Ihr Ruf steht auf dem Spiel.

b: Lassen Sie KollegInnen sprechen und verzichten Sie auf Models. Kein ernsthafter Bewerber wird sich deswegen gegen Sie entscheiden. Außerdem wollen Sie ja niemandem vorgaukeln, sich in einer mit Models besetzten Kreditorenbuchhaltung zu bewerben, oder?

c: Interviewen Sie Ihre MitarbeiterInnen beziehungsweise lassen Sie sie von einer externen Person interviewen. Widerstehen Sie der Verlockung, einen Sprechzettel oder „Antworthilfen“ zu geben. Ihre MitarbeiterInnen sind keine Schauspieler und das müssen Sie auch nicht – sie können sich am besten in ihren eigenen Worten ausdrücken.

d: Sie haben natürlich auch eine Verantwortung dafür, wie die KollegInnen im fertigen Video rüberkommen. Achten Sie darauf, dass niemand sich blamiert. Machen Sie unbedingt eine Endabnahme mit den Beteiligten und sicherheitshalber auch unbeteiligten Personen. Sie wollen Ihre engagierten KollegInnen nicht dem Spott des Internets aussetzen.

Option 5: Das Praktikanten-Video ist anders. Hier sollten sie so viele Freiheiten gewähren, wie Sie können – eigentlich sogar ein bisschen mehr. Wenn die PraktikantInnen oder Auszubildenden ein Video drehen und ihren Arbeitsplatz darstellen wollen, was könnte Ihnen Besseres passieren? Stehen Sie ihnen zur Seite, haben Sie ein Auge auf die Inhalte, aber widerstehen Sie der Versuchung, Ihre Germanistik-Skills selbst einzubringen, indem Sie die Rap-Lyrics schreiben. Das kann nur scheitern. Stattdessen sollten Sie mit den ProtagonistInnen abklären, ob Sie sich bewusst sind, wie das Internet und einige Medien auf das Video reagieren könnten.

s-dietrichÜber den Autor: Sebastian Dietrich studierte Politik und Publizistik und arbeitet seit 10 Jahren an der Schnittstelle von HR und PR. Er schreibt bei medienrot ab jetzt über die magische Welt des Employer Brandings.