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10 Snapchat-Accounts zum Einsteigen

Naked man taking selfie

Foto: Fotolia.com, heather_eatman

Auf der diesjährigen Re-publica (#rpTEN) waren Vorträge rund um das Thema Snapchat tatsächlich die mit dem – gefühlt – höchsten Andrang. Jens Stoewhase „erforscht“ dieses soziale Netzwerk der angeblich jüngsten Generation von Smartphone-NutzerInnen seit einiger Zeit. Für die medienrot-LeserInnen hat er eine Liste an Snapchat-Accounts zusammengestellt, die den Einstieg erleichtern soll.

Snapchat ist mit einem Delay von zwei bis drei Jahren auch auf deutschen Konferenzen angekommen. Denn in den USA war die App schon 2013 und 2014 Thema der digitalen Avantgarde und Hype-Thema verschiedener Konferenzformate. Doch mit diesem Einstieg will ich gar nicht meckern. Denn dieser zeitliche Verzug zwischen den Kontinenten ist ja auch irgendwie beruhigend. Sorgt er doch womöglich dafür, dass ein paar Hypes auf dem Weg über den großen Teich abkühlen und thematisch ins Wasser fallen.

Aber zurück zu Snapchat. Fast jeden Menschen, den ich auf der Re:publica zum Nutzen von Snapchat befragt habe, konnte mir keine befriedigende Antwort geben. Das ist nicht weiter tragisch. Manches muss man einfach erkunden und sich dann selbst einen Reim darauf machen. Ein Mal nicht auf die BeraterInnen hören, sondern ausprobieren…

Meine schnelle Zehnerliste soll Lust auf das Ausprobieren machen. Legen wir also los:

IMG_69201: hellobild
Mehr Experiment geht nicht. Was Manuel Lorenz und Team in Sachen BILD und Snapchat auf die Beine stellen, das ist wirklich großes Entertainment. Ob eine Art Reportage oder News, das Covern der Anschläge von Brüssel oder die Style-and-Beauty-Tipps – hellobild bringt täglich Inhalte auf Smartphones. Was ich gelernt habe: Man kann die Marke BILD auch seriöser bedienen als es bei der Tageszeitung oder ihrem Webableger üblich ist.

2: schirnsnaps
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt lässt mit ihrem Snapchat-Account hinter die Kulissen ihres Kunstbetriebes schauen. Das ist nicht unbedingt spektakulär, aber zeigt doch, welche Themen man für die Kommunikationsarbeit über diesen Kanal aufbereiten kann. Was ich gelernt habe: Die Größen der Kunstwelt lassen sich selbst zu Snapchat herab.

3: halligallisnap
Die TV-Show „Circus HalliGalli“ versendet sich jeden Montag Abend über ProSieben. Der Snapchat-Account teasert die vermeintlich wichtigsten Ereignisse der bereits am Nachmittag produzierten Show. Aktuell hat der Promi-Fotograf Paul Ripke die Regie hinter dem entsprechenden Smartphone übernommen. Was ich gelernt habe: TV-Macher haben auch keine besseren Ideen als Menschen ohne 16-zu-9-Ausspielung – aber eben auch keine schlechteren.

4: bento_de
Spiegel Online hat sich im vergangenen Jahr einen Jugendableger geleistet – bento.de. Der Snap-Account wird von verschiedenen Personen bespielt, bei denen man nicht so recht weiß, ob sie PraktikantInnen sind oder das Smartphone mit dem Snapchat-Account nur mit auf eine Klassenreise mitgenommen haben. Was ich gelernt habe: Spiegel Online geht auch amüsant dilettantisch – und nah an die vermeintliche Zielgruppe heran.

5: fcunion66
Der 1. FC Union Berlin ist mit seiner Frauenmannschaft gerade der Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga gelungen. Auf Snapchat sieht man leider noch nicht viel davon. Das Team um Stadion- und Pressesprecher Christian Arbeit dokumentiert dafür um so ausführlicher, wie die Stimmung im Stadion ist, wenn die Männermannschaft des Zweitligisten aufläuft. Was ich gelernt habe: Fußball ist ein gutes Thema für Snapchat, nur vom Spiel darf man kein Bewegtbild zeigen. Das werden die Vermakrtungsrichtlinien der Liga vermutlich nicht zulassen.

IMG_69196: thschwenke
Rechtsanwalt Thomas Schwenke – oder der Mann der mit seinem Plüschpinguin spricht. Schwenke nutzt den kleinen Kunstgriff einer „Puppe“ und gibt seinem blauen Pinguin Pombel ein wenig Nachhilfe in Sachen Medienrecht. Was ich gelernt habe: Es wirkt nur etwa zehn Snaps lang befremdlich, wenn ein erwachsener Mann und Rechtsanwalt mit seinem Plüschtier spricht.

7: helloleni
Lena Meyer-Landrut füttert – für mich – den klassischen Promi-Account auf diesem Kanal. Ein wenig Sport hier, ein paar Snaps aus dem Backstage oder dem Flieger oder der Maske. Oder eben ein paar verwackelte Bilder von irgendeinem Event, auf dem die Künstlerin und Werbeikone nicht fehlen darf. Solide gemachte Selbstdarstellung. Was ich gelernt habe: Ein alter Freund ist inzwischen Tonmann in der Crew von Frau Meyer-Landrut. Das habe ich durch die Snaps entdeckt.

8: tknuewer
Berater und Ex-Journalist Thomas Knüwer rantet sich durchs mobile Internet und hinterlässt dabei gut gemachten Snapchat-Content. Dabei bekommen insbesondere Medienunternnehmen, wie Verlage sowie Marketing- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen auf den Deckel. Was ich gelernt habe: Süffisantes Zerreißen von Medien- und Marketingthemen funktioniert bestens. Bei Knüwer kann man gut beobachten, wie man mit Unzulänglichkeiten von Snapchat spielt und ein Format daraus stricken kann.

9: richardgutjahr
Der Journalist Ríchard Gutjahr ist – meiner Meinung nach – bei Snapchat der Mensch mit dem größten Sendungsbewusstsein. Er reizt das Maximum an selbstreferentiellen Snaps aus, indem er sehr häufig von seinen zahlreichen Reisen snappt: Mal aus dem Flieger oder der Bahn oder dem Auto oder dem TV-Studio oder irgendeiner anderen Location halt. Denn Gutjahr reist viel. Das muss man sicher nicht alles mögen, was der Kollege da so versnappt. ABER: Wenn man lernen möchte, wie man eine Person als Marke aufbereitet, dann sollte man Gutjahr folgen. Denn das macht er wirklich perfekt. Was ich gelernt habe: Das ich großen Repsekt davor habe, wenn sich Menschen so weit öffnen. Allerdings habe ich auch gelernt, dass ich so weit nicht gehen möchte.

10: arnoldschnitzel
Ja, es ist das drin, was SIE vermuten. Arnold Schwarzenegger hat einen Snapchat-Account und sondert darüber auch gelegentlich Inhalte ab. Ob in Kuwait bei den Troops oder am Strand oder auf einem Fitness-Event, Arni ist gut drauf und sagt oft „look at this“. Was ich gelernt habe: Arni ist wieder der Alte. Der Mann fürs Grobe.

Bonustrack: hurraeva
Eva Schulz ist eine junge Journalistin, die aktuell in Wien wohnt. Leider veröffentlicht sie viel zu selten eine ihrer wirklich toll gemachten Snaportagen. Zwei Beispiele seien hier und hier verlinkt. Was ich gelernt habe: Eva Schulz zeigte mir, wie man eine längere Geschichte sinnvoll erzählen kann und dabei Rücksicht auf die technischen Herausforderungen der Snapchat-App nimmt.

Über den Autor:
jst-autorenbildJens Stoewhase ist Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die das Onlinejournal medienrot.de im Auftrag der Landau Media AG betreibt. Dabei ist er auch immer wieder als Produzent von Videoinhalten aktiv. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.


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