Newsletter

Employer Branding: 5 Gründe gegen Facebook

Wir hatten in der letzten Folge unserer kleinen Serie über das Employer Branding die Sozialen Medien am Wickel und hatten mal so grundlegend erklärt, wie Sie Ihre Arbeitgebermarke dort so richtig strahlen lassen können. Wir hatten geschlossen mit dem Cliffhanger, dass ich Ihnen in dieser Folge unserer kleinen Serie verrate, warum der Artikel „6 Tipps für Ihre Arbeitgebermarke in Sozialen Medien“ eigentlich „6 Tipps für Ihre Arbeitgebermarke in Sozialen Medien“ überschrieben ist und damit natürlich auch, warum Sie hier „5 Gründe…“ lesen werden.

Es handelt sich um ein sogenanntes Listicle, also einen Artikel in Listenform. Diese journalistische Textgattung ist so alt und nützlich, wie die 10 Tipps für einen flachen Bauch, die 5 besten Hausmittel gegen Rotweinflecken (Salz!) und die 5 längsten Ehen von Liz Taylor. Durch Soziale Medien jedoch erwachen Listicles zu neuem Ruhm – sie werden einfach öfter geklickt und spielen der Aufmerksamkeits-Ökonomie von Facebook und auch Twitter. Die Bereitschaft zum Konsum langer Texte geht zurück und Information soll möglichst kurz und prägnant verpackt werden. Aber kommen wir nun zu unseren 5 Gründen, warum Sie Facebook ignorieren sollten:

1. Grund: Ihre Kundschaft treibt sich dort einfach nicht rum. Facebook-Nutzer in Deutschland sind in der Mehrheit unter 34 Jahren alt. Suchen Sie also für Ihr Unternehmen – warum auch immer – doppel-promovierte Kernphysiker (m/w) mit 20 Jahren Berufserfahrung, könnte es eng werden. Es sei denn, Sie nehmen ein bisschen Geld in die Hand und versuchen, die oben genannten KandidatInnen per Facebook-Ads zu erreichen. Damit können Sie Ihre Zielgruppen sehr genau eingrenzen, oder targeten, wie der Dengländer sagt. Ob diese Zielgruppe gern über ein solches Medium angesprochen wird, bleibt aber fraglich. Facebook wird im Gegensatz zu Xing und LinkedIn primär als privates Netzwerk wahrgenommen. Jüngere Menschen sind da tendenziell offener.

2. Grund: Sie haben nichts zu erzählen. Wenn Ihnen nicht spontan 5 Geschichten einfallen, die Sie auf Facebook posten wollen, um Ihre Arbeitgebermarke zu formen, dann wird das schwierig. Sie können natürlich mit Katzenvideos arbeiten und werden damit auch Likes und Shares bekommen, aber Ihre Arbeirgebermarke nimmt dadurch keine Gestalt an – es sei denn, Sie sind KleintierveterinärIn.

3. Grund: Ihre Azubis rappen gern. Nein, einfach nur nein. Wirklich nicht. Was Sie damit erreichen ist nur Reichweite, denn Ihr Video wird garantiert geteilt und verbreitet wie nichts Gutes. Wenn Sie also Traffic und Klicks auf Ihren Youtube-Channel kriegen wollen, dann lassen Sie den KollegInnen freien Lauf, aber warnen Sie sie vor dem unerbittlichen Spott der Netzgemeinde.

4. Grund: Shitstorms. Ja, die heißen zu recht so. Wenn Sie und Ihr Unternehmen nicht darauf vorbereitet sind, die volle Kraft der Sozialmedien zu spüren und adäquat darauf zu reagieren, dann wird es im 21. Jahrhundert zwar generell schwierig für Ihr Unternehmen, aber Sie sollten nicht auch noch eine zweite Front aufmachen. Stellen Sie sich auch darauf ein, dass sich Shitstorms in den seltensten Fällen kommunikativ beruhigen lassen sondern nahezu ausschließlich durch abstellen oder anpassen der bestürmten Geschäftspraktik.

5. Grund: Sie machen alles richtig. Nein, machen Sie nicht. Und es wird jemanden auf Facebook geben, der das rausfindet und postet. Auch bei Ihnen hat mal ein Bewerbungsprozess mehrere Monate gedauert oder das Bewerbungssystem Schluckauf gehabt. Wenn Sie all das nicht öffentlich über Ihr Unternehmen lesen wollen, machen Sie’s wie die Sonnenuhr, zählen Sie die heit’ren Stunden nur.

Bonus-Grund: Sie haben gehört, dass braucht man jetzt. Da haben Sie zwar richtig gehört, aber ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, es gibt auch immer noch Menschen, die der Meinung sind, dass es in der Großstadt nichts praktischeres gibt als einen Dreitonner mit Allradantrieb und den Ausmaßen einer Anbauwand. Sie und Ihr Unternehmen sollten bewusst und strategisch entscheiden, dass Facebook ein sinnvoller Kanal für Ihre Personalmarketing-Aktivitäten ist. Ansonsten kann es böse ausgehen.

s-dietrichÜber den Autor: Sebastian Dietrich studierte Politik und Publizistik und arbeitet seit 10 Jahren an der Schnittstelle von HR und PR. Er schreibt bei medienrot ab jetzt über die magische Welt des Employer Brandings.