Der War for Talents im Social Web

Foto: © Fotolia/Coloures-pic
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Eigentlich ein Fest. Eigentlich hätte dieses Thema ein Fest werden sollen: Denn natürlich bietet sich Arbeitgebern im digitalen Raum die Möglichkeit, eine sehr große operative Nähe zu ihren Zielgruppen aufzubauen und zu nutzen.

Alle Zielgruppen tummeln sich im Social Web
Alle Zielgruppen haben irgendwelche digitalen Hotspots: Netzwerke, Blogs und insbesondere Foren, auf denen ihre Fragen gestellt, Erfahrungen getauscht und Entscheidungen beeinflusst werden.
Arbeitgeber können Gast auf diesen Tummelplätzen werden, um Antworten beizusteuern, mehr Aufmerksamkeit zu erreichen und mit jedem „Fußabdruck“ etwas zu ihrer Markenpräsenz und -wahrnehmung hinzuzufügen.
Insbesondere Unternehmen, deren Gastgeberpräsenzen, z.B. die Facebook-Seite, nicht von jedem Talent ohne weiteren Impuls sowieso angesteuert werden, könnten hier Boden gutmachen. Eigentlich sogar den einen oder anderen Top-Arbeitgeber leicht überholen.
Könnten.

The war for Talents is over – Talents won … really?
Woran liegt es, dass diese Chance bisher nur vereinzelt wahrgenommen wird?
Plakativ ließe sich zuerst formulieren: The War for Talents is over – Talents won. Arbeitgeber haben also sowieso keine Chance mehr, besonders auf sich aufmerksam zu machen. Personalmarketing und Employer Branding sind irrelevant geworden. Aber das wäre natürlich nicht schön. Und das stimmt auch nicht.

Zweiter Versuch: Es gab nie einen War for Talents. So sehen wir aktuell, dass es überhaupt keinen Mangel an Menschen unterschiedlicher Qualifikation gibt oder gab, die sich ein Arbeitsleben in Deutschland vorstellen können. Vielleicht gibt es einen temporären Platzmangel in Deutschkursen, vielleicht zudem einen zu fokussierten Blick auf die etablierten Absolventenmessen. Aber einen Mangel an Talenten gibt es nur bei sehr kurzfristiger Sicht. Interessanterweise kann auch hier das raumgreifende Social Web das Medium sein, um diese Strategielücke zu füllen.

Allerdings fällt mir gerade der Fachbegriff nicht ein. Wenn Studenten sich eigentlich auf eine Prüfung vorbereiten müssten, dann tun sie mitunter Erstaunliches: Sie cruisen oder loungen gemeinsam herum und schlagen die Zeit tot. Warum? Warum ist das effizient? Ganz einfach: Wenn niemand gut vorbereitet ist, dann fällt auch das eigene schwache Abschneiden nicht auf. Abweichler werden als Streber sozial bestraft.

Gäste und nicht Gastgeber sollt ihr sein
Wenn sich alle – oder zumindest wahrgenommene Leitsterne – an den eigenen Gastgeberschaften auf diversen Kanälen abarbeiten und immer neue Auszeichnungen vergeben, dann ist es schwer, das digitale Neuland tatsächlich zu nutzen. Denn natürlich bedeutet Digitalsierung von HR nicht, einfach nur weitere Kanäle zu befüllen.

Die Spieltheorie und die aktuelle Praxis zeigen aber, dass ein solcher Konsens kein Gleichgewichtszustand ist. So weiten einige Arbeitgeber ihren Radius bereits deutlich aus. So könnte es sein, dass der War for Talents, inklusive Deutschlehrer, noch gar nicht begonnen hat. Und wenn es richtig losgeht, dann werden die besten Positionen im Social Web bereits vergeben sein.

Über den Autor:
Prof. Dr. Martin GrotheProf. Dr. Martin Grothe ist geschäftsführender Gesellschafter der complexium GmbH und Honorarprofessor an der Universität der Künste Berlin. Er ist Vorstand des Deutschen Competitive Intelligence Forums dcif e.V., Beirat von Quality Employer Branding Queb e.V., der dotBERLIN-Initiative, und Dozent am Institute for Competitive Intelligence ICI. Alma Mater ist die Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung WHU.
Im September 2014 erschien das neuste Fachbuch “Personalmarketing für die Generation Internet” von Prof. Dr. Martin Grothe.

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