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Podcasten für EinsteigerInnen

Mitte Oktober fand in Berlin in den Räumen von Landau Media ein Podcast-Workshop statt. Eingeladen hatte die Landesgruppe Berlin/Brandenburg des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher (BdP), Landau Media unterstützte mit Raum, Catering und mehr.

Silke Goedereis (Amazon Corporate Communications) und Matthias Bannas (Leiter Verbandskommunikation, Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft) hatten den Nachmittag für ihre Mitglieder des Bundesverbandes deutscher Pressesprecher organisiert. Dazu eingeladen waren gleich zwei Podcast-Profis. Sachar Klein podcastet bei „Talking Digital“ über Kommunikation in der Digitalisierung und ist Gründer der PR-Agentur hypr. Vincent Kittmann ist Head of Podcasts bei den Online Marketing Rockstars (OMR) in Hamburg, die nicht nur Podcasts produzieren sondern auch vermarkten.

Im Workshop wurde klar, Podcasting ist in den USA bereits weit über die Zeit der reinen Experimente hinaus. In Deutschland verfügen ebenfalls einige Podcasts bereits über beachtliche Reichweiten. So kommt vermutlich Deutschlands erfolgreichster Podcast „Sexvergnügen“ auf bis zu 180.000 Downloads. Das schafft so manches deutsches Radioprogramm nicht an HörerInnen pro Durchschnittsstunde.

Doch was sind nun Podcasts und wie produziert man sie? Immerhin lautet die Überschrift des Beitrags „Podcasten für EinsteigerInnen“. Die Wikipedia erklärt ganz banal aus technischer Sicht, was  man unter einem Podcast verstehen kann.

„Podcasting bezeichnet das Anbieten abonnierbarer Mediendateien (Audio oder Video) über das Internet. Das Kofferwort setzt sich zusammen aus der englischen Rundfunkbezeichnung Broadcasting und der Bezeichnung für bestimmte tragbare MP3-Player, iPod, mit deren Erfolg Podcasts direkt verbunden sind und die heute stellvertretend für jegliche tragbare MP3-Player stehen. Heute werden Podcasts vor allem über Smartphones gehört. Durch die wachsende Verbreitung von Smartphones und den immensen Erfolg einzelner Podcasts wie „Serial“ oder „Sanft & Sorgfältig“ bzw. „Fest & Flauschig“ sind Podcasts seit dem Jahr 2015 von Jahr zu Jahr populärer geworden. Ein einzelner Podcast besteht aus einer Serie von Medienbeiträgen (Episoden), die über einen Web-Feed (meistens RSS) automatisch bezogen werden können. Alternativ sind Podcasts auch unter dem markenneutralen Begriff Netcast bekannt.“ wikipedia.de >>

Anhand unseres medienrot-Podcasts (RSS-Feed) will ich ganz praktisch erklären, wie eine Folge entsteht. Und wie funktioniert das besonders einfach? Richtig, in einer kleinen Liste.

1. Das redaktionelle Konzept: Die größte Schwierigkeit ist immer der Einstieg. Warum soll ich einen Podcast machen? Wie geht das? Was geht nicht? Für mich war das Querhören anderer Formate „erleuchtend“. Ich mag Hörstücke im Radio (Deutschlandfunk) und ich mag ausführliche Interviews (Radio Eins). Das Interview mit einer Expertin oder einem Experten ist dabei noch der kleinste Aufwand. Man bereitet Fragen vor, die einen selbst interessieren oder Dritte interessieren könnten. Und im Interview holt man sich dann die Antworten. So einfach und so herausfordernd war unser Einstieg.

Bisher galten Podcasts als eine Art endloses Format. Man könnte also unter Zugzwang geraten, ständig eine neue Folge produzieren zu müssen. Auch wenn man keine wirklich passenden Ansprechpartner für weitere Interviews finden würde. Der Erfolg des amerikanischen Krimi-Podcasts „Serial“ war meine Lösung. „Serial“ ist ein Reportageformat, das einen mysteriösen Kriminalfall in den USA wieder aufrollte. Er wurde als Staffel konzipiert und produziert – wie wir es von TV- oder Netflix-Serien kennen. So entschied ich mich ebenfalls für eine Staffelproduktion. Das sorgte für einen Überblick und machte die Umsetzung einfacher, denn man konnte auch mal einen Endpunkt setzen.

2. Die redaktionelle Vorbereitung: Die Entscheidung für eine Staffelproduktion machte die Arbeit überschaubarer, aber eine redaktionelle Vorbereitung brauchte es dennoch. Aus der Produktion von Videointerviews – u.a. auf früheren Kommunikationskongressen – wusste ich um den Vorteil von der Produktion auf Veranstaltungen. Dort trifft man in der Regel mehrere ExpertInnen, die für Interviews zur Verfügung stehen. Das DPRG Zukunftsforum in Gelsenkirchen bot spannende Speaker, die potentielle Interviewgäste in unserem medienrot-Podcast sein könnten. Landau Media unterstützte in diesem Jahr das Forum als Sponsor und war mit einem eigenen Stand vor Ort. Es war also eine gute Situation, um den Veranstalter DPRG vorab um einen kleinen Raum für Aufnahmen zu bitten. Gleichzeitig kontaktierten wir die fünf bis sechs für uns interessanten Speaker und baten um Audio-Interviews und klärten die zu erwartenden Fragen mit ihnen grob ab.

3. Das technische Setup: Für die erste Folge unseres medienrot-Podcasts nutzte ich ein sehr überschaubares Maß an technischer Ausstattung. Für die Aufnahme selbst tat es der Recorder Zoom H2n (1) mit einem einfachen Wind- und Popschutz (2). Der Kopfhörer (5) ließ mich verfolgen, ob die Aufnahmen auf dem Recorder von guter Soundqualität waren. Der Handgriff (4) machte den kleinen Recorder handlicher. Nach der Aufnahme übertrug ich die Sounddatei vom Recorder auf meinen Computer per USB-Kabel (3).

4. Die Produktion: Während der zwei interessanten Tage in Gelsenkirchen haben wir insgesamt fünf Interviews aufgenommen. Jedes dauerte zwischen 10 und 20 Minuten – je nach dem, wie die GesprächspartnerInnen antworteten. Mal war es eher ausführlich, mal eher knapp. Der Vorteil an einem Podcast liegt ja u.a. darin, dass es keine Zeitvorgaben in Länge oder auch Kürze gibt. Der Vorteil des eigenen Raumes für die Interviews war eine entspannte und ruhige Gesprächsatmosphäre, die für die Aufnahmequalität wichtig war und für die Konzentration der Interviewgäste.

5. Die Nachbearbeitung: Nach den Aufnahmen ist natürlich vor der Postproduktion und vor dem Schnitt. Für die einfache Bearbeitung der Sounddateien nutze ich das Musikbearbeitungsprogramm GarageBand auf einem Macbook Air. Ein typische Alternative für Windows-Computer ist das kostenlos und frei erhältliche Programm Audacity. GarageBand hat für mich den Vorteil, dass die Software bereits eine erweiterte Soundbibliothek mit sich bringt, die es mir ermöglicht, eigene Intros und Outros zu erstellen. Hier muss man sicherlich als Windows-NutzerIn auf ein anderes Programm als Audacity zurückgreifen. Im Bekanntenkreis nutzen die Leute den Music Maker von Magix.

6. Das Veröffentlichen: Ist eine Folge erstellt, so geht es um die Veröffentlichung. Dafür benötigt es einen Titel für die Folge, einen Beschreibungstext und gern auch weiterführende Links, die im Blogbeitrag zur Folge veröffentlicht werden. Gleichzeitig braucht es mindestens ein knackiges Bild, der Eye-Catcher im Blog und auch in den Podcastverzeichnissen. Alle gerade beschriebenen Bestandteile können auch in die fertige mp3-Datei implementiert werden, wenn man sie über den Onlinedienst Auphonic noch einmal automatisiert überarbeiten lässt.

Anschließend geht es um die Distribution über möglichst viele Kanäle. Noch sind Podcasts eine Nische, doch in dieser größer werdenden Ecke gibt es viele Wege zu den HörerInnen. Wichtig ist zuerst ein Hoster: Dort wird der RSS-Feed generiert, der den HörerInnen die Abonnementfunktion via Apple iTunes oder anderer Podcast-Apps auf Smartphones und Tablets ermöglicht. Ich habe den deutschen Service podcaster.de gewählt. Er ist preisgünstig und distribuiert auch an weitere Webportale, die Podcastverzeichnisse hosten. Darüber hinaus veröffentlichen wir die medienrot-Folgen auch über Soundcloud. Es wäre auch Mixcloud, Voice Republic oder ein eigenes Hosting via Podlove-Publisher möglich. Unsere Podcast-Folgen kann man allerdings auch über die medienrot-Seite direkt hören und auch herunterladen. Für sämtliche Varianten gibt es Vor- und Nachteile, die man für sich prüfen sollte. Letztendlich muss man eine Entscheidung treffen und diese muss nicht für ewig sein. Für den medienrot-Podcast hat sich gezeigt, dass die Einbindung und Bewerbung des Formats in alle bisherigen medienrot-Kanäle für die entsprechende Hörerschaft sorgt, die mit jeder Ausgabe wächst.

Bonus, Tipps & Tricks:

Warum werden Podcasts gerade heute wieder interessant? Die aktuelle ARD-ZDF-Onlinestudie (PDF) bestätigt eine ständige Zunahme der Audionutzung im Internet. Gleichzeitig bestätigt auch der aktuelle Webradiomonitor diese Beobachtung. Audio-Content liegt im Trend und wird durch eine technische Entwicklung, die aktuell Fahrt aufnimmt, auch noch unterstützt. Die Sprachassistenten, wie Amazon Alexa, Apple Siri oder der Google Assitent bringen das individuelle Hören von Audio-Inhalten weiter nach vorn. Darüber hinaus wird Podcasting auch durch die Onlineausgaben der Nachrichtenmedien immer mehr zum Mainstream in Deutschland: So publizieren bereits Spiegel Online, Zeit Online oder auch Bild Online Podcasts. Ganz zu schweigen von den Audio-Streamingdiensten Spotify und Deezer, die bereits Podcast-Shows für ihre Portale exklusiv produzieren lassen.

Doch warum sollte man sich als Kommunikationsverantwortliche/r einen Podcast ans Bein binden? Weil es ein gutes Nebenbei-Medium für die interne und externe Kommunikation ist. Weil es O-Töne liefern kann, die man auch für die Radio-PR verwerten kann. Und weil die Produktion günstiger ist als Video-Content.

Natürlich braucht es auch immer gute Beispiele. Die sollen an der Stelle nicht fehlen. Die Rockband Beatsteaks hat mit einer Podcaststaffel die Veröffentlichung ihres aktuellen Albums in der Promotion unterstützt. Der Radiomoderator Holger Klein produziert 14-tägig den wissenschaftlichen Resonator-Podcast für die Helmholtzgesellschaft. Und der Rechtsanwalt Dr. Thomas Schwenke veröffentlicht regelmäßig den Jura-Podcast „Rechtsbelehrung“ zusammen mit dem Radiomacher Marcus Richter.

Mir bleibt an dieser Stelle nur eins zu sagen: Probieren Sie es aus – entweder durch die eigene Produktion oder mit Unterstützung Dritter. Sollten Sie weiterführende Fragen haben, schreiben Sie uns gern eine Mail an redaktion@medienrot.de.

Weiterführende Links:

Audiowelten im Wachstum: Zur Radio-, Audio- und Streaming-Nutzung im Internet >>
Warum die Online Marketing Rockstars auf Podcasts abfahren >>
Podcast erstellen: Tipps für Audioformate >>
Marketing mit Amazon Alexa: Das sind die ersten Reichweitenzahlen >>
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Über den Autor:
jst-autorenbildJens Stoewhase ist Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die das Onlinejournal medienrot.de im Auftrag der Landau Media AG betreibt. Dabei ist er auch Produzent des medienrot-Podcasts. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.