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ZEITmann – Unterhaltung für den modernen Mann?

Am 27. März 2014 lag der ZEIT das Sonderheft ZEITmann bei. Es soll Antwort(en) auf die Frage geben: Wann ist ein Mann noch ein Mann? und will dabei gänzlich auf die oft in Männerzeitschriften bemühten Themen Autos, Sixpacks und nackte Frauen verzichten – zumindest im redaktionellen Teil. Denn über eine Anzeige des Männermagazins Playboy mogeln sich dann doch ein paar Bunnies ins Heft. Ganz ohne scheint es wohl doch nicht zu gehen …

„Die Idee für das Magazin entstand aufgrund der positiven Reaktionen von Lesern auf die Männerschwerpunkthefte des ZEITmagazins, die seit September 2012 zweimal im Jahr erschienen sind“, heißt es in der Pressemitteilung der ZEIT Verlagsgruppe.

Und was bietet das Heft dem geneigten Leser? „33 gute Nachrichten für den Mann von heute – und 3 schlechte für den Mann von gestern“. Und das (fast) gänzlich ohne echte Menschen, denn das zunächst als One-Shot geplante Heft setzt auf Puppen: Charlie Brown, Homer Simpson und Co. – in Szene gesetzt von Fotograf Pari Dukovic – illustrieren die Themen. Allen voran Kermit! Der Frosch ziert nämlich das Cover. Warum ausgerechnet er? „ Kermit betreibt seit vielen Jahren ein Theater, er ist ein umtriebiger Geschäftsmann und ein Entertainer […]“, der wisse, wie wichtig es ist, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen. „Und das macht Kermit für uns zu einem Mann von heute“, lautet die Begründung von Matthias Kalle im Editorial. Nicht unerwähnt bleibt an dieser Stelle der Kinostart von „Muppets Most Wanted“ am 01. Mai 2014.

Doch zurück zu den „33 guten Nachrichten“: Diese reichen von Selbstironie über Bärte und Kneipenkultur bis hin zu Badehosen, die die Surfershorts ablösen. Verfasst haben die kurzweiligen Textbeiträge nicht ausschließlich Männer (denn die weibliche Sicht auf männliche Dinge ist ebenfalls Teil der Welt des modernen Mannes!), Interviews (u.a. auch mit Frauen!) lockern das Ganze auf.

Wenn es aber konkret werden soll, dann sind es doch wieder Männer, die den Männern erklären, warum Männer so sein dürfen, wie sie sind. Ein paar Beispiele gefällig? Moritz von Uslar erklärt mal eben, warum bei Männern ein Bäuchlein attraktiv ist. Gareth Jones stellt fest, dass männliche Netzwerke vollkommen in Ordnung sind. Und Matthias Kalle propagiert, dass das Fernsehen jetzt männlicher und damit gar golden würde. Warum? Weil ja in der Vergangenheit auf die Frauen gesetzt wurde, und das Fernsehen damit gescheitert sei.

Am Ende angekommen bleibt festzuhalten: Eine tiefgründige Analyse der sich im Wandel befindlichen Situation des Mannes gibt es nicht – die war aber laut Matthias Kalle auch gar nicht beabsichtigt. “Wir fügen der Debatte keinen neuen Diskussionsbeitrag zu, weil wir nicht den hundertsten Essay zur Lage des Mannes machen wollten. Und vielleicht tut gerade diese Haltung der Debatte gut“, erklärt Kalle gegenüber MEEDIA. Warum man(n) trotzdem alte Klischees bemüht – unklar.

Die wohl spannendste Frage dürfte also lauten: Gibt es demnächst auch ZEITfrau – so ganz ohne Mode, Make-up und Beziehungstipps (außer auf den Anzeigen, versteht sich!)? Allerdings: Wenn man den Berichten glauben darf, bleibt dieser Wunsch wohl (vorerst) unerfüllt …

MEDIENSERVICE

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Text: Nicole Storch & Jens Stoewhase