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Wolken über dem Paradies

Krishna Bharat, Gründer Google News

Am 27.9. und 28.9.2018 fand im schönen Luzern das Swiss Media Forum statt: Der Schweizer Medienkongress, auf dem sich die Köpfe der Schweizer Verlags- und Medienbranche treffen, um über aktuelle Themen und zukünftige Entwicklungen zu diskutieren. Nach dem Start unseres Schweizer Angebotes unter www.landaumedia.ch war ich neugierig, wo sich Unterschiede zur deutschen Medienlandschaft zeigen würden und wo die Ähnlichkeiten liegen. Medientypisch war die Veranstaltung auf einem sehr hohen Niveau mit professioneller Aufmachung. Auf einer großen Show-Bühne wurden am ersten Tag die Themen präsentiert, professionell moderiert und durch intensive Interviews aufgelockert. Durchs Programm führte die hervorragende Moderatorin Susanne Wille.

Die Eröffnungsrede hielt der ehemalige Schweizer Bundespräsident und Bundesrat Johann Schneider-Amman, der gerade zwei Tage vor der Veranstaltung zurückgetreten war. Befreit von der Last seines Amtes sprach er primär über die Beziehung zwischen Politik und Medien und das angespannte Verhältnis, dass er teilweise mit den Medien während seiner Amtszeit entwickelt hatte. Trotzdem betonte er, wie wichtig eine kritische, freie Presse für demokratische Staaten ist. Eine launige Eröffnung, die länger geriet als geplant.

Im Anschluss musste sich deshalb Krishna Bharat kurz fassen, was schade war, weil der Gründer von Google News eigentlich der Einzige war, der an diesem Tag über die Zukunft von Technologie und Journalismus sprach. Krishna Bharat zeigte auf, dass durch Technologie und guten Content eine neue Brücke zum Nutzer geschlagen werden könnte, wenn die Verlage ihre Zurückhaltung aufgeben und im Rahmen von weitgehenden Kooperationen die neuen Kanäle zur Informationsversorgung besser nutzen würden. Google News ist im Kern eben genau das, ein Service, der versucht jedem Nutzer die Informationen zugänglich zu machen, die ihn wirklich betreffen. Leider war durch den angespannten Zeitrahmen kein Raum mehr für kritische, klärende Nachfragen, was gerade bei diesem Thema ein Jammer war.

Auf dem danach stattfindenden Panel der Chefredaktorinnen und der Schweiz wurde etwas thematisiert, was man sich auch durch einen Blick in das Publikum erschließen konnte. In der Schweizer Medienbranche fehlt es an Frauen in den Führungspositionen. Damit ist ein großer Teil der Mediennutzer nicht adäquat thematisch und strukturell repräsentiert. Ein Fakt, den es zu verändern gilt.

Danach ging es weiter mit unterschiedlichen Sessions. Ich wählte mir das Thema „Was wären Politik und Wirtschaft ohne klassische Medien?“. Was ich dort erlebte, kannte ich schon aus Deutschland: Schnell schwenkte das Panel in die Diskussion zum Thema „Wie soll in Zukunft guter Journalismus finanziert werden?“ um – und blieb am Ende ohne Lösung. Die Inspiration, die der Vortrag von Krishna Bharat hätte liefern können, war leider ohne Wirkung verpufft.

Mit ähnlichen Thema beschäftigten sich dann noch Pietro Supino, Präsident des Verbands Schweizer Medien und Verleger von Tamedia, sowie Ulrich Wilhelm, Vorsitzender der ARD. Pietro Supino arbeitet die Verlustzahlen der Printmedien in den letzten Jahrzehnten auf und gab eine düstere Prognose: Es wird weiter bergab gehen. Nur Automatisierung und Rationalisierung scheinen den Schweizer Verlegern derzeit als Zukunftsmodell geeignet zu sein. Ulrich Wilhelm wollte dann doch nicht ohne eine Idee für die Zukunft referieren und hatte den Vorschlag für ein europäisches Content-Netzwerk im Gepäck, in dem Verwaltungswege für Verleger und frei verfügbare Informationen der öffentlich-rechtlichen Anbieter kombiniert werden sollten. Die Idee wurde in der folgenden Diskussion dann kurz angehört und anschließend zerredet.

Am Ende bleibt mir nach einem Tag in der Schweizer Medienbranche das Fazit: Auch über dem kleinen Paradies Schweiz hängen die dunklen Wolken des Medienwandels. Innovationskraft und Mut findet man genau so wenig, wie bei den deutschen Verlegern auf deren Kongressen. So bleibt meist nur der Ruf nach Kostenersparnis und Stellenabbau. So werden die Journalisten der Zukunft in die Kommunikationsbranche getrieben oder gehen gleich dort hin, wo Innovationen gemacht werden: zu Google und Co.


Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.