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Wenn Personaler kommunizieren … macht der April was er will.

Beim ersten Thema des April-Rückblicks kommunizieren – anders als der Titel dieser Kolumne das nahelegt – ausnahmsweise mal nicht die Personaler sondern “das Personal”. Und zwar das aus der PR: Das Branchen-Magazin PR Report hat vor einiger Zeit die Initiative 30 unter 30 gestartet, die sich der Nachwuchsförderung in der PR-Branche verschrieben hat. Noch immer hat die Branche den Ruf, schlecht zu bezahlen, aber dafür viel zu verlangen. Mit #30u30 soll diesem Image entgegen gewirkt werden.

Ausgeschrieben wurde ein Wettbewerb mit der Aufgabe, eine Employer-Branding-Kampagne für die Branche zu entwickeln. Abgeliefert hat der Agentur-Nachwuchs exzellente Lösungen und Konzepte, die alle hier zu sehen sind. Am 17. April wurde auf der Gala der PR Report Awards das Siegerteam gekürt und als Young Professionals des Jahres ausgezeichnet – für dieses Konzept:


Der 30u30-Wettbewerb. Hewelt-Wecker: Love-Story. from #30u30 by PR Report


Man weiß, es wird funktionieren, braucht aber irgendwie dann doch noch die passende HR-Studie, um das Budget zu bekommen, die Kollegen, den Chef oder den Kunden zu überzeugen. Hier will hrstudies.com helfen und sich als globale Bibliothek HR-bezogener Studien etablieren. Ein Segen!


Das Volontariat – eine Zeit der Auszehrung, der Überstunden und Unterbezahlung. Nicht so beim ZDF, denn dort sind Volontariate ein Traum und die Volontäre die Kapitäne, die den Dampfer ZDF über die Weltmeere der Information und Unterhaltung schippern. Ob man aber mit dem Traumschiff wirklich die passende Zielgruppe von einer Bewerbung überzeugen kann?


Der kalifornische Computer-Gigant Apple lässt sich bekanntlich eine Arche als neues Hauptquartier bauen – von Sir Norman Foster. Der das nun auch in einem Video höchstselbst vorstellt. Das wird natürlich das beste Bürogebäude der Welt. Nein, drunter machen wir’s nicht.

Und wer träumt nicht davon, in einem solchen Ufo zu leben arbeiten? Die vage Hoffnung, dass das Ufo irgendwann abhebt und in eine bessere Welt entschwebt, in der nicht unter fragwürdigen Bedingungen Smartphones und Computer für Apple gebaut werden müssen, bleibt bestehen!


Um die eigenen Mitarbeiter kümmern sich auch die Software-Konzerne im Silicon Valley noch immer rührend. Von der Schnellreinigung über Massagen und Fitnessstudio bis zur von der Firma gestellten Haushaltshilfe gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt – noch nicht. Denn jetzt kümmert man sich endlich auch ums Zwischenmenschliche! Nicht nur beim Frühstück, Lunch und Dinner im Büro – nein, auch beim Dating soll man an die Firma denken. Praktischerweise hat man ja schon eine Gemeinsamkeit: kein Privatleben. Es entsteht der (völlig abwegige) Eindruck, man solle das Büro gar nicht mehr verlassen … müssen.


Aber es regt sich natürlich auch Widerstand von denen, die nicht mit auf die Internet-Arche dürfen, sondern nur tagein tagaus die mit WLAN ausgerüsteten Busse der Software-Unternehmen durch San Francisco rauschen sehen, mit denen die Angestellten von der coolen Stadt auf den Firmen-Campus gebracht werden. Dass der Zuzug von sehr gut verdienenden Arbeitnehmern in die hippen Viertel von San Francisco nicht reibungslos verläuft, war vorhersehbar. Die Gentrifizierung der Hippie-Metropole schreitet voran und zum ersten April erlaubten sich die Protestierer, die “Google Busse” für öffentlich zu erklären:


Wem die Rundumbetreuung am Arbeitsplatz nun aber nicht ausreicht. Wer sich also nach einer auch noch Sinn stiftenden Arbeit sehnt, dem sei der Artikel der Wollmilchsau ans Herz gelegt, die nämlich fragt: Warum arbeiten wir eigentlich?


Das Institut Trendence fand in seinem Graduate Barometer[.pdf] heraus, dass Absolventen der Wirtschaftswissenschaften am liebsten bei BMW arbeiten wollen, Ingenieure aber weiterhin sehr gern bei Audi. Laut Trendence hätte beispielsweise die Employer-Branding-Kampagne der Bahn dazu geführt, dass das Unternehmen seit 2010 von Platz 57 auf Platz 16 bei den Wirtschaftswissenschaftlern nach vorn gerast sei. Das bleibt zu hoffen, da Trendence diese Kampagnen mit seinen Studien unterstützt. Ebenso abgefragt wurden Gehaltsvorstellungen von BWL-Studierenden mit Bachelor- oder Master-Abschluss. Bei denen können die eingangs erwähnten PR-Volontariate nicht annähernd mithalten.


Unklar bleibt allerdings, was ein Feelgood-Manager (m/w) verdient – oder tut. Nichtsdestotrotz hat ein Startup, das etwas auf sich hält heutzutage einen solchen. Anzunehmen ist, dass es sich um eine Art eierlegende Wollmilchsau handelt, weshalb konsequenter Weise auch wieder die Wollmilchsau den Artikel schreibt, den ich eigentlich schon seit Wochen darüber schreiben wollte (verdammt!). Fazit: Jeder Manager sollte ein Feelgood Manager sein. Dann bräuchte man auch keinen Büro-Opa, bekäme aber auch keinen Artikel bei Spiegel Online.


In meinem ersten kleinen Rückblick schrieb ich über das H&M Starting House in Berlin. Die Kollegen vom Saatkorn haben mit der H&M Personal-Chefin Angela Gallenz ein Interview geführt, wie es denn so läuft am Hackeschen Markt.


Die Frage ist so alt wie die Menschheit und an ihrer Beantwortung haben sich Generationen von Personalern die Finger geschnitten. Warum also nicht mal einen direkten Schlagabtausch, der dann wohl ein für alle Mal klärt, ob Recruiter oder Fachabteilung besser im Recruiting sind.

Mein salomonisches Urteil: Ja! Denn natürlich sind Fachabteilungen in ihren Themen und den fachlichen Netzwerken tiefer drin. Wenn sie aber den Recruiting-Prozess eines mittelgroßen Konzerns selbst steuern müssten, kämen sie gar nicht mehr zum Arbeiten und bald auch nicht mehr zur Arbeit. Der Recruiter als Prozess-Steuerer und Menschenkenner, als Talentsucher und Wegweiser kann dem Hiring Manager als im besten Sinne “Fachidiot” einiges abnehmen.

Sebastian Dietrich
Über den Autor: Unser Autor Sebastian Dietrich studierte Politik und Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Potsdam und Berlin. Er arbeitet seit über zehn Jahren an der Schnittstelle von Human Resources und Public Relations, auf Agentur- wie Unternehmensseite.