
Social-Media-Plattformen schützen Minderjährige nach Einschätzung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) nicht ausreichend. Eine aktuelle Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Anbieter wie Facebook, Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube die Vorgaben des Digital Services Act (DSA) zum Kinder- und Jugendschutz nur unzureichend umsetzen. Statt eines pauschalen Verbots sozialer Medien für Kinder und Jugendliche fordert der vzbv deshalb verbindliche Schutzregeln und eine strengere Regulierung der Plattformen.
Die Untersuchung zeigt, dass Minderjährige vorgesehene Schutzfunktionen teilweise leicht umgehen können. Zudem erschweren personalisierte Empfehlungsfeeds und Funktionen wie Endlosscrollen oder automatische Wiedergaben das Abschalten personalisierter Inhalte und fördern aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands eine lange Nutzung der Plattformen. Auch wiederholte Aufforderungen zur Freigabe persönlicher Daten sowie leicht veränderbare Privatsphäre-Einstellungen erhöhten das Risiko für Grooming, Belästigung und sexualisierte Gewalt.
„Die Geschäftsmodelle vieler Social-Media-Plattformen zielen darauf ab, Minderjährige möglichst lange online zu halten. Das steigert die Werbeeinnahmen der Anbieter, ist aber gesundheitsgefährdend. Funktionen wie endloses Scrollen können süchtig machen. Es ist allerhöchste Zeit gegenzusteuern“, sagt Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.
Ein pauschales Verbot sozialer Medien für Jugendliche lehnt der Verband dagegen ab. „Ich bin gegen ein einfaches Social-Media-Verbot für Jugendliche, weil man damit wenig erreicht und Jugendliche ausschließt“, sagte Pop den Funke-Medien. Stattdessen müssten „schädliche Mechanismen, die süchtig machen oder manipulativ sind“ verboten und die Plattformen stärker reguliert werden. Als Beispiele nannte sie Autoplay, Endlosscrollen, automatische Standortfreigaben und ständige Abfragen zur Kontaktfreigabe.
Nach Angaben Pops sprechen sich auch viele junge Menschen für diesen Ansatz aus. Demnach befürworten 81 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, Plattformen stärker in die Verantwortung zu nehmen, anstatt junge Menschen pauschal auszuschließen.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert unter anderem, schädliche Funktionen wie Endlosscrollen und automatische Wiedergabe standardmäßig zu deaktivieren, die Vorgaben des DSA zum Schutz Minderjähriger zu konkretisieren und mit dem geplanten Digital Fairness Act verbindliche Regeln gegen manipulative und suchtfördernde Mechanismen zu schaffen. Parallel dazu wird auf europäischer Ebene weiterhin über Einschränkungen für Minderjährige diskutiert. Ein Expert im Auftrag der EU-Kommission empfiehlt, den Zugang zu sozialen Medien für Kinder unter 13 Jahren einzuschränken, lehnt jedoch ein starres Verbot ab.