Newsletter

Tutorials, Infografiken & Co. – Wissenvermittlung im Netz

Das Internet setzt neue Standards, Anforderungen und Erwartungshaltungen, was die Zugänglichkeit und Verfügbarkeit von Wissen anbelangt. Die sinnvolle Weitergabe von Wissen ist vor allem aus PR-Sicht interessant: Wer seine Erkenntnisse teilt und anderen zugänglich macht, sorgt für gute Reputation und stellt seine Expertise zu einem bestimmten Thema unter Beweis. Was man mit digitaler Wissensvermittlung erreichen kann und welche Medienformen sich dafür besonders eignen, verrät Jörn Barkemeyer, Diplom-Kommunikationswirt und Inhaber der Firma „edeos – digital education“, im Gespräch mit medienrot.

Nicole Storch: Herr Barkemeyer, welche Rolle spielt die Vermittlung von Wissen in der digitalen PR-Arbeit?
Jörn Barkemeyer: Zusammen mit dem Internet hat sich eine neue Kultur des Teilens und Austauschens von Wissen etabliert. Ob auf Wikipedia, in Foren oder bei YouTube – das Netz bietet diverse Möglichkeiten, sich auf digitalem Weg weiterzubilden. Interessante und relevante Themen – besonders in ansprechender audiovisueller Aufbereitung – werden dabei häufig durch die Rezipienten über die sozialen Medien weiterverbreitet und generieren so eine gehobene Aufmerksamkeit.

Wie kann die PR die Wissensvermittlung für sich nutzen?
Jörn Barkemeyer: Neben der bereits genannten Aufmerksamkeit wird durch eine kompetente Wissensvermittlung dem Absender eine Expertise auf dem behandelten Themengebiet zugeschrieben.

Wofür würden Sie Wissensvideos im Kommunikationsprozess empfehlen?
Jörn Barkemeyer: Wissens- oder Erklärvideos spiegeln die Kompetenz ihrer Produzenten wider. Das kann sowohl über den Inhaltsbezug als auch – auf Metaebene – über Anerkennung der Fähigkeiten zur Aufarbeitung einer Thematik geschehen.

Wie wichtig ist die (interne) Wissensvermittlung im Hinblick aufs Employer Branding?
Jörn Barkemeyer: In der internen Kommunikation kann die Wissensvermittlung auf unterschiedlichen Gebieten punkten: Angefangen bei Erklärvideos, die z.B. über Abläufe, Funktionsweisen oder technische Details informieren. Desweiteren kann die (audio-) visuelle Aufarbeitung beispielsweise von erfolgreich abgeschlossenen Projekten oder auch der strategische Ausrichtung die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen erhöhen.

Welche Vorteile haben Videos und Infografiken gegenüber Texten, wenn es um die Vermittlung von Wissen geht?
Jörn Barkemeyer: Videos, z.B. Erklärfilme, Tutorials, Projekt- und Konzeptvorstellungen oder Videoteaser, sind besonders geeignet, um komplexe Informationen in kurzer Zeit auf einprägsame und spannende Weise verständlich zu machen. Ein Animationsfilm kann Strukturen und Zusammenhänge deutlich machen und eine besondere, außergewöhnliche Optik erzeugen. Ein Realfilm kann Emotionen entstehen lassen und personalisieren. Infografiken visualisieren und erklären Zusammenhänge und Strukturen. So können auch große Datensätze anschaulich aufbereitet und nutzbar gemacht werden. Interaktive Elemente ermöglichen eine selbstbestimmtere Informationsaufnahme und erhöhen die Nutzermotivation. Interaktion und Komplexität der Grafiken können sogar bis zu einer kompletten digitalen Lernumgebung ausgebaut werden.

Wo werden solche Videos bisher eingesetzt?
Jörn Barkemeyer: Neben den bereits genannten Einsatzgebieten in der internen und externen Kommunikation zeigt sich anhand der von uns produzierten „WissensWerte“-Reihe, welche Wege frei zur Verfügung gestellte Wissensvideos gehen können: Neben der Verwendung im Schulunterricht wurden und werden die Clips auf diversen Veranstaltungen vorgeführt oder beispielsweise von Amnesty International zu Mitarbeiterschulung genutzt.

Wie werden diese Videos verbreitet? Welche Rolle spielen hierbei soziale Netzwerke?
Jörn Barkemeyer: Aufmerksamkeit ist die Währung des Internets. Die Flut der im Netz verfügbaren Inhalte birgt jedoch die Gefahr, dass das eigene Anliegen nicht wahrgenommen wird. Neben der Konzipierung und Produktion von Inhalten ist die Verbreitung der Medien im Internet ein wichtiger Faktor. Die sozialen Netzwerke spielen dabei eine essentielle Rolle.

Welche Länge sollte so ein Video haben?
Jörn Barkemeyer: Prinzipiell kann man sagen: Je kürzer und kompakter, desto besser. Eine Länge von zehn Minuten sollte nicht überschritten werden. Bei den Videos der Reihe „WissensWerte“ hat sich eine Länge von rund sieben bis acht Minuten bewährt.

Welches Budget muss man für ein solches Video ungefähr einplanen?
Jörn Barkemeyer: Der Preis für die Produktion eines Wissensvideos hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Dazu gehören die Komplexität des Themas oder die Form der Umsetzung. Bei einem animierten Erklärvideo von fünf bis acht Minuten sollte man von einem fünfstelligen Betrag ausgehen.

Wie sieht der Aufwand für solch ein Video aus?
Jörn Barkemeyer: Der Aufwand für die Produktion eines professionellen Wissensvideos sollte nicht unterschätzt werden. Ein wichtiger Punkt dabei ist die eingehende Auseinandersetzung mit dem Thema, um dieses dann auf die wichtigsten Aussagen zusammenzufassen und in eine für die Rezeption optimierte Form zu bringen. Auf Grundlage eines Skriptes entstehen dann Bild – gefilmt oder animiert – und Ton. Bei der auditiven Ebene sollte dabei der gleiche Anspruch angelegt werden wie bei der visuellen – d.h. hochwertige Musik, professioneller Sprecher etc.. Die komplette Produktion eines „WissensWerte“-Videos dauert beispielsweise vier bis sechs Wochen.

Wie sehen Sie die Zukunft für Videos in der Kommunikationsarbeit?
Jörn Barkemeyer: Videos werden in der Kommunikation eine immer größere Rolle spielen. Das Streamen bzw. Ansehen eines Videos im Netz ist inzwischen so einfach wie das Laden und Lesen einer textbasierten Webseite. In Kombination mit den genannten Vorteilen wird anspruchsvolle Kommunikation nicht mehr auf Videos verzichten können.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Barkemeyer!

Wir halten fest: Digitale Wissensvermittlung bietet jede Menge Potenzial für die PR-Arbeit. Wer bereit ist, sein Wissen kontinuierlich zu teilen – und das auch zu kommunizieren -, wird mit Aufmerksamkeit, Reputation und dem Expertenstatus belohnt.

Über den Interviewgast:

Jörn BarkemeyerDiplom-Kommunikationswirt Jörn Barkemeyer ist – gemeinsam mit dem Politologen Jan Künzl – Inhaber der Firma „edeos – digital education“. Zusammen haben sie u.a. die Reihe „WissensWerte“, bestehend aus Animationsclips zur politischen Bildung, entwickelt und umgesetzt.

Über die Autorin:

Nicole Storch ist freiberufliche Autorin für Print und Online. Zuvor betreute sie als Redakteurin beim Egmont Ehapa Verlag zahlreiche Kinder- und Jugendzeitschriften. Während ihres Studiums der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin arbeitete sie bereits als freie Texterin für verschiedene Agenturen.