
Als Peter Turi im Herbst 2025 Turi.One startete, klang vieles nach Aufbruch. „Content is king, Community is queen“ lautete das Motto der neuen Plattform für die Kommunikationsbranche, die als „die größte offene Bühne der Branche“ bestehen sollte – ohne Paywalls, ohne Clickbait, ohne die üblichen Mechanismen digitaler Aufmerksamkeitsökonomie.
Nur wenige Monate später endet das Projekt überraschend. Wie das Team in einer persönlichen Mitteilung an seine Abonnent:innen erklärte, werden sowohl die Plattform als auch die Newsletter „Turi.Sunday“, „Turi.Comms“ und „Turi.Media“ eingestellt.
In seiner Mitteilung macht das Team deutlich, wie eng das Projekt mit der Person seines Gründers verbunden war. Die aktuelle Erkrankung von Peter Turi habe entscheidend dazu beigetragen, dass das kleine Team den Dienst Turi.One nicht mehr aufrechterhalten könne. Man könne die Idee ohne ihn „nicht so fortsetzen, wie es dieser Idee gebührt“, heißt es.
Tatsächlich war Turi.One von Beginn an stark auf Persönlichkeit, Netzwerk und Haltung seines Gründers zugeschnitten. Peter Turi zählt seit Jahrzehnten zu den prägenden Figuren des deutschen Medien- und Kommunikationsjournalismus. Bereits 1996 gründete er mit „kress online“ einen der ersten täglichen digitalen Branchendienste Deutschlands, später folgte mit turi2 der erste deutsche Morgennewsletter für die Medienbranche.
Nach dem Verkauf von turi2 an die Mediengruppe Oberauer im Jahr 2024 war Turi.One ein persönlicher Neuanfang. Turi selbst sprach von seinem „letzten und wichtigsten Projekt“. Der Anspruch ging dabei über klassischen Branchenjournalismus hinaus: Turi.One wollte Community, Netzwerk und publizistische Plattform zugleich sein.
Auch in der Branche wurde das Projekt mit Interesse begleitet. Beobachter beschrieben den Ansatz als Gegenmodell zu einer zunehmend polarisierten und algorithmisch geprägten Kommunikationskultur. Die Idee einer offenen, respektvollen Plattform wirkte auf manche fast nostalgisch – gerade deshalb aber reizvoll.
Die hinter Turi.One stehende Turi GmbH hat am 15. Mai beim Amtsgericht Wiesbaden einen Insolvenzantrag gestellt. Der Markt für unabhängige Medienangebote steht seit Jahren unter Druck. Werbeeinnahmen wandern zu internationalen Plattformen ab, während spezialisierte journalistische Angebote hohe Anforderungen an Reichweite, Technik und Vermarktung erfüllen müssen.
Auch in ihrer letzten Nachricht betont das Team, dass offene Kommunikationsräume, konstruktiver Austausch und gemeinschaftliche digitale Öffentlichkeit weiterhin notwendig seien. Vielleicht liegt darin am Ende auch das eigentliche Vermächtnis von Turi.One: weniger ein gescheitertes Start-up als der Versuch, digitale Kommunikation wieder stärker als menschliche Verbindung zu denken.
Im Namen von Landau Media und medienrot wünschen wir Peter Turi schnelle Genesung.
Info per Mail, dwdl.de