
Die Transformation der Medienbranche ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie ist operativer Alltag. Das zeigt die aktuelle Trendumfrage 2026 von BDZV und Highberg, für die 94 Geschäftsführungen ihre Einschätzungen abgegeben haben. Die Ergebnisse machen deutlich: Redaktionen stehen an einem entscheidenden Wendepunkt.
Wer die Zukunft sichern will, muss jetzt handeln – mit einem klaren Fokus auf digitale Geschäftsmodelle, effizientere Prozesse und eine konsequente Ausrichtung auf Nutzer:innen.
Print bleibt wichtig – aber nicht für immer
Noch trägt das Printgeschäft einen Großteil der Finanzierung. Viele Verlage nutzen die Einnahmen, um den digitalen Umbau voranzutreiben. Doch die Entwicklung ist eindeutig: Die Auflagen sinken, Werbeerlöse gehen zurück – und zwar schneller als erwartet. Gleichzeitig wächst das digitale Geschäft dynamisch. Besonders E-Paper und Paid Content entwickeln sich stark und sollen bei Abos und Erlösen deutlich zulegen. Die Richtung ist klar: Print bleibt relevant, aber seine Zeit ist begrenzt. Inhalte müssen künftig zuerst digital gedacht werden – in Dramaturgie, Exklusivität und Timing. Print orientiert sich daran, nicht umgekehrt.
Für Redaktionen bedeutet das einen Perspektivwechsel: weg von einzelnen Ausgaben, hin zu langfristigen Beziehungen mit Nutzer:innen.
Die Redaktion finanziert sich digital
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Die wirtschaftliche Zukunft der Redaktionen entscheidet sich im Digitalen. Bereits heute gehen viele Verlage davon aus, dass digitale Erlöse in wenigen Jahren die redaktionellen Kosten vollständig decken werden. Einige Häuser haben diesen Punkt schon erreicht. Damit verändert sich auch die strategische Arbeit in den Redaktionen. Jedes Ressort muss sich fragen: Welchen Beitrag leisten wir zu Abo-Wachstum, Nutzung und Bindung?
Reichweite allein reicht nicht mehr aus. Vor allem, weil Plattformen und KI-Angebote die Sichtbarkeit zunehmend beeinflussen. Der Aufbau direkter Beziehungen zu Leser:innen – etwa über Newsletter, Apps oder E-Paper – wird damit zur zentralen Aufgabe.
KI wird Teil der redaktionellen Infrastruktur
Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant vom Experiment zur festen Größe im Redaktionsalltag. Die Erwartungen sind hoch – und die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. Ob Recherche, Zusammenfassungen, Produktion oder Personalisierung: KI kann Prozesse beschleunigen und Ressourcen freisetzen. Entscheidend ist jedoch, dass sie strukturiert eingeführt und in den Arbeitsalltag integriert wird.
Redaktionen, die hier zögern, riskieren Effizienzverluste – und verschenken wertvolle Kapazitäten für journalistische Qualität.
Kostendruck zwingt zum Umdenken
Parallel bleibt der wirtschaftliche Druck hoch. Steigende Kosten in Produktion und Zustellung zwingen viele Verlage dazu, ihre Printmodelle anzupassen. Das hat auch Auswirkungen auf die journalistische Arbeit: Die klassische Aktualität verschiebt sich zunehmend ins Digitale. Print wird stärker kuratiert, während Echtzeit-Berichterstattung online stattfindet.
Für Chefredakteur:innen bedeutet das: Diese Veränderung muss aktiv gestaltet und klar kommuniziert werden – sowohl intern als auch gegenüber den Leser:innen.
Kooperation statt Alleingang
Ein weiterer Trend: Die Zusammenarbeit innerhalb der Branche nimmt zu. Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette werden wichtiger – von redaktionellen Inhalten bis hin zur Logistik. Gleichzeitig gilt: Ein starkes redaktionelles Profil bleibt entscheidend. Differenzierung entsteht nicht durch maximale Eigenleistung in allen Bereichen, sondern durch Klarheit im Markenkern.
Keine weißen Flecken – aber neue Strukturen
Trotz aller Veränderungen bleibt die publizistische Versorgung in Deutschland flächendeckend gesichert. Die Studie betont: „Konsolidierung und Kooperationen sind vor diesem Hintergrund keine Rückzugsbewegung, sondern Ausdruck aktiver Struktur- und Zukunftsgestaltung.“ Das zeigt: Der Wandel ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein aktiver Anpassungsprozess an neue Marktbedingungen.
Fazit: Jetzt entscheidet sich die Zukunft
Die Ergebnisse der Trendumfrage lassen keinen Zweifel: 2026 ist ein Schlüsseljahr für die Medienbranche. Redaktionen, die jetzt konsequent auf Digital setzen, KI sinnvoll einsetzen, ihre Abhängigkeit von Plattformen reduzieren und ihr Profil schärfen, schaffen die Grundlage für nachhaltigen Erfolg. Alle anderen riskieren, vom Rückgang im Printgeschäft überholt zu werden. Die Richtung ist klar – entscheidend ist, wie schnell und entschlossen Redaktionen jetzt handeln.