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Support Your Local (Newspaper)

Foto: © AdobeStock/Zerbor

Medien in Zeiten von Corona – ein gesteigertes Informationsbedürfnis auf der einen Seite, wegbrechende Anzeigen auf der anderen. Besonders kleine und lokale Medien leiden überproportional, beobachtet Branchenkenner Nico Kunkel und betont: Auch für Medien gilt: Support Your Local (Newspaper).

Medien kennen derzeit nur ein Thema, den Virus. Ist klassische Pressearbeit zu anderen Themen im Augenblick noch sinnvoll – und erfolgversprechend? Oder ist sie überhaupt statthaft? Es fühle sich falsch an, aktuell mit Themen auf die Virus-Welle aufzuhüpfen, höre ich. Andere Impulse, in die sehr viel Arbeit geflossen ist, wolle man aufsparen. Für nach der Krise.

Dabei wären/sind Journalisten, so kommt mir vor, derzeit mehr als dankbar, Geschichten abseits der Krise machen zu dürfen. Das auch und insbesondere in den Redaktion der Fachmedien und Publikumszeitschriften. Freie Journalisten sowieso: Sie leben davon, Ideen und Geschichten anzubieten, für die in den Redaktionen kein Gespür war. Aber leider schrumpfen die Ressourcen aktuell schnell, die Krise trifft auf bereits ausgedünnte Redaktionen, in denen nun im Zweifel die Geschichten Priorität haben, die ziehen und an denen keiner vorbeikommt. In denen ansonsten ein Ohr fehlt, erst recht jemand der noch recherchiert und aufschreibt. Auch Journalisten werden krank, sie teilen sich ihr Home Office mit der Familie und betreuen parallel ihre Kinder. Erst vor wenigen Tagen sind Medienschaffende überhaupt auf die Liste systemrelevanter Berufe gerückt und haben nun Anspruch auf Kinderbetreuung trotz Krise.

Dabei erleben Medienmarken derzeit so viel Zulauf wie lange nicht, weil Menschen offenbar nach Informationen und einem Fingerzeig gieren, wie es für uns alle weitergeht, oder nach Zerstreuung, die in manchen Verlagen den Absatz beflügeln. Auch das Vertrauen in die Integrität etablierter Medien steigt seit Jahren. Das bestätigt die jüngst veröffentlichte Auflage der renommierten Langzeitstudie Medienvertrauen der Universität Mainz. Immer mehr Bürger widersprechen den Lügenpresse-Vorwürfen.

Beifall allein zahlt allerdings keine Miete, weder für Krankenhauspersonal, Supermarktangestellte oder Journalisten. Medien stellen sich selbst ein Bein, wenn sie Teaser arg zuspitzen und Zitate in Überschriften verwenden, die sich im Text so nicht finden lassen und den Wettbewerb um Klicks auf die Paywall verschärfen. Die Empörung darüber, dass Verlage ihre Bezahlschranken nicht fallen lassen, damit alle Bürger gleichen Zugang zu Aufklärung haben, ist trotzdem kontraproduktiv. Verlage wie Gruner+Jahr leisten sich das aktuell öffentlichkeitswirksam, und ein paar neue Kunden könnten dem Verlag so auch nach der Krise erhalten bleiben. Fair enough. Für kleine und lokale Medien ist das aber keine Option. Sie leiden zudem überproportional durch die Anzeigenverluste, einerseits von großen Unternehmen, die ihre Budgets ob der Wirtschaftskrise, die uns droht, einfrieren oder Kaufanreize aktuell für deplatziert halten. Andererseits fallen auch viele Mittelständler, regionale Veranstalter und lokale Händler vor Ort als Kunden erstmal aus, weil sie um ihre Existenz bangen. Die aktuelle Lage von Anzeigenblattverlagen führt das vor Augen.

Wir sind nun gefragt, uns nicht länger einen Sport daraus zu machen, technisch instabile Paywalls auszumanövrieren, neben Netflix noch Disney+ zu abonnieren oder den ein und denselben bezahlten Zugang mit der ganzen Hausgemeinschaft zu teilen. Insbesondere lokaler Journalismus, der vor unserer Haustüre, braucht die Unterstützung. Auch für Medien gilt: Support Your Local (Newspaper).


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30. Er ist Herausgeber des PR Career Center, das PR-Studierende unterstützt und vernetzt. Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.