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PR-Praktika kommen unter die Räder

Foto: © AdobeStock/Tierney

Derzeit lässt der Arbeitsmarkt viele Hochschulabsolventen aus nachvollziehbaren Gründen hängen. Etwas weniger offensichtlich ist: Auch das Praktikum gerät unter die Räder. Die Anzahl an aktiv ausgeschriebenen Stellen sinkt, der automatische Nachschub für studentische Stellenbörsen versiegt.

Brauchen Unternehmen keine PR-Praktis mehr? PR-Studierende bringt das in Nöte, auch wenn sich die Hochschulen mittlerweile kulant zeigen, wenn das Praktikum als Pflichtprogramm im Studium anerkannt werden muss. Während die Lehrenden an Unis und Hochschulen mehr oder minder erfolgreich auf digitale Lehre umsatteln (müssen), lassen viele Arbeitgeber die Praktikanten jetzt im Stich. Praktika werden verkürzt, pausiert, abgebrochen, abgesagt.

Am Budget liegt das ausnahmsweise nicht. Praktika sind oft schlecht oder auch gar nicht bezahlt, weil sie zum Studium gehören. Sondern Agenturen und Unternehmen setzen im Augenblick schlicht andere Prioritäten. Nachvollziehbar. Die Kollegen halten vom Home Office aus den Laden am Laufen, zudem Kind und Kegel bei Laune. Zoom und Teams rauben mehr Zeit (und Nerven) für die Kommunikation untereinander als gewohnt. Für die Betreuung von Praktikanten und Praktikantinnen bleibt da keine Luft mehr, schon gar nicht, wenn Unternehmen ihre Aufgabe als Praktikumsgeber ernst nehmen wollen und die temporären Kollegen gut einbinden. Remote fällt der Schulterblick schwer. Insbesondere in kleinen Teams.

Ich höre von Studierenden, die sich in Bewerbungsgesprächen für viele unbezahlte Praktika rechtfertigen müssen. Sie sehen dadurch ihre Verhandlungsposition für den Berufseinstieg geschwächt. Praktika scheinen schleichend ein schlechtes Image zu gewinnen. Zu Unrecht, wie ich finde. Zwar sind Kommunikation und Medien bei Studierenden nach wie vor beliebte Berufszweige. Arbeitgeber müssen sich trotzdem strecken, um talentierte Köpfe zu erreichen und zu gewinnen. Praktika sind da erste Berührungspunkte, zudem belastbare Auswahlverfahren, um die Pipeline der Personalabteilung zu füllen. Und es gibt kaum bessere Botschafter als Mitarbeiter, die einen Arbeitgeber beeindruckt wieder verlassen.

Derzeit sind dafür Kreativität und guter Wille gefragt, und es gibt Beispiele von erfolgreichen Praktika – trotzdem die Büros geschlossen sind. Hier haben wir drei Beispiele recherchiert. Praktika sind als Orientierung wichtig für Studierende, von der praktischen Wissensvermittlung abgesehen. Es sind aber vor allem Emotionen und Erfahrungen, die nicht vergessen gehen. Und es sind Menschen, die bleiben. Praktika sind die Anfänge junger Karrieren. Kann das bitte auch in Zukunft so bleiben?


Hintergrund: Ich verarbeite in diesem Text Eindrücke aus einem Workshop am vergangenen Wochenende mit Multiplikatoren aus mehr als 15 studentischen PR-Initiativen am Wochenende, die wir im YoungPRPros-Netzwerk gebündelt haben.


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30. Er ist Herausgeber des PR Career Center, das PR-Studierende unterstützt und vernetzt. Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.