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Piep, piep, pleite!

Foto: © Fotolia/Robert Kneschke

Zum Ferienbeginn war ich in London. Das Epizentrum des Tennis hatte gerufen und meine Frau und ich sind diesem Ruf gefolgt. Wimbledon. Tennis auf dem heiligen Rasen des All England Lawn Tennis and Croquet Club. Voller Vorfreude landeten wir in Gatwick und machten das, was man als Deutscher häufig als erstes macht, wenn man in einem Land außerhalb der europäischen Währungsunion landet: Geld abheben.

Danach versuchten wir, einem Ticketautomaten die Fahrkarten nach London City zu entreißen. Immerhin haben wir es für eine Person geschafft, stellten dann aber am Eingang zum Bahnhof fest, dass uns eine Fahrkarte fehlte. Ein netter Herr an der Eingangskontrolle macht mich darauf aufmerksam, dass ich keine Karte bräuchte, ich könnte einfach meine Kreditkarte auf den Kontaktpunkt der Durchgangssperre halten. Tatsächlich, die Schranke öffnete sich. Mehrfach wies mich der nette Angestellte des britischen Zugunternehmens darauf hin, dass ich unbedingt auch wieder beim Verlassen des Zielbahnhofs meine Kreditkarte nutzen sollte, damit mir nur die Strecke abgerechnet wird, die ich wirklich gefahren bin. „Tap in, tap out“ nennen das die Briten.

Nachdem ich am Ziel angekommen war, dachte ich darüber nach, dass ich jetzt völlig ohne Beleg und dem Wissen darüber, was die Fahrt eigentlich kostet, einen Einkauf getätigt habe. Erfahren würde ich die Kosten dieses Transports erst mit meiner Kreditkartenabrechnung. Auch in der Bar, die wir am Abend besuchten, zeigte sich, dass ich der einzige im ganzen Laden war, der mit Bargeld zahlte. Alle anderen hielten ihre Kreditkarte kurz vor das Kartenlesegerät und „piep“ alles war geregelt.

Während ich also die Pfundscheine mit besorgniserregender Geschwindigkeit aus meiner Portemonnaie verschwinden sah, machten andere einfach nur „piep“ und mussten sich erst am Monatsende mit den eigenen Ausgaben auseinandersetzen.

In vielen Ländern ist das Bargeld so bereits durch diese elektronischen, virtuellen Zahlungsmethode abgelöst worden. Auch die großen Internet- und Computerkonzerne buhlen dabe darum, wer das bargeldlose Zahlen auf seine Plattform ziehen kann. In diesen Tagen startet Google Pay in Deutschland und auch Apple Pay werden Ambitionen nachgesagt, den Zahlungsverkehr seiner Kunden in Deutschland in die Hand zu nehmen.

Die Konzerne werben damit, dass so der Zahlungsempfänger nicht die sensiblen Kreditkartendaten bekommt und die Zahlung „sicher“ sei. Ich habe mich auch nach reiflicher Überlegung nicht zu dem bequemen Zahlen per App oder Karte durchringen können. Neben der Transparenz meines Konsumverhaltens, die ich durch ständige Nutzung meiner Karten und Apps anbieten würde, stört mich vor allem der Kontrollverlust über meinen Geldbestand. Schnell ist man mit „piep“ einige Pfund losgeworden. In meinem Portemonnaie sehe ich die Scheine schwinden und weiß, wann ich mein Budget ausgeschöpft habe. Mit „piep“ sitzt man am Ende des Monats erschrocken vor seiner Kreditkartenabrechnung und wundert sich, dass man pleite ist.


Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Geschäftsführender Gesellschafter von Landau Media. Darüber hinaus ist der Digitalexperte begeisterter Social Media- und Technology-Jünger und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.