
Die kostenlose Präventionsapp „freii“ richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren sowie deren Eltern und Erziehende. Ziel ist es, über 21 Tage hinweg spielerisch zu einem bewussteren Umgang mit digitalen Medien zu motivieren. Entwickelt wurde die App vom Suchtpräventionszentrum Villa Schöpflin gGmbH in Lörrach, gefördert von der Schöpflin Stiftung und der Beisheim Stiftung.
Herzstück der App ist ein 21-tägiges Programm mit täglichen „Challenges“, die meist drei bis sieben Minuten dauern. Die Aufgaben umfassen Quizfragen, Selbsttests und konkrete Offline-Aktivitäten. Jugendliche sollen etwa das Handy für mehrere Stunden wegschließen oder Zeit mit Freund:innen außerhalb des Bildschirms verbringen. Vier digitale Guides – Melina, Kiana, Dennis und Luis – begleiten die Jugendlichen durch Videos, Quizfragen und Aufgaben. Eltern und Erziehende erhalten Tipps zur Medienerziehung, ergänzt durch Videos des Mediziners und Kabarettisten Eckart von Hirschhausen.
„Als ehemaliger Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie weiß ich, wie unser Gehirn auf die kleinen digitalen Kicks reagiert. Und ich kenne auch von mir, wie schnell man das Handy nicht mehr aus der Hand legen kann“, sagt Eckart von Hirschhausen. „Ich unterstütze freii sehr gerne mit Hintergrundwissen um die Suchtmechanismen, weil grenzenloser Medienkonsum nachweislich Kinder wie Eltern unglücklicher macht. Für körperlich und seelisch gesunde Familien braucht es echte Aktivität, echte Gespräche und handyfreie Lebenszeit.“
Die App adressiert Risiko- und Schutzfaktoren von Internetnutzungsstörungen, darunter fehlende Regeln zur Mediennutzung, geringe Freizeitstruktur oder manipulative Designs von Apps („Dark Patterns“). In den Aufgaben lernen Jugendliche, Warnsignale einer riskanten Mediennutzung zu erkennen und Anregungen für eine medienfreie Freizeitgestaltung umzusetzen.
Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) betont: „Man kann es nicht an der Länge der Zeit der Nutzung festmachen, sondern daran, was im echten Leben vernachlässigt wird und nicht mehr gemacht wird.“ Kinder und Jugendliche würden etwa weniger mit Freund:innen spielen, seltener mit den Eltern essen oder zu wenig schlafen. „Das führt zu Konzentrationsstörungen, belastenden sozialen Vergleichen oder psychischen Problemen und am Ende auch zu Schlafstörungen und sogar vielleicht Depressionen oder Ähnliches.“
Eine wissenschaftliche Evaluation der delphi GmbH, gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit, untersuchte das Programm zwischen Februar und Juli 2025. Von 2.684 befragten Schülerinnen und Schülern aus 39 Schulen in elf Bundesländern gaben 44 Prozent an, durch die App motiviert worden zu sein, ihr Freizeitverhalten zu verändern. Fast jede:r Dritte traute sich nach Ende des Programms, Freund:innen auf problematische Nutzung anzusprechen.
Die App steht ab sofort kostenlos im Apple App Store, im Google Play Store und als Webversion zur Verfügung. Fachkräfte können freii an Schulen begleiten, inklusive Eröffnungs- und Abschlussworkshops. Ziel ist es, bis 2028 eine Million Schülerinnen und Schüler zu erreichen.