
Der Nachrichtenkonsum junger Menschen verändert sich grundlegend. Das zeigt der Report „Understanding Young News Audiences at a Time of Rapid Change“ des Reuters Institute for the Study of Journalism, der internationale Entwicklungen der vergangenen Jahre im Medienverhalten zusammenfasst. Besonders bei den 18- bis 24-Jährigen ist ein deutlicher Strukturwandel erkennbar: weg von klassischen Nachrichtenangeboten, hin zu sozialen Plattformen und visuell geprägten Formaten.
Demnach ist der Anteil junger Erwachsener, die täglich Nachrichten konsumieren, zwischen 2017 und 2025 von 79 Prozent auf 64 Prozent gesunken. Während ältere Altersgruppen weitgehend stabile Werte aufweisen, zeigt sich bei Jüngeren ein Rückgang der generellen Nachrichtenaffinität. Gleichzeitig verschieben sich die bevorzugten Informationsquellen deutlich: Social Media ist inzwischen für 39 Prozent der 18- bis 24-Jährigen die wichtigste Nachrichtenquelle.
Social Media als zentrale Nachrichtenquelle
Innerhalb der sozialen Netzwerke spielen vor allem visuelle Plattformen eine zentrale Rolle. Instagram, YouTube und TikTok gehören zu den meistgenutzten Angeboten für den Nachrichtenkonsum junger Menschen, während klassische Nachrichten-Websites und Fernsehnachrichten an Bedeutung verlieren. Auch Messaging-Dienste wie WhatsApp oder Plattformen wie X und Facebook werden genutzt, jedoch mit geringerer Reichweite im Vergleich zu den führenden Netzwerken.
Der Report zeigt zudem eine klare Verschiebung der Medienlogik: Nachrichten werden seltener gezielt abgerufen, sondern häufiger in den sozialen Feeds neben Unterhaltung und anderen Inhalten konsumiert. Damit verändert sich auch die Art der Informationsaufnahme – weg von redaktionell kuratierten Nachrichtenangeboten hin zu algorithmisch gesteuerten Feeds.
Klassische Medien verlieren an Reichweite
Traditionelle Nachrichtenquellen haben in der jungen Zielgruppe deutlich an Bedeutung verloren. Während 2015 noch News-Websites und TV-Nachrichten die wichtigsten Hauptquellen waren, dominieren heute soziale Netzwerke. Printmedien und Radio spielen sowohl damals als auch heute nur eine untergeordnete Rolle im Nachrichtenmix junger Erwachsener.
Trotz der Verschiebung bleibt eine wichtige Konstante bestehen: Die bevorzugte Darstellungsform ist weiterhin der Text. Auch 2025 geben 42 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, Nachrichten lieber zu lesen als zu schauen oder zu hören. Videoformate folgen auf Platz zwei, Audioangebote bleiben vergleichsweise wenig genutzt.
Veränderte Plattformlandschaft
Die Plattformpräferenzen haben sich in den vergangenen Jahren stark verschoben. Instagram hat sich zur wichtigsten Nachrichtenplattform entwickelt, gefolgt von YouTube und TikTok, das in kurzer Zeit stark gewachsen ist. Facebook hingegen hat im gleichen Zeitraum deutlich an Relevanz verloren und wird heute nur noch von einem kleineren Teil der jungen Nutzer:innen regelmäßig für Nachrichten genutzt.
Der Report ordnet diese Entwicklung als Teil eines langfristigen Strukturwandels ein, in dem sich Mediennutzung zunehmend fragmentiert und stärker von Plattformlogiken geprägt wird. Für klassische Nachrichtenanbieter bedeutet das eine wachsende Herausforderung, junge Zielgruppen überhaupt noch direkt zu erreichen.