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Medien in der Corona-Krise und danach: Qualitätsjournalismus wird besonders in Krisen gebraucht

Welche Folgen die Covid-19-Pandemie für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft haben wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall verändert die Pandemie auch den Journalismus sowie den Umgang mit Medien. Dazu wurde im digitalen Mediensalon von young+restless, dem Netzwerktreffen für Young Professionals aus dem politischen Berlin, der Start-up-Szene, der Medienwelt sowie der Kreativwirtschaft, Ende April diskutiert. Von der gelungenen Premiere bei BASECAMPonAir berichtet Maximilian Riegel.

„Medien in der Corona-Krise und danach“ lautete der Titel für den Mediensalon des Netzwerktreffens „young+restless“ und griff die Debatten der vergangenen Wochen auf. Statt live im Basecamp in Berlin-Mitte moderierte Zeit-Redakteurin Tina Groll am 29. April das Panel via Internet. Die Zuschauer konnten dabei Fragen stellen und Kommentare abgeben, von denen Groll einen Teil am Ende ans Podium weitergab. Dort saßen die Chefredakteurin der Deutschen Welle, Ines Pohl, der Medienjournalist Daniel Bouhs, der Medienwissenschaftler Henrik Müller, der designierte Sprecher des Deutschen Presserates, Johannes Endres, sowie die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, Cornelia Berger.

Im Zentrum der Debatte standen vor allem die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Medienlandschaft hierzulande. Dass die erheblich werden, darüber waren sich alle einig. Müller sprach gar von einer möglichen Vernichtung weiter Teile der Medienlandschaft. Denn gerade auf lokaler Ebene bricht das werbebasierte Geschäftsmodell weg. Doch auch die öffentlich-rechtlichen können sich ihrer Sache nicht sicher sein, mahnte Bouhs. Schließen die Betriebe und steigt die Zahl der Arbeitslosen, sinkt auch die Zahl der Gebührenzahlenden. Hinsichtlich der großen Verlagshäuser bemerkte er, dass sich nun bemerkbar mache, welche noch inhabergeführt seien und welche, wie die Süddeutsche Zeitung, in Holding-Strukturen eingebettet sind. Ironisch bemerkte er: „Dort wo die Wirtschaftsberater gewütet haben, fällt es den Verlagen nun auf die Füße.“

Auch auf der individuellen Ebene, bei den Journalisten, muss sich einiges tun, damit Qualität und Vielfalt im Pressewesen erhalten bleiben. Berger sieht dahingehend die Politik in er Verantwortung. Sie bezeichnete die aktuelle Situation als ein „Brennglas“ und sprach von einer „sagenhaften Beschleunigung der Entwicklung“. Sie empfahl große Online-Plattformen zur Kasse zu bitten, um mit dem Geld regionale Projekte zu unterstützen. Als existierendes Beispiel nannte Pohl ihren früheren Wirkungsort, die taz, wo man schon lange auf freiwillige Zahlungen und ein Genossenschaftsmodell setzt. Pohl verlangt eine Bewusstseinsänderung, dass guter Journalismus nicht umsonst ist, sondern, wer kann, auch dafür zahlen soll.

Einig waren sich alle, dass über kurz oder lang neue Kooperationen zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Anstalten unausweichlich werden. Bouhs nannte hier, dass die öffentlich-rechtlichen noch mehr ihre Infrastruktur und Berichte öffnen könnten, wie es der WDR beispielsweise schon für die WAZ tut. Konsens herrschte auch darüber, dass der Journalismus seine Rolle unter den verschärften Bedingungen gut ausfüllt. Endres sieht darin sogar eine Chance. „Der Journalismus hat seinen Wert bewiesen, nun muss er es schaffen, ihn in neue Modelle umzuwandeln.“

Der Mediensalon selbst ging schon mal mit gutem Beispiel voran. Vor Herausforderungen gestellt, entwickelten die Macher ein Online-Format, dass nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten, ein voller Erfolg wurde. Zurecht sprach Groll von einer „gelungenen Premiere“. Und auch die fast 200 ZuschauerInnen waren in den Kommentaren voll des Lobes und Vorfreude auf den nächsten digitalen Mediensalon.

Die Aufzeichnung des Mediensalons gibt’s hier >>


Links:

Bericht bei Menschen Machen Medien: „Journalismus in Corona-Zeiten“ von Ute C. Bauer

Interview mit Ines Pohl bei SWR2 Journal am Mittag: Kritik und Wohlwollen – DW-Chefredakteurin Ines Pohl über die Medien in der Coronakrise