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Mediale Orientierungslosigkeit

Es ist die Top-Meldung in der Medienberichterstattung der letzten Wochen. Der Springer Verlag verkauft einen Großteil seiner Zeitungen und trennt sich von der Berliner Morgenpost, dem Hamburger Abendblatt und seinen Frauen- und Programmzeitschriften. Ein mutiger, radikaler Schritt, der den laufenden Medienwandel konsequent umsetzt. Auch der Kommentar von Verlegerin Friede Springer weist in diese Richtung. Mit ihrem Hinweis, dass „das Alte vergangen, wirklich vergangen“ ist, zeigt sich die konsequente Abkehr vom Printgeschäft.

Allerdings ist die Abkehr von einer alten Erfolgsgeschichte nicht unbedingt ein klarer Kurs hin zu neuem Erfolg. Was bleibt vom Springer Verlag ohne einen großen Teil des Printgeschäftes? Es bleibt die Welt und die Bild. Es bleiben zusammengesparte, zusammengelegte und auf Effizienz getrimmte Redaktionen, die nach dem Verkauf erst wieder mühsam auseinander dividiert werden müssen. Es bleiben Mitarbeiter, die nicht wissen, ob sie verkauft wurden oder auch nicht.

In der Vergangenheit zeichneten sich die Springer-Blätter immer häufiger durch eine langweilige Inhaltsgleichheit aus, die zu Déjà-vu-Effekten führte, wenn man am einen Tag die Welt und an einem anderen die Berliner Morgenpost gelesen hatte. Oft wurden dieselben Artikel zu unterschiedlichen Zeiträumen in den Springer-Blättern immer wieder aufgewärmt. Zusammengelegte Redaktionen waren somit nicht die Lösung für eine abwechslungsreiche, niveauvolle Berichterstattung in den Springer-Printprodukten. Das kann jetzt, mit zwei unterschiedlich ausgerichteten Blättern besser werden, wenn die Verwerfungen durch den Verkauf überwunden sind.

Ich bin gespannt, ob diese Kahlschlaglösung neben großer Verwirrung wirklich zu der Konzentration auf die Zukunft führt, die sich Springer davon verspricht. Auf jeden Fall stehen jetzt klar positioniert Kanäle zur Verfügung, die online und als Holzmedium neuen journalistischen Schwung repräsentieren könnten. Dafür braucht es aber mehr Einsicht als die, dass das Alte vergangen ist. Es braucht eine unternehmerische Vision von Format. Genug Geld dafür ist ja jetzt vorhanden.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.