
Omnicom treibt nach der Übernahme der Interpublic Group (IPG) den Umbau seines globalen PR-Geschäfts voran und verschmilzt zwei seiner bekanntesten Agenturmarken: Golin und Ketchum. Die Zusammenlegung gilt als eine der größten Konsolidierungen innerhalb des Omnicom Public Relations Group (OPRG) in den vergangenen Jahren – und als weiterer Schritt hin zu größeren, integrierten Einheiten statt vieler Einzelmarken.
Künftig sollen Golin (ehemals IPG) und Ketchum (Omnicom) als eine integrierte Organisation auftreten. Ziel ist ein gemeinsames Angebot über Markenkommunikation, Corporate Reputation, Health, Social und Social Impact hinweg. Die Leitung übernimmt der bisherige weltweite Golin-CEO Matt Neale (Foto links). Tamara Norman (Foto rechts), bislang US-Chefin von Ketchum, wird globale Präsidentin der neuen Einheit. Ein finaler Name steht noch nicht fest; intern kursiert derzeit „Golin Ketchum“ als Arbeitstitel.
Während der Integrationsphase sollen beide Agenturen zunächst unter ihren bestehenden Marken auftreten. Unklar ist bislang, welcher Markenname langfristig bestehen bleibt und ob die Fusion mit Stellenabbau verbunden sein wird. Laut interner Kommunikation sollen bestehende Kund:innenbeziehungen und Teams zunächst unverändert bleiben.
Integration statt Koexistenz
Mit der Zusammenlegung verfolgt Omnicom eine klare Integrationsstrategie. OPRG-CEO Chris Foster betont, man wolle „die Stärken beider Marken bewahren“. Zugleich macht die Holding deutlich, dass es langfristig um engere Verzahnung statt paralleler Strukturen geht.
In einer internen Mitteilung beschreibt Foster die Neuausrichtung als Teil eines umfassenderen Umbaus nach der IPG-Übernahme. Ziel sei es, eine moderne Kommunikationsorganisation zu schaffen, in der Teams und Kompetenzen global enger verbunden sind. Die Agenturen seien in Bereichen wie Corporate Affairs, Reputation Management und Purpose-getriebener Kommunikation bereits stark aufeinander abgestimmt.
Foster formuliert den Anspruch deutlich: „Year one success is straightforward: no disruption to clients and faster access to the right expertise.“ Zudem solle die neue Struktur sicherstellen: „We retain key talent, improve coordination across teams and deliver more consistently across markets. Clients should feel it in how quickly we move and how seamless delivery becomes.“
Generell reagiert Omnicom damit auf Kundenanforderungen nach stärker integrierten Angeboten. Foster spricht von dem Wunsch nach „einfacherer Navigation“, konsistenteren globalen Teams und schnellerem Zugang zu spezialisierter Expertise.
Porter Novelli rückt näher an FleishmanHillard
Parallel zur Fusion von Golin und Ketchum wird auch Porter Novelli neu positioniert. Die Agentur wird enger an FleishmanHillard angebunden und künftig als eigenständige Marke innerhalb der Fleishman-Struktur geführt. Teams und Angebote sollen stärker verzahnt werden, insbesondere in den Bereichen Corporate Affairs, ESG und Reputation.
Omnicom verspricht sich davon schnelleren Zugriff auf Spezialist:innen sowie geringere Reibungsverluste für Kund:innen. FleishmanHillard-CEO J.J. Carter bleibt im Amt; frühere Porter-Novelli-CEO Jillian Janaczek übernimmt eine Führungsrolle als Americas-CEO der kombinierten Organisation.
Nicht von den aktuellen Maßnahmen betroffen sind mehrere andere Einheiten im PR-Portfolio, darunter Weber Shandwick sowie verschiedene Public-Affairs-Agenturen des Konzerns. Sie sollen weiterhin unter bestehender Führung operieren.
Reaktion auf Marktdruck und sinkende Umsätze
Die Umstrukturierungen erfolgen vor dem Hintergrund wirtschaftlichen Drucks. Im dritten Quartal verzeichnete Omnicom im PR-Geschäft einen Umsatzrückgang von 7,5 Prozent auf 377,2 Millionen US-Dollar. Die Integration der IPG-Agenturen bietet dem Konzern nun die Gelegenheit, das Portfolio neu zu ordnen und Effizienzgewinne zu realisieren.
Strategisch folgt Omnicom damit einem klaren Muster: weniger Einzelmarken, mehr skalierbare Plattformen. Für die Branche bedeutet dies eine weitere Konsolidierungswelle. Die Ära zahlreicher mittelgroßer Agenturmarken unter einem Holding-Dach weicht zunehmend integrierten Einheiten mit stärker orchestrierten Leistungen.
Die Umsetzung der neuen Struktur soll schrittweise über das Jahr 2026 erfolgen. Was die Veränderungen konkret für einzelne Märkte – etwa Deutschland – bedeuten, ist noch offen. Branchenbeobachter:innen gehen jedoch davon aus, dass entsprechende Zusammenlegungen perspektivisch auch auf Länderebene folgen könnten.
prweek.co.uk (paid), medianews4u.com, prreport.de