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iPhone legende Wollmilchsäue

„Computer lösen Probleme, die wir ohne sie nicht hätten.“ Dieses Zitat schoss mir durch den Kopf, als ich von den neuesten Entwicklungen der segensreichen Elektronikindustrie hörte, die jetzt rund um die IFA dem geneigten User vorgestellt werden. Dank Apple sind Telefone zu Maschinen geworden, die zu jeder Tages- und Nachtzeit unsere Aufmerksamkeit erheischen wollen. Es „whatsapped“ und erinnert, es zeigt uns Tweets und Posts und möchte, dass wir permanent erklären, wo wir sind und was wir machen. Noch besser ginge dass, wenn wir das Handy am Arm tragen würden, dachte sich Samsung mit seiner Uhr „Galaxy Gear“. Samsung nimmt damit eine Entwicklung vorweg, die wir schon bald auch von Apple und anderen Herstellern sehen werden.

Der elektronische Störenfried wandert damit aus der Jackentasche ans Handgelenk und wird damit noch präsenter im Alltag. Da finde ich Google Glass schon konsequenter. Man soll seinem Gadget zu jeder Zeit in die Augen sehen können, ist hier die Devise. Bald blendet uns unser elektronisches Helferlein in jedem Moment die Informationen ein, die uns zuverlässig von der Realität ablenken können. Gesprächspartner starren bald mit wirrem Blick an einem vorbei oder blicken dezent auf ihr Handgelenk, wenn die neueste Facebook-Meldung die Aufmerksamkeit bindet.

Verstörend finde ich den Trend der sogenannten Phablets – eine Wortakrobatik aus Phone und Tablet. Diese Smartphones im XXL-Format sollen die Vorteile von Tablet und Smartphone vereinen. Nur eins geht mit ihnen nur noch bedingt: Telefonieren. Wer möchte schon mit einem kleinen Fernseher am Ohr telefonieren? Eigentlich kombinieren diese „Innovationen“ die Nachteile von Tablet PC und Smartphone so konsequent, dass sie für keinen sinnvollen Anwendungszweck mehr zu gebrauchen sind. Sei´s drum, die richtigen Nerds kaufen sie trotzdem. Ich bin auch schon ganz heiß auf ein solches Teil, um herauszufinden, ob es doch Sinn macht, neben Laptop, Tablet und Smartphone ein weiteres Gerät in meine Elektroniksammlung zu integrieren.

Eigentlich sollte man einmal darüber nachdenken, was all diese technologischen „Wunder“ wirklich zur Lebensqualität beigetragen haben. Ich habe dazu im Moment aber keine Zeit. Ich muss jetzt auf Facebook posten und E-Mails lesen. Auf dem Heimweg schaue ich einen Blockbuster auf meinem Mäusekino und zu Hause die Fotos von meinem Sohn an. In der Realität musste der schon ins Bett. Ich habe ihm über WhatsApp aber noch einen Gute-Nacht-Gruss gesendet.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.