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Im Land der Ausrufezeichen!

Wenn wir etwas können hier in Deutschland, dann Regeln aufstellen. „Rasen betreten verboten!“, „Kein Ball spielen im Hinterhof!“, „Erst nach Aufforderung eintreten!“. Dies sind nur einige Klassiker der deutschen Ausrufezeichenkultur. Es wird nicht über Lösungen von Problemen nachgedacht, Probleme werden wegreguliert und anderen in die Schuhe geschoben. Was für gestresste Hausmeister noch eine sinnvolle Lösung sein kann, ist für Unternehmen im Wandel der Todesstoß. Wer versucht seinen Kunden etwas vorzuschreiben, der wird sie verlieren. Kunden muss man gewinnen, überzeugen und begeistern. Nur so werden und bleiben sie Kunden.

Man gewinnt den Eindruck, momentan würden viele etablierte Unternehmen gerne folgende Regel geltend machen: „Kunden haben mit unseren veralteten Produkten zufrieden zu sein!“ oder „Nutzung des Internets verboten!“. Nur so ist es zu erklären, dass mehr Aufwand in neue gesetzliche Regelungen investiert wird als in neue Produkte. Suchen soll verboten werden, Hinweise auf Artikel sollen verboten werden, nur Werbung auf Verlagswebseiten angucken ist erlaubt. Jede Innovation wird kritisch beäugt, moralisch hinterfragt und dann als verurteilenswert abgetan.

Richtig frustrierend ist dabei, dass die ehemals Großen im Nachrichtengeschäft auf der Brücke ihrer Titanic den Eisberg verklagen wollen oder verzweifelt auf den Klimawandel hoffen. Anstatt beherrscht ins Steuer zu greifen und den Kurs zu ändern, telegrafieren die Kapitäne an ihre Anwälte und Lobbyisten, damit der Eisberg verschwindet. Die Politik lässt sich von den Verlagsoberen zu absurden Gesetzen wie dem Leistungsschutzrecht drängen und verpasst dabei die Chance, Deutschland fit zu machen für den Wandel zur digitalen Gesellschaft.

Während auch auf der letzten CeBIT fleißig Hände geschüttelt wurden, fehlen die Impulse um unser Land zukunftsfähig zu machen. Irgendwann wird dann allen Beteiligten auffallen, dass das Internet ein globales Phänomen ist, das sich nicht eine Millisekunde um deutsche Ausrufezeichen kümmert. Während in anderen Ländern die Internet-Giganten weltweite Erfolge feiern, versuchen wir es mit dem Slogan: „Die Zukunft soll warten, bis wir so weit sind!“.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.