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Hallo 2020, was geht?

Was läuft 2020 und hat die Chance für die Kommunikationswelt relevant zu werden? Jens Stoewhase hat sich ein wenig durchs Netz gewühlt und auch ein paar Themen zusammengefasst, die wir selbst spannend finden. Ein Listicle mit sechs Punkten zum neuen Jahr, das ist dann schon mal drin.

TikTok

Das chinesische Social-Network hat in der sehr jungen Zielgruppe direkt Snapchat und Instagram hinter sich gelassen. Das birgt jedoch zwei sehr kritische Schwerpunkte: TikTok als chinesischer Anbieter soll der landeseigenen Zensur unterliegen. Gleichzeitig gibt es immer wieder Kritik in Bezug auf den Datenschutz für Kinder und Jugendliche. Das Netzwerk ist ab 13 Jahren freigegeben. Inzwischen ist die ARD mit der Tagesschau dabei, auch da gab es in der Medienblase Diskussionen. Die Zahlen verschiedenster Konsum- und Medienmarken lesen sich schon jetzt imposant. Ein Account bei TikTok bietet also Chancen und Risiken zugleich.

Podcast

Podcasts sind quasi das Wedding des Internets. Der Berliner Stadtteil Wedding galt mehr als 10 Jahre als der upcoming place. Es passierte jedoch nicht viel. Wohingegen in anderen Berliner Stadtteilen sich der Wandel fast mit Lichtgeschwindigkeit vollzog. Mit Podcasts geht es mir ähnlich. Wir sind bei medienrot bereits seit mehr als zwei Jahren dabei. Die ersten Podcasts zeichnete ich mit Peter Schwierz, heute Chefredakteur und Macher hinter electrive.net, schon 2005 auf. Bis heute braucht das Medium jedoch immer wieder neue Schübe, denn im Mainstream ist es zwar schon Thema, was Deutschlands größter Podcast „Gemischtes Hack“ bei Spotify bereits zeigt. Es fehlen jedoch noch solide Geschäftsmodelle. Inhaltlich hingegen ist der Trend längst ein Standard. Für die Kommunikation werden Podcasts somit immer mehr zum JA/NEIN-Thema: soll ich oder soll ich nicht?

Influencer

Mein Eindruck ist, die Thematik ist nicht durch, hat sich aber beruhigt. Ganz persönlich habe ich meine eigenen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit BloggerInnen und Influencer in den vergangenen Jahren gemacht. Die gewohnte professionelle Zusammenarbeit war nur mit einem Teil der Content-ProduzentInnen machbar. Das sorgte teils für hohen Zeitaufwand. Es ist auch das, was ich von anderen Profis aus der Branche im vergangenen Jahr gehört habe. Hier dürfte sich auf Seiten der Influencer sicherlich wieder etwas mehr die Spreu vom Weizen trennen. Gleichzeitig gibt es mehr denn je MultiplikatorInnen für jede Nische – ob nun in Firmen oder im Bereich der Promiwelt.

LinkedIn

Während ich nur noch die verschiedenen Branchennewsletter von Xing erhalte, ist LinkedIn inzwischen für mich zu einer täglichen Quelle von Business News geworden. Dort folge ich entsprechenden Köpfen und Kontakten zu Firmen und Themen, die mich interessieren. Gleichzeitig etablieren sich dort einzelne Personen mit Unterstützung von LinkedIn selbst als neue exponierte News- und Meinungsquellen. Aus meiner Sicht tun Unternehmen und Organisationen gut daran, hier ihr Potenzial insbesondere für die internationale B2B-Wahrnehmung auszuloten. Als Einzelperson halte ich es inzwischen für selbstverständlich, dass ich mich dort mit meinen Themen zeige. Denn so entstehen direkte Kontakte, mit minimalsten Streuverlusten.

Purpose & New Work

Für mich gehören beide Themen zusammen. Deutschland hat insgesamt einen sehr sehr hohen Beschäftigungsgrad. Dies bedeutet, dass die Suche nach Fachkräften weiter schwierig bleibt. Gleichzeitig nimmt der Grad der Digitalisierung von Arbeitsprozessen noch immer zu. Dies ermöglicht auch mehr onlinebasierte Arbeitsabläufe – damit ist das Home Office für ArbeitnehmerInnen noch interessanter und gleichzeitig ist es eine weitere Option für Arbeitgeber in der Flexibilisierung der Arbeit. Natürlich ist New Work weit mehr als Home Office. Ich glaube jedoch, dass man dem Überwinden der dauerhaften Präsenz am Arbeitsplatz in einem Unternehmen, auch weitere Aspekte, wie mehr onlinebasierte Tools und Teamarbeit in immer größeren Unternehmen Fuß fassen können. Sinnstiftende Arbeit oder eben der Purpose-Ansatz zahlen direkt darauf ein. Die gesellschaftliche Debatte um den Klimawandel spielt dabei sicherlich eine wichtige Rolle. Denn sowohl auf der Seite der Arbeitenden als auch auf der Seite der EmpfängerInnen von Kommunikationsinhalten wird sich die Einschätzung in Bezug auf die Relevanz und Nachhaltigkeit von Aktionen, Produkten und Themen weiter etablieren.

Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Der ÖR steckt in einem Dilemma. Die Diskussionen rund um die Relevanz des WDR-Songs zur Oma als Umweltsau als auch der Umgang des BR mit seinem Kollegen Richard Gutjahr zeigen, dass man in Bezug auf soziale Medien, Hetzkampagnen und die selbstreflektierte, kritische Auseinandersetzung wohl noch viel Luft nach oben hat. Viel Optimierungsbedarf gibt es auch in Bezug auf die Besetzung der öffentlich-rechtlichen Talkshows. Hier stellte sich zuletzt heraus, dass die Diversität der eingeladenen Gäste deutlich zu wünschen übrig lässt. Fazit: Waren bisher „nur“ GebührengegnerInnen die ZweiflerInnen am öffentlich-rechtlichen Rundfunk, haben ARD und ZDF nun auch noch ein Problem mit ihren BefürworterInnen. Gleichzeitig ist es für die Radio- und Fernsehredaktionen noch immer nicht einfach, gegenüber den Streamingdiensten passende Antworten zu finden. Insbesondere deshalb, weil ihnen die Politik noch immer keine echten Optionen für das dauerhafte Publizieren von Inhalten gibt. Als Gebührengernezahler wünsche ich mir, dass die öffentlich-rechtlichen Medien sich progressiv dem Wandel hin zu einem verantwortungsvolleren und wieder gesellschaftlich relevanterem Medienangebot hinwenden und die Politik ihnen auch genügend Spielraum für den Medienkonsum im 21. Jahrhundert geben.

Zum Weiterlesen empfehle ich noch die folgenden Beiträge. Spätestens nach der Lektüre können Sie für sich selbst überprüfen, ob ich mit meinen Thesen richtig liegen könnte oder sie doch zu steil sind.

– Profi-Orakel: Welche Themen & Trends prägen 2020? pressesprecher.com >>
– Das sind die 4 wichtigsten Social Media Trends 2020 basicthinking.de >>
– Das sind die zehn Trends für 2020 horizont.net >>
– Social Media, Messenger und Streaming – Nutzerzahlen in Deutschland 2020 buggisch.wordpress.com >>

Über den Autor:
jst-autorenbildJens Stoewhase ist Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die das Onlinejournal medienrot.de im Auftrag der Landau Media GmbH & Co. KG betreibt. Dabei ist er auch Produzent des medienrot-Podcasts. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.