Google reagiert auf Vorwürfe gegen KI-Suche

Foto: © AdobeStock/JHVEPhoto
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Seit der Einführung der AI Overviews hat Google die Suche stark verändert – und die Kritik von Verlagen verschärft. Während der Konzern von stabilen Zahlen spricht und die Vorteile für Nutzer hervorhebt, beklagen Medienhäuser massive Einbußen im organischen Traffic.

Liz Reid, VP und Leiterin von Google Search, nennt die KI-gestützten Funktionen „die bedeutendste Weiterentwicklung der Google-Suche überhaupt“. Menschen könnten nun Fragen stellen, die zuvor nicht möglich gewesen seien. „Unseren Daten zufolge sind die Menschen zufriedener mit dem Erlebnis und suchen mehr denn je, während sie entdecken, was die Suche jetzt leisten kann“, so Reid in einem Blogpost.

Laut Google sei das Gesamtvolumen der organischen Klicks auf Webseiten im Jahresvergleich „relativ stabil“ geblieben. Zudem habe sich die Qualität der Klicks erhöht. „Mit AI Overviews sehen die Leute mehr Links auf der Seite als zuvor. Mehr Suchanfragen und mehr Links bedeuten mehr Chancen für Websites, aufzutauchen und angeklickt zu werden“, argumentiert Reid. Die Daten widersprächen Drittanbieter-Analysen, die „auf fehlerhaften Methoden oder veralteten Zahlen“ basierten.

Der Konzern betont außerdem, dass die KI-Antworten nicht an die Stelle der Webseiten träten, sondern diese sichtbar machten: „Es geht nicht um das Web oder KI – es geht um beides.“

Verlage sehen dramatische Verluste

Ganz anders klingt es in der Medienbranche. Studien des britischen Analyseunternehmens Authoritas zeigen, dass Webseiten, die früher auf Platz eins standen, im Schnitt bis zu 79 Prozent ihres Traffics verlieren, sobald eine KI-Zusammenfassung eingeblendet wird. Auch das Pew Research Center stellte fest: Von 69.000 untersuchten Suchanfragen führte nur in einem von hundert Fällen ein Klick auf einen darunterliegenden Link.

Für Verlage, deren Geschäftsmodell stark von Suchmaschinenverkehr abhängt, ist das existenzbedrohend. Ein Verlagsmanager warnte gegenüber der Zeit: „Wenn Inhalte zwar gelesen, aber nie besucht werden, stirbt unabhängiger Journalismus langsam aus.“

Auch die Politik ist aufmerksam geworden. Die Independent Publishers Alliance sowie Organisationen wie Foxglove Legal haben bei der EU-Wettbewerbsbehörde Beschwerde eingereicht. Sie werfen Google vor, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen – etwa durch die Bevorzugung konzerneigener Plattformen wie YouTube.

In den USA spricht die News/Media Alliance (NMA), ein Zusammenschluss von rund 2000 Verlagen, noch deutlicher: Das Vorgehen Googles, Inhalte ohne Vergütung für eigene KI-Antworten zu nutzen, sei „die Definition von Diebstahl“.

Zwischen Expansion und Erosion

Während Google von einem „expansionary moment“ für das Web spricht, sehen viele Verlage ihre Existenzgrundlage bedroht. Für den Konzern markiert die KI-gestützte Suche den Beginn einer neuen Ära, in der Nutzer „tiefer eintauchen“ und Webseiten mit einzigartigen Perspektiven profitieren könnten.

Für die Medienbranche hingegen ist die Sorge groß, dass die Rolle journalistischer Angebote im Netz zunehmend geschwächt wird – mit Folgen nicht nur für Geschäftsmodelle, sondern auch für die demokratische Öffentlichkeit.

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