
ProQuote Medien e.V. sieht seine Arbeit durch den Förderstopp des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend massiv gefährdet. Nach neun Jahren staatlicher Unterstützung wurde ein Antrag des Vereins auf Finanzierung zur Beobachtung und Analyse des Geschlechter-Backlashes in deutschen Medien abgelehnt, wodurch 600.000 Euro für die kommenden drei Jahre fehlen.
Seit 2012 erhebt ProQuote Medien als einzige Institution systematisch den Frauenanteil in Leitmedien, der von 14,39 Prozent auf 39,9 Prozent im Jahr 2022 gestiegen war, seither jedoch wieder sinkt. Vorständin Katharina Preuth betont: „Gerade in Zeiten von zunehmendem Rechtsextremismus, antifeministischen Bewegungen und populistischen Narrativen ist Transparenz über Machtverhältnisse in Medien zentral für eine wehrhafte Demokratie.“
Die fehlende Förderung bedroht Leitmedienzählungen, weiterführende Studien, Social-Media-Präsenz und Fachkonferenzen, die der Vernetzung und solidarischen Bündnisbildung dienen. Der Verein kündigte an, nun nach alternativen Fördermöglichkeiten zu suchen, um seine Arbeit fortzuführen.
Seit 2012 zählt und vergleicht der gemeinnützige Verein ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Zu den untersuchten Leitmedien zählen Bild, Spiegel, Focus, Stern, Zeit, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Welt – und seit 2021 die tageszeitung. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen.
Aktuelle Leitmedienzählung: Immer weniger Frauen in journalistischen Führungspositionen
In großen deutschen Print- und Online-Medien sinkt der Frauenmachtanteil in Führungspositionen erneut und liegt nun bei 37,5 Prozent, ein Rückgang von 0,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Zählung im Juli 2025.
Die taz bleibt Spitzenreiterin mit 61,3 Prozent, verzeichnet jedoch ebenfalls einen Rückgang um 3,8 Punkte. Die Süddeutsche Zeitung erreicht erstmals mehr als 50 Prozent und belegt damit Rang zwei, während die Zeit mit 42,6 Prozent auf Platz drei liegt. Der Spiegel verliert 3,9 Punkte und fällt auf Rang vier, während Bild, Stern, FAZ und Focus weitgehend unverändert bleiben. Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei der Welt, deren Frauenanteil auf 16,7 Prozent sinkt; unter Berücksichtigung des neuen Chefredakteurs läge er sogar nur bei 14,9 Prozent.
„Der erneute Rückgang auf 37,5 Prozent ist ein deutliches Warnsignal für die Medienhäuser“, sagt Edith Heitkämper. „Gleichstellung in journalistischen Führungspositionen passiert nicht von selbst – sie ist eine Führungsaufgabe. Wer publizistische Verantwortung übernimmt, muss auch Verantwortung für vielfältige Perspektiven in Redaktionen tragen. Bleibt diese aus, verengt sich der Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – mit Folgen für journalistische Qualität und demokratische Meinungsbildung.“
pro-quote.de (Förderung), pro-quote.de (aktuelle Leitmedienzählung)