
Die Europäische Union verstärkt ihren Kampf gegen Cybermobbing und will Kinder und Jugendliche besser schützen. Kernstück des neuen Aktionsplans ist eine EU-weit nutzbare App, die es Betroffenen ermöglicht, Vorfälle direkt zu melden, Beweise sicher zu speichern und passende Unterstützungsangebote zu finden. Als Vorlage dient die französische App „3018“, die bereits bei digitaler Gewalt Unterstützung bietet. Die EU plant, dieses Modell an die Mitgliedstaaten weiterzugeben, die es anpassen, übersetzen und an ihre nationalen Angebote anschließen können. „Es muss einfacher sein, zu melden, als Menschen online zu mobben“, sagte der für Kinder und Jugend zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef.
Nach Angaben der EU ist etwa jedes sechste Kind zwischen 11 und 15 Jahren in Europa bereits Opfer von Cybermobbing. Besonders gefährdet seien Mädchen, junge Frauen, Kinder aus einkommensschwachen Haushalten sowie Angehörige von Minderheiten. Micallef bezeichnet Cybermobbing als „Pandemie“: „Cybermobbing zu bekämpfen bedeutet, Leben zu retten, denn Cybermobbing schadet, verletzt und nimmt manchmal die Menschen, die wir lieben.“
Der Aktionsplan umfasst neben der App auch die Prävention durch digitale Bildung, die Koordinierung nationaler Maßnahmen und die Unterstützung von Safer-Internet-Zentren. Neue Leitlinien für Schulen sollen Cybermobbing stärker in die Medienbildung integrieren. Zudem prüft die EU, bestehende Regelwerke wie den Digital Services Act und das KI-Gesetz zu verschärfen. Besonders KI-generierte Inhalte wie sexualisierte Deepfakes, die Manipulation und Mobbing erleichtern, sollen gezielt unterbunden werden. „Das europäische KI-Gesetz soll im dritten Quartal 2026 solche Praktiken gezielter verbieten“, heißt es.
Mehrere Mitgliedstaaten diskutieren zudem strengere Altersgrenzen für soziale Netzwerke. Plattformen sollen Schutzmechanismen für Minderjährige verbessern, Inhalte altersgerecht filtern und Altersprüfungen umsetzen. Mit diesem Maßnahmenpaket übernimmt die EU mehr Verantwortung für Plattformen und sorgt dafür, dass Betroffene schneller und direkter Hilfe erhalten.