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Die Offensive der Medien gegen Fake News

Foto: © Fotolia/pathdoc

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Fake News und „alternative Fakten“ sind nicht erst seit Donald Trumps Amtsantritt ein viel diskutiertes Thema – doch seit seiner Vereidigung zum 45. Präsidenten der USA umso mehr. Erst kürzlich hat das Weiße Haus eine Liste mit angeblichen Desinformationen veröffentlicht. Trumps Vorwurf: Medien würden gezielt Terrorakte mit islamistischem Hintergrund verschweigen. Auf besagter Liste finden sich insgesamt 78 Anschläge, die zwischen September 2014 und Dezember 2016 stattfanden – darunter auch Vorfälle, bei denen ein islamistischer Hintergrund völlig unklar ist.

Die Offensive der Medien
Was tun also gegen Unwahrheiten, die sich besonders in den sozialen Netzwerken rasant verbreiten? Wo doch Agenturchefs eine „Fake-News-Welle“ für den diesjährigen Bundestagswahlkampf prophezeien? Vor diesem Hintergrund hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeschlagen, ein „Abwehrzentrum gegen Desinformation“ einzurichten, um gegen Manipulationen durch Falschmeldungen vorzugehen. Auch Medien und soziale Netzwerke haben angekündigt, gegen solche Falschmeldungen vorgehen zu wollen, einige Initiativen sind bereits gestartet. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in Frankreich haben mehrere Medien und Google das Projekt CrossCheck vorgestellt, bei dem die Prüfung angezweifelter Internet-Meldungen im Mittelpunkt steht. Zudem will Facebook seine Maßnahmen gegen die Verbreitung von Falschmeldungen wie schon in den USA und in Deutschland nun auch in Frankreich anbieten.

Die BBC hat bereits ein Team gegründet, das Fake News identifizieren soll, und Facebook setzt für den Kampf gegen Fake News in Deutschland auf das Recherchezentrum Correctiv, das Inhalte prüfen soll. Auch in regionalem Rahmen wird gegen Falschmeldungen vorgegangen: Anfang des Jahres startete die Polizeistelle Oberbayern Süd eine Fake-News-Offensive und kennzeichnete einen Facebook-Beitrag über eine angebliche Vergewaltigung auf ihren eignen Facebook- und Twitterprofilen klar als Falschmeldung. Das Team von Hoaxmap sammelt Falschmeldungen und verzeichnet sie auf einer Landkarte.

Doch zurück zu Donald Trump: Reuters-Chefredakteur Steve Adler hat seinen ReporterInnen einen Leitfaden für die Trump-Berichterstattung an die Hand gegeben. Er ruft die MitarbeiterInnen der Nachrichtenagentur dazu auf, sich nicht einschüchtern zu lassen und weiter unvoreingenommen zu berichten. So könnte Trump vielleicht unabsichtlich sogar für ein Comeback der Qualitätsmedien sorgen, denn Menschen haben das Bedürfnis nach soliden Informationen. Und genau darauf zielen die zahlreichen Ansätze, mit denen Medien Gerüchte enttarnen wollen.

Falschmeldungen erkennen
Für Wolfgang Schweiger, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Hohenheim, ist allein die Medienkompetenz des Einzelnen auf lange Sicht eine wirkungsvolles Mittel gegen Fake News. Er attestiert „Fake News gehören dazu. Wir müssen lernen, mit ihnen umzugehen.“ Auch der Digitalverband Bitkom fordert mehr Medienkompetenz. In Zeiten, in denen „alternative Fakten“ und Gerüchte Hochkonjunktur haben, sollte man also lieber zweimal hinschauen, bevor man etwas retweetet oder bei Facebook teilt. Die ARD zeigt in einem Special zum Thema, wie Fake News wirken und wie man sie entlarvt. Tools und Möglichkeiten, um Berichte im Netz zu prüfen, stellt Birgit Riegler vor. Einen speziellen Ratgeber für Eltern, Kinder und Jugendliche zum Umgang mit Gerüchten und Informationen im Netz hat die Initiative Safer Internet zusammengestellt.

Mithilfe der Medieninitiativen gegen Fake News, diesen Tipps und gesundem Menschenverstand können wir zumindest die Gefahr, Falschmeldungen aufzusitzen, reduzieren.


Nicole-Storch_2015_150x150pxÜber die Autorin: Nicole Storch ist freiberufliche Autorin für Print und Online. Zuvor betreute sie als Redakteurin beim Egmont Ehapa Verlag zahlreiche Kinder- und Jugendzeitschriften. Während ihres Studiums der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK Berlin arbeitete sie bereits als freie Texterin für verschiedene Agenturen.