Newsletter

Die große Bewegtbildstudie 2020: Jeder zweite Deutsche nutzt Streaming-Abos

Foto: © AdobeStock/tanaonte

Zum dritten Mal in Folge hat TV Spielfilm zusammen mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) das Thema Bewegtbild umfassend analysiert. Erstmals ist es damit möglich aus den gesammelten Daten der letzten drei Jahre nicht nur aktuelle Trends, sondern auch Entwicklungstendenzen für den Bewegtbildkonsum der Zukunft abzulesen.

Wie stark unterscheidet sich der Konsum von linearem Fernsehen zwischen den Generationen? Haben die Deutschen während des Lockdowns mehr TV geschaut? Wer dominiert den Video-Streaming-Markt? Die Studie „Screens in Motion 2020“ von TV Spielfilm untersucht wie, wann und warum die Deutschen Bewegtbildinhalte konsumieren.

Streaming vs. klassisches TV

Streaming ist im Jahr 2020 bei der Mehrheit angekommen: Jeder zweite Deutsche nutzt mindestens einmal pro Monat ein Streaming-Abo (54%). Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 82 Prozent. Damit ist Streaming aktuell das einzige Bewegtbildangebot mit kontinuierlichem Wachstum. Klassisches TV steht mit einem Nutzer-Anteil von 88 Prozent weiterhin an der Spitze der Bewegtbildangebote, verliert aber zum Vorjahr zwei Prozentpunkte. Die Mediatheken-Nutzung lässt insgesamt ein wenig nach (um 6 Prozentpunkte). Bei den über 50-Jährigen stehen mit je 45 Prozent Nutzeranteil die Mediatheken von ARD und ZDF am höchsten im Kurs. Von den unter 30-Jährigen nutzen nur je 22 Prozent monatlich die öffentlich-rechtlichen Mediatheken. Knapp die Hälfte der Befragten (47 Prozent) sind der Meinung, dass Streaming-Abos klassisches TV langfristig ablösen werden.

Nutzungsdauer variiert je nach Altersgruppe

Die Streaming-Dauer hat sich mit einem Plus von 20 Minuten in drei Jahren am deutlichsten verändert und liegt jetzt im Durchschnitt bei 55 Minuten täglich. Klassisches Fernsehen hingegen bleibt mit einer Nutzungsdauer von rund zwei Stunden relativ stabil. Hier zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede bei den Altersgruppen: Während bei den über 50-Jährigen klassisches TV mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von drei Stunden klar dominiert, liegen bei den Jüngeren Streaming (1:38 Std.) und Videoportale (1:18 Std.) klar vor TV (0:49 Std.). Im Vergleich zu 2018 ist damit die Streaming-Dauer der unter 30-Jährigen um eine halbe Stunde angestiegen und die TV-Nutzungsdauer um eine halbe Stunde zurückgegangen.

Streaming-Nutzung: Netflix und Amazon fast gleich auf

Streaming-Sieger bei den Jüngeren: Netflix mit 72% monatlicher Nutzung (Foto: © Screens in Motion)

Im Rennen um den beliebtesten Streaming-Anbieter bleibt es weiter spannend: Aktuell liegen Netflix und Amazon mit einer monatlichen Nutzung von 39 Prozent (Netflix) und 38 Prozent (Amazon) fast gleichauf. Disney Plus landet auf Anhieb auf Platz drei – mit beachtlichen 12 Prozent. Eindeutiger Streaming-Sieger bei den Jüngeren ist Netflix mit 72 Prozent. Gefolgt folgt Amazon Prime Video mit 51 Prozent. Allerdings hängt die Beliebtheit der Streaming-Anbieter stark von dem jeweiligen Bewertungskriterium ab. Wenn es um das umfassendste Angebot geht, belegen Netflix, Twitch und Youtube die ersten drei Plätze. In Bezug auf die aktuelle Corona-Berichterstattung liegen die öffentlich-rechtlichen Streaming-Angebote auf der Beliebtheitsskala der Nutzer ganz oben, angeführt von ZDF (75 %) und ARD (74 %).

Das Phänomen Second Screening

Second Screening ist ein Trend, den insbesondere die jüngeren Verbraucher in ihrem Lifestyle etabliert haben. Mit der parallelen Nutzung von Zweitgeräten dominieren die unter 30-Jährigen auf allen Plattformen deutlich. Beim klassischen TV ist die Ablenkungsgefahr mit 61 Prozent am größten, gefolgt von Pay-TV mit 49 Prozent. Bei allen Altersgruppen liegt die Aufmerksamkeitsquote bei der Rezeption von Streaming- und Mediathek-Inhalten mit 70 Prozent deutlich höher als beim klassischen TV-Konsum (54 Prozent). Das Überangebot auf den Streaming-Markt überfordert teilweise die Nutzer. 27 Prozent der Streaming-User schalten auf TV um, wenn sie sich nicht für ein Streaming-Angebot entscheiden können. Im Gegenzug liegt der Suchtfaktor mit 68 Prozent beim Streaming deutlich höher als bei Bewegtbild insgesamt (49 %).

Der Corona-Effekt

Die Gesamt-Sehdauer über alle Plattformen hinweg bleibt mit täglich 4:21 Std. relativ konstant – ein Plus von vier Minuten im Vergleich zum Vorjahr. Beschäftigte, die Corona-bedingt im Home Office arbeiten, konsumieren mit durchschnittlich 3:50 Std. deutlich kürzer Bewegtbildinhalte als zum Beispiel Beschäftigte in Kurzarbeit (4:26 Std.). Nicht-Berufstätige verbringen im Schnitt täglich 4:42 Std. mit Bewegtbildinhalten jeder Art.

„Streaming ist weiter auf dem Vormarsch – das belegen Nutzeranteile von mittlerweile über 80 Prozent in der jüngeren Generation. Größere Neu-Kundenpotenziale für Anbieter finden sich daher zunehmend bei der Altersgruppe der 30- bis 49-Jährigen mit bisher 60 Prozent Streaming-Nutzung. Doch auch die über 50-Jährigen ziehen nach. Hier sind es vor allem die öffentlich-rechtlichen Mediatheken, die auch ältere Zuschauer an den non-linearen Bewegtbild-Konsum heranführen.“
Marion Sperlich, Head of Client Research und Kopf von „Screens in Motion 2020“

Zum Hintergrund der Studie ergänzt Nina von Rheinbaben (Head of Publishing Screens): „Bewegtbild-Angebote und -Inhalte sind unsere Leidenschaft. Dabei berichten unsere Kollegen aus den Redaktionen von TV Spielfilm, Cinema und dem SerienMagazin längst nicht mehr nur über klassisches Fernsehen und Kinofilme: Streaming ist mittlerweile ein fester Bestandteil unseres Angebots, in unseren Heften, online oder in unseren (Video-)Podcasts. Unsere Studie ‚Screens in Motion‘ ermöglicht es uns, Trends und Entwicklungen frühzeitig in unsere Angebote zu integrieren.“

Für die Online-repräsentative Studie „Screens in Motion 2020“ hat die GfK im Auftrag von TV Spielfilm 2.000 Personen zwischen dem 24. April und 4. Mai 2020 online befragt.


Methodensteckbrief „Screens in Motion 2020“:

Methode: Online-Befragung
Feldzeit: 24. April – 4. Mai 2020
Grundgesamtheit: Online-Bevölkerung ab 14 Jahre, repräsentativ, quotiert nach Alter, Geschlecht, Region
Stichprobe: n = 2000