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Der Videoblog der Kanzlerin: Erst verlacht, inzwischen ein ernst zu nehmendes Zitatemedium

Die Landau Media AG nahm von Ende Juli bis Anfang September die digitalen Kanäle der Kanzlerkandidaten der CDU und SPD im Rahmen des Rennens um die Bundestagswahl 2013 genauer unter die Lupe. Es wurde untersucht, welche Medienresonanz der Videopodcast Angela Merkels durch Zitate erfuhr und inwieweit Steinbrücks Twitter-Aktivitäten Beachtung fanden.

Unangefochten liegt die amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel weit vorn, wenn es für die Kandidaten der beiden Spitzenparteien CDU und SPD darum geht, ihre Botschaften an potenzielle Wähler über digitale Kanäle zu übermitteln.

Merkels Reichweite nach Themen mit Quelle

So zitierten die Medien ihre Video-Botschaft gegen Rechtsextremismus 594 Mal – womit Merkel auf eine sagenhafte Reichweite von 123.273.614 Brutto-Kontakten kam.

Allerdings stand ihr Bekenntnis zur Scham und Betroffenheit im Zusammenhang mit ihrem Besuch einer Gedenkfeier im ehemaligen Konzentrationslager Dachau, den sie auf Einladung des Präsidenten der Lagergemeinschaft Max Mannheimers gemacht hatte. Merkel wurde von der Öffentlichkeit stark dafür kritisiert, dass der Besuch während des Wahlkampfes stattgefunden hatte. Nichtsdestotrotz verhalf ihr die Aufruhr in den Medien dazu, diese Botschaft weit zu streuen und ihren Videopodcast noch populärer zu machen.

Extrem abgeschlagen in der Rangliste konnte sich Merkels Forderung nach zügigen und stärkeren Regulierungen auf den Finanzmärkten durchsetzen und an zweiter Stelle mit einer Reichweite von 29.347.233 bzw. 121 Nennungen plazieren.

Ihre Äußerung zur möglichen Themenagenda für den G20-Gipfel im Zusammenhang mit der Situation in Syrien wurde von den Medien immerhin 79-mal aufgegriffen und führte zu einer Reichweite von 18.232.865 Brutto-Kontakten.

Auch ihr Statement im Rahmen des Besuchs der Radmesse „Eurobike“ in Friedrichshafen stieß auf großen Widerhall mit einer Anzahl von 27 Meldungen. Das mag sich zunächst eher wenig anhören, doch der Aufruf zur Stärkung des Radverkehrs erreichte immerhin noch durchschnittlich 16.353.850 Brutto-Kontakten.

Insgesamt bezogen sich die Journalisten und Web 2.0-User im untersuchten Zeitraum 906-mal auf Merkels Videopodcast, was eine Gesamtresonanz von knapp 190 Millionen Brutto-Kontakten ausmachte.

Davon kann ihr Kontrahent Peer Steinbrück, der digitalstrategisch voll auf seinen Twitter-Kanal setzt, nur träumen. Mit einer Reichweite von 19.056.177 Brutto-Kontakten kommt er noch nicht einmal auf ein Zehntel der Merkelschen Resonanz.

Steinbruecks Reichweite nach Themen mit Quellen

Zudem sind die Themen, in deren Zusammenhang er genannt wird, im Rahmen des Wahlkampfes nicht unbedingt günstig für ihn.

Immerhin schaffte er es, sich in den zahlreichen Beiträgen zum Thema Wahlkampf im Web 2.0 zu positionieren – mit einer Reichweite von 9.968.510 Brutto-Kontakten und 105 Nennungen. Es wurde ihm zugute gehalten, dass er auf zahlreiche Twitter-Follower verweisen kann, inzwischen sind es nämlich fast 50.000.

Oftmals wurde erwähnt, dass er über einen Twitter-Account verfüge und dort aktiv sei. Diese eher allgemein gehaltenen Nennungen, es sind 56, ergaben eine Reichweite von 4.368.988 Brutto-Kontakten.

Und leider folgt auf dem Fuße die Tatsache, dass er nicht ausschließlich selbst seinen Twitter-Account bediene. Als dann auch noch in seinem Namen während des TV-Duells Nachrichten abgesetzt werden, ist der Fauxpas perfekt. Die Rezipienten, größtenteils die Web 2.0-User, fassten dies derart missgünstig auf und fühlten sich für dumm verkauft, dass sie ihm sogar einen Verlust seiner Glaubwürdigkeit prophezeien.
Ein Großteil seiner Resonanz ist also eher auf den Spott und die Häme zurückzuführen, die er für seinen „Ghost“-Account erntet.
Obwohl Peer Steinbrück es gar nicht verheimlicht, dass er nicht immer selbst Urheber dieser Nachrichten ist, ist es im Rahmen seines digitalen Wahlkampfes im Web 2.0 wohl eher nachteilig.

Beiträge dieser Art erzielten eine Reichweite von 2.656.929 Brutto-Kontakten, anteilig waren fast 128 Beiträge mit einer Reichweite von ca. 200.000 darunter, die sich auf eine ironische, zum Teil schon kritische Art und Weise damit befassten. Ein paar wenige fanden es allerdings sogar cool, dass er während des TV-Duells „zwitscherte“.

Inhaltlich gelang es dem Kanzlerkandidaten lediglich, eine einzige Botschaft über seinen Twitter-Kanal zu kommunizieren, die von den Medien unter das Volk gebracht wurde. Sie bezog sich auf sein Statement zur Vermögenssteuer: „Klare Linie: Wir erhöhen einige Steuern für einige. Da stehen wir geschlossen wie eine Eins.“ Der Tweet wurde 39-mal zitiert und erzeugte eine Reichweite von 642.503 Brutto-Kontakten.

Selbst wenn man die Vermutung, dass Peer Steinbrück Follower hinzugekauft habe und die Geschichte um ein gelöschtes Twitter-Statement in der Vergangenheit mal außer Acht lässt (von der gescheiterten #fragpeer-Aktion ganz zu schweigen), steht es wohl derzeit nach wie vor eher schlecht um den Erfolg seines digitalen Hauptkanals. Auch gerade im Hinblick darauf, dass Journalisten und Web 2.0-User die Botschaften, die Angela Merkel über ihren Videopodcast verbreitet, nahezu kommentarlos und unkritisch aufgreifen und selbige offensichtlich als seriöse Quelle für ihre Nachrichten sehen.

Untersucht wurden insgesamt 1.364 Meldungen aus TV-, Internet-, Print- und Hörfunkmedien im Zeitraum vom 25.07. bis zum 02.09.2013. Die Auswertung bezog sich auf Zitate aus Angela Merkels Videopodcast und die Anzahl der Nennungen von Steinbrücks Twitter-Kanal.

nkr-landau-mediaÜber die Autorin: Nadja Krone ist seit 2008 Medienanalystin bei der Landau Media AG. Sie erschließt und wertet Print-, Online-, TV- und Hörfunkmeldungen aus, um daraus Medienresonanzanalysen zu erstellen. Frau Krone hat Bibliothekswissenschaft mit dem Schwerpunkt Dokumentation an der Humboldt-Universität zu Berlin und Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert.