KI-Tools sind für einen Großteil der Bevölkerung inzwischen Teil des Alltags. Gleichzeitig bleibt die Skepsis gegenüber ihren Ergebnissen hoch – und beim Thema Quellen klaffen Anspruch und Wahrnehmung auseinander. Das zeigt die ARD/ZDF-Medienstudie 2026.

KI-Tools haben ihren Weg in den Alltag gefunden. 59 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren nutzen sie zumindest gelegentlich. Besonders deutlich ist der Unterschied zwischen den Altersgruppen: Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Anteil bei 92 Prozent, bei den Menschen ab 70 Jahren dagegen bei 15 Prozent.
Mit der zunehmenden Nutzung wächst allerdings nicht automatisch das Vertrauen in die Ergebnisse. 54 Prozent der Befragten begegnen den Resultaten von KI-Tools mit Skepsis und sehen sie vor allem als Ergebnisse, die im Zweifel überprüft werden müssen. Gerade bei den Quellen zeigt sich eine deutliche Lücke: 81 Prozent halten Quellenangaben im Umgang mit KI für (sehr) wichtig. Tatsächlich empfinden aber nur 43 Prozent der KI-Nutzenden die Quellenangaben als transparent.
Für Florian Hager, Intendant des Hessischen Rundfunks, ergibt sich daraus auch eine Aufgabe für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „KI wird die Mediennutzung massiv verändern“, sagt Hager. Vor allem jüngere Menschen kämen durch die Tools anders an Informationen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse seine Rolle deshalb als Einordnungsinstanz gegen Deepfakes und als Vermittler von Medienkompetenz aktiv nutzen und KI zugleich verantwortungsvoll einsetzen.
Streaming etabliert sich als zentraler Zugangsweg
Neben der KI-Nutzung untersucht die ARD/ZDF-Medienstudie auch die Entwicklung der Streamingangebote. Der Plattformmarkt befindet sich demnach weniger in einer Phase stetigen Wachstums als vielmehr in einer Phase der Stabilisierung und Ausdifferenzierung.
YouTube bleibt mit einer Reichweite von 71 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren die meistgenutzte Video-Streaming-Plattform. Die Streamingangebote von ARD und ZDF erreichen 56 beziehungsweise 51 Prozent. Damit kommen beide öffentlich-rechtlichen Angebote inzwischen auf eine Reichweite von mehr als der Hälfte der Bevölkerung.
Auch bei Audio- und Musik-Streaming bleibt YouTube nicht der einzige große Player. Spotify wird von 44 Prozent der Bevölkerung genutzt und bleibt damit der meistgenutzte Anbieter in diesem Bereich. YouTube Music, das erstmals in die Medienstudie aufgenommen wurde, erreicht 30 Prozent. Die ARD Sounds kommen auf 15 Prozent.
Dass sich die Mediennutzung weiter von linearen hin zu non-linearen Angeboten verschiebt, zeigt sich dabei vor allem bei den Jüngeren. Mit zunehmendem Alter nimmt die non-lineare Nutzung zwar ab, gewinnt aber auch bei älteren Menschen gegenüber dem Vorjahr an Bedeutung.
Für Dr. Florian Kumb, Direktor Audience im ZDF, zeigen die Reichweiten der öffentlich-rechtlichen Streamingangebote deren Bedeutung als digitale Zugangswege zu Medieninhalten. Das ZDF wolle sein Angebot dort weiterentwickeln, wo das Publikum seine Inhalte nutze.
Studie setzt lange Zeitreihe fort
Für die ARD/ZDF-Medienstudie 2026 wurden 2.462 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt. 70 Prozent der Befragungen erfolgten telefonisch auf Basis einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe, 30 Prozent über ein Onlinepanel. Die Erhebung durch das Institut GIM fand zwischen dem 27. Januar und dem 19. April 2026 statt.
Die Studie wird seit vielen Jahren von der ARD/ZDF-Forschungskommission beauftragt und führt eine Zeitreihe zur Mediennutzung fort, die bis 1964 zurückreicht. Die detaillierten Ergebnisse sind bei Media Perspektiven und auf der Studien-Website verfügbar. Über das Auswertungstool MedienSwift lassen sich zudem die aktuellen Daten mit den Vorjahreswerten vergleichen.