
Deutsche Unternehmen, Behörden und Organisationen kommunizieren häufig unverständlich. Das zeigt eine aktuelle Auswertung von 3.235 Pressetexten auf dem größten deutschen PR-Portal presseportal.de durch den Münchner Textanalyse-Anbieter Wortliga.
Demnach erreicht nur etwa ein Drittel der Pressemitteilungen (33 %) eine gute oder akzeptable Lesbarkeit. 55 Prozent der Texte sind nur mittelmäßig verständlich, fast zwölf Prozent gelten als medial kaum verwertbar. Eine klare Sprache zeichnet sich durch kurze Sätze, viele Verben und wenige Hauptwörter aus.
Besonders deutlich wird der Unterschied zwischen Branchen: Unterhaltungsthemen wie „Show“ erreichen auf einer Skala von 1 bis 100 im Durchschnitt 63,8 Punkte, Pressemitteilungen von Krankenhäusern liegen mit 36,4 Punkten am unteren Ende. Auch Rechtsprechung (37,2) und Logistik (36,9) schneiden sehr schlecht ab. Ein Wert unter 40 erschwert die Weiterverarbeitung durch Medien erheblich.
Die Studie zeigt zudem, dass komplexe Themen durchaus verständlich vermittelt werden können: So landet das Thema „Kraftstoffpreise“ mit 62,5 Punkten im Spitzenfeld der Untersuchung.
„Wir beobachten eine große Kluft“, erklärt Gidon Wagner, Geschäftsführer bei Wortliga. „Besonders in sensiblen Bereichen wie der Gesundheit, Finanzen oder bei Krisenthemen verstecken sich Absender – vielleicht auch ungewollt – hinter Schachtelsätzen und Nominalstil. Autoren nutzen Sprache hier als Instrument zur Distanzierung statt als Brücke zum Leser.“
Wortliga empfiehlt, kürzere Sätze zu schreiben, mehr Verben zu verwenden und abstrakte Hauptwörter zu vermeiden. Eine klare Sprache macht Texte leichter verständlich, hilft Redaktionen bei der Nutzung von Pressemitteilungen und erhöht Reichweite und Vertrauen.