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60 Jahre DPRG – Eine Chronik

Foto: © ARTIS – Uli Deck

Wer vergangene Woche in Stuttgart den Internationalen Deutschen PR-Preis (des Berufsverbandes DPRG) besucht hat, hat Standing Ovations erlebt: Empfänger waren allerdings nicht die PR-Preisträger, sondern Branchenurgestein Thomas Achelis – der (sagt Xing) seit fast 44 Jahren seine eigene PR-Agentur in München betreibt. 18 Jahre saß Achelis im Präsidium des europäischen Dachverbands CERP, elf davon als Präsident. Und das vergangene Jahr, mehr noch, hat Achelis nun investiert, um die 60-jährige Geschichte der DPRG zusammenzutragen. Vor zehn Jahren, zum 50., hatte der Verband verpasst, seine Geschichte aufzuarbeiten.

Achelis’ Chronik ist schwere Kost, selbst für Branchennostalgiker wie ich einer bin. Auch sie kommt freilich nicht aus, ohne Vorstandsanträge, Mitgliederversammlungen und Ehrennadeln zu erwähnen. Aber ein Streifzug durch die gut 100 Seiten lohnt sich dennoch. Sie dokumentieren eine Branche, die seit Jahrzehnten um ihre Konturen ringt, die Akzeptanz und Anerkennung für ihre Dienstleistung sucht. Akribisch zeichnet Achelis nach, wie schwer sich die Branche tut, Zugangswege in die Branche zu ebnen, wie um Qualität der PR-Arbeit oder um Standards in der Ausbildung in der Branche gestritten wurde und wird. Oder wie es ihr bis heute an einer treffenden Bezeichnung für das Berufsbild fehlt: PR-Leute? PR-Berater? PR-Profis? Alles Notlösungen.

Achelis zeigt die Geschichte eines Verbands, der nicht selten (an sich selbst) scheiterte, der Geburt und Aufstieg eines Konkurrenten – des BdP – verkraften musste, heute aber wieder mehr denn je eine kreative Rolle für den Berufsstand spielt.

Vor allem ist Achelis’ Werk auch eine Hommage an alle, die diese Branche und den Verband in den vergangenen Jahrzehnten geprägt und entwickelt haben. Große Namen der PR-Branche, die jungen Berufseinsteigern heute vielleicht nichts mehr sagen oder gar bedeuten: Dabei erlebe ich in der Arbeit mit Einsteigern, wie groß ihre Neugier und das Interesse an mehr Einordnung und Branchenfundament für ihre berufliche Entwicklung sein können, weil ihnen anfangs vor lauter Berufsbezeichnungen und Branchentermini die Orientierung fehlt. Ich sehe Achelis’ Arbeit als gutes Gerüst dafür.


nico-kunkel_150x150pxÜber den Autor: Nico Kunkel ist seit mehr als zehn Jahren professioneller Beobachter von Themen und Trends in Kommunikation, PR- und Medienindustrie. Er arbeitet als freier Journalist und Impulsgeber für Events und Netzwerke in der Branche. 2012 begründete Kunkel die PR-Nachwuchsinitiative #30u30. Er ist Herausgeber des PR Career Center, das PR-Studierende unterstützt und vernetzt. Nico Kunkel lebt in Berlin. Er twittert als @prreporter.