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Im Dschungel der Übertragungsrechte

Foto: © Fotolia/victor217

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Als Sportfan hat man es nicht leicht! Wenn man nicht gerade Anhänger von den Sportarten ist, die im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden, muss man sich durch den Dschungel der Pay-TV- und Streaming-Dienste schlagen, um in den Genuss einer spannenden TV-Berichterstattung zu kommen.

Beispiel: Davis Cup (Tennis). Die Nationalmannschaft im Tennis spielte vergangenes Wochenende in Frankfurt. Ein Highlight für Tennis-Fans. Die erfolgreichen Zverev-Brüder, die gerade in Australien, beim ersten Grand Slam des Jahres, brilliert hatten, standen mit den anderen Großen des deutschen Tennissports bereit, um die Landesehre gegen Belgien zu verteidigen. Auch meine Frau und ich waren bereit, dieses Unterfangen aktiv vom Sofa aus zu unterstützen.

Nach einigen Recherchen entdeckten wir, dass der Davis Cup nicht mehr von Sat.1 ran übertragen wird. Ran sendete seit letztem Jahr entweder im Streaming-Angebot oder manchmal auch auf dem Pay-TV-Sender Sat.1 Gold. Sat.1 Gold kann man über Sky beziehen, die auch Eurosport 1 HD und Eurosport 2 anbieten, wo in diesem Jahr einige Grand Slams übertragen werden. Wimbledon wird allerdings von Sky übertragen. Aber egal, es ging ja nur um den Davis Cup.

Der Davis Cup wird von einem neunen Streaming-Dienst angeboten, der auf den hippen Namen „Dazn“ hört. Keine Ahnung, wie man das ausspricht. Für schlappe 10,00 Euro im Monat kann man dort viele Sportereignisse verfolgen, allerdings interessieren uns die meisten nicht. Aber als Unterstützung für Deutschland soll es an diesen 10 Euro nicht scheitern.

Geht man rational an die Sache ran, ist das, was der Profisport mit seinen Fans macht, eine Abzocke, die an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist. Als Tennis-Fan braucht man ein Sky-Abo (Wimbledon), Eurosport (andere Grand Slams und weitere WTA-Turniere), Sport 1+ (ATP Turniere) und jetzt auch noch Dazn. Vorher bezahlte man für Sat.1 Gold, das braucht man jetzt nicht mehr. Alleine um den Tennissport verfolgen zu können, muss man bereit sein, über 100 Euro im Monat zu bezahlen. Ok, mann bekommt auch andere Sportarten dafür, die interessieren einen aber nicht.

Im Fußball ist es einfacher: Man bezahlt entweder an Sky (Satellit) oder die Telekom (Stream), die einem dann auch noch andere Angebote aufzwingen oder für HD extra abrechnen. Natürlich kostet die komplette Abdeckungen anderer Liegen, beispielsweise der englischen Premier League, extra. Wer denkt, er hat sich für die gesalzenen Preise eine werbefreie Berichterstattung erkauft, der wird eines Besseren belehrt. Werbung wird in unerträglichen Taktraten auf den zur Kasse gebetenen Sportkonsumenten abgefeuert. Bei Fußballspielen wird gerne das teuer bezahlte HD-Bild verkleinert, um mitten im Spiel Werbung einzublenden.

Der deutsche Handball-Nationalmannschaft konnte man auf der letzen WM nur zuschauen, wenn man auf einer DKB-Webseite den Stream verfolgte. TV-Berichterstattung: Fehlanzeige. Dass ein Sponsor ein Event selbst überträgt, das war neu und wahrscheinlich auch nicht erlaubt. Medienaufseher stellten im Nachgang fest, das dies so nicht richtig sein kann.

Die Welt der Sportberichterstattung versinkt in einem heillosen Chaos aus Gebühren, Anbietern und Streams. Der Zuschauer bleibt auf der Strecke, und die Verantwortlichen feilschen weiter. Ich glaube nicht, dass sich der Sportfan das lange gefallen lässt. So verspielen die Millionärsligen das, was ihr größtes Kapital ist: das Vertrauen ihrer Fans.

Über den Autor: andrea katheder für landau media, berlin 2013Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen. Sie erreichen Uwe Mommert auch unter mommert@landaumedia.de, bei Xing und bei LinkedIn.