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Was bringt 2013:  “Lousy Pennies” oder “Content Milliarden”?

Schon vor einigen Jahren stellte Hubert Burda fest, dass man als Verleger mit Journalismus im Netz nur „Lousy Pennies“ verdienen könne. Richtig wäre allerdings, dass man beim Verschenken von Journalismus nur „Lousy Pennies“ mit der Werbung verdient, die man neben dem verschenkten Artikel positioniert. Das „Geschäftsmodell“ der Verlage, ihre Inhalte kostenlos ins Netz zu stellen und mit der Vermarktung von Werbeflächen auf den Verlagsseiten das große Geld zu machen, geht nicht auf. Das sollte in der Zwischenzeit auch beim letzten Verleger angekommen sein.
 
Eine Antwort der Verlage ist die Idee des „Paid Content“: Inhalte, die bis jetzt verschenkt wurden, soll der Nutzer in Zukunft bezahlen. Hierzu wird eine „Pay Wall“ errichtet, die den Nutzer von der kostenlosen Nutzung abhalten soll. Genial, oder? Erst alle mit kostenlosen Inhalten anlocken – und dann vor eine Wand rennen lassen. Die Wand ist allerdings meistens auch nicht ganz dicht. Kommt man über Links aus sozialen Netzwerken, darf man bei manchen „Pay Walls“ noch durch. Kommt man von Google, soll man dagegen zahlen. Ich glaube, dass solche Mauern den Kunden nicht glücklich machen. Wie soll ich denn verstehen, wann ich wieso etwas zahlen muss – und wann eben nicht?
 
Besonders ärgerlich: Der Nutzer kommt, um einen Artikel zu lesen, und soll dann gleich den Zugang für einen ganzen Monat kaufen. Selbst wenn der Nutzer bereit wäre, für den Artikel zu bezahlen – ein Abo will er sicher nicht abschließen. Die Lösung: Wenn die Verlage ihre Vermarktung so umstellen, dass der Bezug einzelner Artikel zu kleinen Preisen möglich wird, gibt es auch die Chance mit Content Geld zu verdienen. Ein einfaches System zum Zahlen mit einem Klick und Artikelpreise im Cent-Bereich könnten die Nutzer daran gewöhnen, dass es Journalismus nicht mehr geschenkt gibt im Internet. Jeder, der mit digitalen Inhalten arbeitet, ist es gewohnt dafür zu bezahlen. Im App Store, bei iTunes oder auf allen anderen erfolgreichen Marktplätzen des Internets funktioniert das so.
 
Ich bin gespannt, ob Verlage in diesem Jahr auf die Idee kommen, nicht Publikationen, sondern Artikel im Internet zu verkaufen. Genau das hat die Musikindustrie gelernt, die in der Zwischenzeit nicht nur Alben sondern auch Tracks im Internet anbietet. Wenn sich dann die Verlage noch auf ein gemeinsames Bezahlsystem einigen und verlagsübergreifende Flatrates anbieten würden, wäre der Weg zum bequemen Informationsbezug geebnet – und aus „Lousy Pennies“ könnten relevante Einnahmen werden.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.