Warum Bloggen doch noch hip wird.

In den vergangenen Jahren wurde das Bloggen immer wieder zum Überbleibsel einer alten Internetzeit deklariert, gar der kurz bevorstehende Online-Todesstoß durch die Social Networks postuliert. Die Realität beweist das Gegenteil: Blogs haben zwar ihren großen Hype hinter sich, sind damit aber auch im Hier und Jetzt angekommen, wo sie besonnen aufgebaut und für die Kommunikationsarbeit genutzt werden (können). Nicht nur Modeblogs wie Stil in Berlin oder Technikblogs wie MobileGeeks haben gezeigt, in­wie­weit Blogs sogar als neue Webmarken etabliert werden können.

Ich serviere Ihnen daher heute zehn Argumente, die Ihnen das Bloggen schmackhaft machen mögen.

1. Ein Blog gehört Ihnen.

In der vergangenen Woche hat der Radio-Moderator Jürgen Domian erfahren müssen, was Facebook ist: Ein geschlossenes System, das Inhalte auch einfach löscht, wenn es dafür eigene Gründe sieht. Letztendlich hat der Konzern zwar die Löschaktion nachträglich bedauert, das Prinzip wurde trotzdem demonstriert. Soziale Netzwerke sind am Ende Firmen, die eigene Regeln aufstellen. Ein eigener Blog untersteht dagegen Ihren Regeln. Die Inhalte dort werden von Ihnen produziert, gepflegt und dann in die sozialen Kanäle geschoben. Die Inhalte bleiben dadurch auch von Löschaktionen verschont!

2. Ein Blog ist günstig, aber nicht billig.

Im Verhältnis zu vielen Content Management Systemen, die Ihnen sicherlich auch schon angeboten wurden, ist ein Blog auf der Basis des Systems WordPress verhältnismäßig günstig zu haben. Professionell gehosteter Speicherplatz kostet etwa 20 Euro pro Monat (netto), das CMS ist kostenlos. Die Erstellung eines Layouts nach Ihren CI-Vorgaben bekommt man bei seriösen Agenturen oder Freelancern für 5.000 bis 10.000 Euro, viele Zusatzfunktionen lassen sich über Erweiterungen (Plugins) zuschalten. Faire Agenturen bzw. Freelancer kann man mit einem Wartungsvertrag für technische Pflege mit einem Preis von wenigen hundert Euro pro Monat verpflichten. Nach acht Jahren Bloggen und Arbeiten mit WordPress gehe ich sogar so weit zu behaupten, dass WordPress als CMS für fast jedes kleine bzw. mittelständische Unternehmen ausreicht. Man braucht nur einen guten Dienstleister als Partner!

3. Ein Blog ist eine Basis, ein Startpunkt für Ihre digitale Kommunikation.

Ihre digitale Pressemitteilung ist wertvoller Content. Warum veröffentlichen Sie ihn nicht zuerst auf Ihrer Plattform? Von einem Blog aus kann die PM neben den klassischen Wegen auch weiter verbreitet werden. Sie können zudem Aktualisierungen nachschieben, die Antworten zu eingehenden Fragen veröffentlichen und Vieles mehr. Auf einem Blog können außerdem Verweise auf und Inhalte aus Ihren sozialen Netzaktivitäten eingebunden werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar.

4. Ein Blog gibt Ihnen ein Stück Deutungshoheit zurück.

Das Internet nimmt Ihnen die Deutungshoheit. Aber mit einem Blog können Sie sich einen kleinen Teil davon zurückerobern. Springer-Cheflobbyist Christoph Keese, der aktivste Verfechter des Leistungsschutzrechts (LSR), hat eindrucksvoll gezeigt, wie man aus dem Nichts einen Blog aufsetzt und auf wichtige Aspekte der öffentlichen Debatte eingeht. Sein Blog presseschauder.de mauserte sich binnen kürzester Zeit zu einem Dreh- und Angelpunkt der Kommunikation rund um die Lobby-Arbeit in Sachen LSR. Auch wenn das Gesetz den Netzaktivisten nicht schmeckt: Keese hat genau ihre Methoden angewandt. Er nahm im Netz stattfindende Diskussionen seiner Gegner immer wieder zum Anlass, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Branchenmedien haben seine Beiträge gern aufgenommen und weiter verbreitet. Da das LSR nun auch durch den Bundesrat gegangen ist, geht der Punkt an Keese – und seinen Blog.

5. Ein Blog ist einfach und multimedial.

Ein Blog ist in erster Linie ein Content Management System, das für EinsteigerInnen recht einfach zu verstehen ist. Faktisch können Sie Bilder oder Grafiken direkt ins System laden und Videos oder Audiobeiträge mit den verschiedenen Code-Schnippseln, die Sie bei Youtube (Videoportal) oder Soundcloud (Audioportal) finden, in Ihre Blogbeiträge (Blogposts) einbetten. Texte schreiben Sie natürlich ebenfalls ganz einfach ins System und können dabei unproblematisch verlinken. Blogs sind keine Zauberei, sondern ein praktisches Werkzeug für Ihre tägliche Arbeit.

6. Ein Blog ist flexibel.

So wie ein Blog einfach und multimedial ist, so lässt er auch Raum für Hintergrundberichte und gibt Freiheit für schnelle und unkonventionelle Inhalte. Sie müssen diese Inhalte nur erzeugen. Dann können Sie mit Bildergalerien, Videos und Texten Ihre Message in die digitale Welt hinausschicken und sich frei von Formkonventionen austoben. Und ganz nebenbei: Sie können Ihre Inhalte auch nachverfolgen. Mit einem Trackingtool (wie Google Analytics) sehen Sie, welche Themen für Reichweite gesorgt haben, und mit dem richtigen Media-Monitoring können Sie Stück für Stück auch den Einfluss Ihres Blogs auf Ihre Kommunikationsziele mit echten Zahlen unterfüttern.

7. Ein Blog lädt zum Dialog ein.

Dialog ist immer eine Gefahr für Diejenigen, die ihn starten ohne sich vorher einen Kopf über mögliche Konsequenzen gemacht zu haben. Doch wenn Sie die Kommentarfunktion Ihres Blogs bewusst freischalten, dann können Sie eine spannende Dialogkultur aufbauen. Wenn Sie Meinungen, Kritiken und Fragen ernst nehmen können und adäquat antworten, wird das nach und nach im Netz die Runde machen. Es ist allerdings anstrengend und eine permanente Herausforderung, der man sich gewachsen fühlen sollte. Und noch mal im Ernst: Sofern nicht rechtlich bedenklich, sollten Sie Meinungen Ihrer Diskutanten niemals löschen. Das produziert mehr Stress, als zwei oder drei plausible Antworten zu geben.

8. Ein Blog erhöht die Sichtbarkeit im Netz.

Das CMS WordPress ist generell sehr suchmaschinenfreundlich aufgesetzt. Wenn Sie gute Inhalte posten, sich in sinnvollem Maße mit dem Thema Suchmaschinenoptimierung (SEO) auseinandersetzen, Bloginhalte über Ihre sozialen Netzwerke streuen und den Dialog mit anderen BloggerInnen suchen, wird Ihnen das Blog helfen, im Netz besser wahrgenommen zu werden. Diese Verstärkung der Sichtbarkeit kommt nicht über Nacht und auch nicht mit dem Storch, aber sie kommt.

9. Ein Blog ist ein fortlaufendes Archiv.

Insbesondere für MedienmacherInnen und JournalistInnen sind Informationen aus der Vergangenheit interessant, wenn sie den Kontext des aktuellen Geschehens sinnvoll einordnen wollen. Ein guter Blog hilft dabei – mit einer mitgelieferten Suchfunktion, einer Verschlagwortung (Tags) und der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Zudem ist auch Ihre Arbeit öffentlich sichtbar und kann verfolgt werden. Mit einer stringenten Kommunikationsstrategie kann ein solches Archiv Ihre gute Arbeit untermauern.

10. Ein Blog macht Spaß – wenn man sich darauf einlässt.

Ein Blog ist im besten Fall ein täglich aktualisiertes Medium, das einem viele Freiheiten lässt, sofern man sie zu nutzen weiß. Dann macht Bloggen auch Spaß! Meine Erfahrung aus vielen verschiedenen Projekten: Bloggen verändert durchaus die eigene Einstellung zu bestimmten Themenbereichen, bringt die eigene Arbeit durch neue Erkenntnisse voran und sorgt für nachhaltigen und messbaren Erfolg. Allerdings lässt es die LeserInnen auch dichter an die eigenen Themen heran und bietet somit Angriffsflächen. Diese Flanken werden immer wieder aufgerissen, aber Sie werden mit der Zeit auch immer besser und können souveräner reagieren.

Ein paar Worte zum Schluss: Wie immer gilt die alte Weisheit der Pharmazeuten: Die Dosis ist entscheidend! Machen Sie zu viel, geht Ihnen wertvolle Zeit verloren. Machen Sie zu wenig, gewinnen Sie nicht mal einen Blumentopf. Ein Plan hilft dabei, die Ziele nicht aus den Augen zu verlieren und die eigene Arbeit zu hinterfragen.

Über den Autor: Jens Stoewhase ist verantwortlicher Redakteur für medienrot.de und Geschäftsführer der Rabbit Publishing GmbH, die dieses Onlinejournal im Auftrag der Landau Media AG betreibt. Bis Ende 2011 betreute er selbst u.a. die digitalen Aktivitäten zahlreicher kommerzieller Kinder- und Jugendmagazine und YPS. Stoewhase arbeitete vorher jahrelang für den Onlinebereich der TV-Serie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ und als Freelancer im Musikbereich und entwickelte Konzepte für digitale Angebote im Entertainmentsegment.