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Royaler Rausch

Hurra, es ist ein Junge! Weltweit schwelgen die Medien in einem gigantischen Freudentaumel über den neuen Sprössling der britischen Royals. Wochenlang campierten Journalisten für die Live-Berichterstattung vor einem Londoner Hospital, in dem die royale Kate den blaublütigen Wonneproppen zur Welt bringen sollte. Wochenlang wurden wir mit Live-Schalten darüber informiert, dass eigentlich noch nichts passiert ist. Wochenlang wurde spekuliert, ob es ein Junge oder Mädchen wird, bis dann das Unfassbare geschah: Eine Frau brachte einen Sohn zur Welt. Wahnsinn! Grund genug für die englische „Sun“, sich in „The Son“ umzubenennen. Anschließend wurde über den Namen des Thron-Erben spekuliert und die englische Wettindustrie verdiente Millionen mit Namenswetten.

Ich habe es schon lange aufgegeben, unsere britischen Nachbarn mit ihrem royalen Tick verstehen zu wollen. Da tobt eine Wirtschaftskrise mit fatalen Folgen für die britische Gesellschaft und trotzdem wird den mit Millionen um sich werfenden Royals bei jeder Gelegenheit zugejubelt. Während die einen ihre Chips jetzt ohne Fish essen müssen, jetten die anderen durch die Welt, um distanziert winkend in vergoldeten Kutschen durch die jubelnden Massen zu defilieren. Knapp 39 Millionen Euro (www.royal.gov.uk) zahlt der britische Steuerzahler den nicht gerade verarmten Royals jährlich als königlichen Unterhalt. Hurra, es lebe die Queen! Neu-Mutti Kate muss sich dabei mit 86.000 Euro pro Jahr (www.bunte.de) für ihre Garderobe begnügen, obwohl die Schwangerschaft ja sicherlich den Kleiderbedarf der Prinzenmutti strapaziert hat. What a shame! Mir fällt zu dieser royalen Geldverschwendung nur ein Zitat des gallischen Philosophen und Denkers Obelix ein: Die Spinnen, die Briten!

Vollkommen gaga ist für mich aber der deutsche Nachrichtensender, der per Telefonumfrage darüber abstimmen ließ, ob Deutschland wieder eine Monarchie braucht. In der vom Sender selbst als nicht repräsentativ ausgewiesenen Amateur-Umfrage kam prompt heraus: Über 60 Prozent der Befragten wünschen die Rückkehr einer Monarchie in Deutschland. Selbstverständlich! Im Land der Neider und Ankläger würden sich blaublütige Steuerschleudern bestimmt gut machen. Die Nation heult auf, wenn ein Bundestagsabgeordneter mehr Geld bekommt, möchte aber den notorisch nichtsnutzigen und überflüssigen adligen Repräsentanten die Millionen zur Finanzierung ihres Lebensstils aus dem Steuertöpfen zukommen lassen. Schloss und Landsitz sind schließlich die Mindestausstattung für verwöhnte Blaublüter. Ich möchte jedenfalls keine gekrönten Häupter mehr mit gezwirbelten Schnurrbärten in Schulen und Behörden an der Wand hängen sehen. Mir reicht unser Bundespräsident auf Schloss Bellevue vollständig, um meine royalen Bedürfnisse zu stillen. Von mir aus können wir dem ja auch noch eine kleine Krone spendieren – dann ist es aber auch gut!

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.