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Probleme? Feuert den Sprecher!

Peer Steinbrück – die SPD hat sich mit ihrem Kanzlerkandidaten einen Radikalkommunikator an die Spitze des Wahlkampfs gestellt, der unter „Klartext“ die Anrichtung maximalen kommunikativen Schadens versteht. Seine bisherigen, meist launischen und bärbeißig vorgetragenen Äußerungen ziehen eine Schneise der Verwüstung durch die deutschen Medien. (Hintergründe: meedia.de >>)

Natürlich sind die Medien im Wahlkampfjahr dankbare Abnehmer für rhetorische Fehlpässe und argumentative Eigentore. Das sollte bekannt sein, wenn man wie Steinbrück bereits seit Jahren im Fokus der Öffentlichkeit steht. So schaffte es Problem-Peer bisher, die SPD in weiter Ferne von jeder potenziellen Regierungsverantwortung zu halten. Darf man bei 24 Prozent eigentlich noch von einer Volkspartei sprechen?

Anfang Juni kam ans Licht, wer eigentlich die Verantwortung für die unkontrollierte mediale Geisterfahrt des SPD-Spitzenkandidaten trägt: Michael Donnermeyer, Steinbrücks Sprecher, musste gehen. Es bleibt abzuwarten, ob der Neue, Rolf Kleine, Bild-Journalist und Immobilien-Lobbyist, es besser versteht, den kommunikativen Panzer durch die engen und verwinkelten Gassen des Wahlkampfs zu steuern. Es gilt ja, die Kanzlerin, die als erfahrene Wahlkämpferin bis jetzt jedem Schlagloch ausgewichen ist, noch einzuholen.

Ob da der neue Sprecher wirklich etwas von der rauen Schale abschmirgeln und Peer Steinbrück als Ritter in der roten Rüstung der SPD inszenieren kann? Ich bin da skeptisch. Zu radikal war der Wandel der politischen Positionen, den er als Spitzenkandidat vollziehen musste. Zu nachhaltig ist der Imageschaden durch Vortragshonorare und Gehaltsdiskussionen, als dass der Wechsel im Hintergrund hier die Rettung bringen könnte. Es braucht mehr als einen neuen Sprecher für Steinbrück, es braucht ein Wunder.

Über den Autor: Uwe Mommert ist Vorstand für Vertrieb und Produktion der Landau Media AG. Darüber hinaus ist er begeisterter Web 2.0-Fan und immer an innovativen Ideen interessiert. Für medienrot.de kommentiert Uwe Mommert regelmäßig das Mediengeschehen.