OpenAI startet ChatGPT Atlas – Ein KI-Browser für die Zukunft des Surfens?

Foto: © AdobeStock / Tada Images
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OpenAI hat mit ChatGPT Atlas einen eigenen Webbrowser vorgestellt, der klassische Browser wie Chrome oder Safari herausfordert – und zugleich die eigene KI direkt ins Surfen integriert. Statt zwischen Tabs und Anwendungen zu jonglieren, arbeitet ChatGPT nun im Hintergrund mit und kann Inhalte lesen, zusammenfassen oder sogar Aufgaben erledigen.

„Während der Vorlesungen nutze ich gerne Übungsfragen und reale Beispiele, um den Stoff wirklich zu verstehen. Früher musste ich ständig zwischen meinen Folien und ChatGPT wechseln und Screenshots erstellen, nur um eine Frage zu stellen. Jetzt versteht ChatGPT sofort, was ich mir anschaue, und hilft mir, meine Lernfortschritte zu verbessern“, sagt Yogra, Student und Frühphasen-Tester von ChatGPT Atlas.

Nahtlose Integration und Agentenmodus

Atlas basiert auf Chromium, der gleichen Technologie wie Google Chrome, und unterstützt damit alle Chrome-Erweiterungen. Die zentrale Innovation: ChatGPT ist nicht nur ein zusätzliches Tool, sondern tief in den Browser integriert. Ein „ChatGPT fragen“-Button auf jeder Website ermöglicht direkte Abfragen, Zusammenfassungen oder Textbearbeitung – sei es in E-Mails, Google Docs oder Kontaktformularen. Texte lassen sich ohne Tabwechsel umformulieren, kürzen oder präzisieren.

Besonders hervorzuheben ist der Agent-Modus, der derzeit nur zahlenden Nutzer:innen von ChatGPT Plus, Pro oder Business zur Verfügung steht. In dieser Vorschau kann ChatGPT aktiv Aufgaben übernehmen: Restaurants finden und reservieren, Flüge recherchieren oder Zutaten in einen Warenkorb legen. Alle Aktionen sind live nachvollziehbar, mit der Möglichkeit, jederzeit die Kontrolle zurückzunehmen. OpenAI weist jedoch auf Risiken hin: Die KI könne Fehler machen oder durch versteckte Anweisungen auf Webseiten manipuliert werden. Systemzugriffe, Downloads oder Zugriff auf lokale Dateien sind im Agent-Modus ausgeschlossen.

Browser-Erinnerungen und personalisierte Hilfe

Ein weiteres Feature sind die optionalen Browser-Erinnerungen. Sie speichern den Kontext besuchter Websites und bauen auf bisherigen ChatGPT-Gesprächen auf. So lässt sich zum Beispiel fragen: „Welche Jobanzeigen hatte ich letzte Woche angeschaut?“ oder „Erstelle eine Zusammenfassung der Wohnungen, die ich gestern recherchiert habe.“ Alle gespeicherten Erinnerungen sind einsehbar und lassen sich löschen; der Inkognito-Modus verhindert automatisch das Speichern von Daten.

OpenAI betont: „Je mehr du Atlas nutzt, desto intelligenter und hilfreicher wird ChatGPT. Browser-Erinnerungen ermöglichen es ChatGPT, den Kontext der von dir besuchten Websites zu speichern und bei Bedarf wiederherzustellen.“

Alltagstest: Tempo und Genauigkeit

Erste Tests zeigen jedoch, dass Atlas noch Nachholbedarf hat. Laut Jörg Breithut kann der Browser bei Geschwindigkeit und Genauigkeit nicht mit Chrome mithalten: „BBeim Tempo hat ChatGPT Atlas keine Chance gegen Chrome. Textlinks tauchen zwar recht flott auf, doch bei kleinen Vorschaubildern dauert es oft mehrere Sekunden, bis sie im OpenAI-Browser geladen sind. Beim Ergebnistext weiter unten auf der Ergebnisseite hat man gar das Gefühl, Atlas beim virtuellen Denken zuschauen zu können oder zu müssen, der Text rattert sich erst einmal zurecht. Für Nutzerinnen und Nutzer, die keine Geduld mitbringen, ist das nichts“, schreibt Breithut im SPIEGEL.

Auch bei der Genauigkeit hapert es gelegentlich: ChatGPT Atlas zeigte in Tests einmal eine amerikanische statt die deutsche Website von DHL an, und saisonale Öffnungen von Geschäften wurden nicht korrekt berücksichtigt. In puncto Quellenvielfalt ist Atlas ebenfalls eingeschränkt – Links zu Wikipedia oder YouTube-Videos sind erst nach Extra-Klicks verfügbar.

Dennoch punkten die Spezialfunktionen: Tabs lassen sich per Prompt öffnen, sortieren oder schließen, und Textabschnitte auf Websites lassen sich übersetzen oder zusammenfassen. Für Vielnutzer:innen von ChatGPT entfällt das ständige Hin- und Herwechseln zwischen Browser und KI.

Datenschutz und Sicherheit

Atlas sammelt mehr Daten als klassische Browser, da Anmeldungspflicht besteht und Browser-Erinnerungen genutzt werden können. OpenAI verspricht jedoch, dass Browsing-Daten standardmäßig nicht zum Training der KI-Modelle genutzt werden. Nutzer:innen wird geraten, besonders den Agentenmodus mit der Einstellung „Abgemeldet“ zu nutzen, um sensible Daten zu schützen.

Fazit: Experimentierfreude gefragt

ChatGPT Atlas zeigt, wie das Surfen der Zukunft aussehen könnte – mit einer KI, die den Browser aktiv steuert und Nutzer:innen Arbeit abnimmt. Doch Geschwindigkeit, Genauigkeit und Sicherheitsrisiken schränken den Nutzen aktuell noch ein. Breithut zieht das Fazit: „Bis ChatGPT Atlas der Konkurrenz wirklich gefährlich werden könnte, benötigt die Software vermutlich noch einige Updates. Bis dahin wird der Großteil der Menschheit wohl weiter Produkte von Google nutzen, um sich durchs Internet zu bewegen.“

Für Experimentierfreudige und regelmäßige ChatGPT-Nutzer:innen bietet Atlas dennoch einen Ausblick auf ein potenziell neues Surf-Erlebnis: Ein Browser, der versteht, was man tut, sich merkt, woran man arbeitet, und Aufgaben für einen erledigen kann.

Verfügbarkeit: ChatGPT Atlas ist ab sofort für macOS in den Versionen Free, Plus, Pro und Go verfügbar. Versionen für Windows, iOS und Android sind in Entwicklung.

openai.com, spiegel.de (Paywall), wdr.de