
NewsGuard AI ist seit dem 21. September in Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern verfügbar. Der KI-Dienst des US-Unternehmens NewsGuard soll Fragen zu aktuellen Nachrichten beantworten und dafür auf einen vorab geprüften Bestand von rund 12.000 Nachrichten- und Informationsquellen zurückgreifen.
Damit unterscheidet sich NewsGuard AI vom Ansatz allgemeiner KI-Chatbots, die Informationen aus einer deutlich breiteren Auswahl von Internetquellen beziehen. Der Dienst war im Juni 2026 vorgestellt worden und wird nun auf weitere europäische Märkte ausgeweitet.
12.000 geprüfte Quellen
Die Auswahl der Quellen basiert nach Angaben von NewsGuard auf einem Bewertungssystem, mit dem das Unternehmen seit 2018 Nachrichten- und Informationsangebote prüft. Insgesamt seien inzwischen mehr als 36.000 Quellen anhand von neun Kriterien zu Glaubwürdigkeit und Transparenz bewertet worden.
Berücksichtigt werden unter anderem der Umgang mit falschen Informationen, die Qualität der Recherche, der Umgang mit Korrekturen, die Trennung von Nachricht und Meinung sowie Angaben zu Eigentumsverhältnissen und Verantwortlichen. Die Bewertungen reichen von 0 bis 100 Punkten. Für NewsGuard AI werden nach Unternehmensangaben rund 12.000 Quellen verwendet, die als ausreichend zuverlässig eingestuft wurden.
Zum Quellenbestand gehören Zeitungen, Magazine, Fernsehsender und regionale Nachrichtenangebote ebenso wie Blogs, Substack-Newsletter sowie Informationsangebote von Behörden, Universitäten, Krankenhäusern, Forschungsinstituten und Thinktanks.
Zusätzlich greift NewsGuard AI nach eigenen Angaben auf eine Datenbank mit rund 64.000 bereits untersuchten Falschbehauptungen zurück. 41 redaktionelle Schutzmechanismen sollen unter anderem dafür sorgen, dass Tatsachenbehauptungen mit Quellen belegt und unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt werden.
Quellen sollen sichtbar bleiben
Bei den Antworten soll die Herkunft der Informationen nachvollziehbar bleiben. NewsGuard AI nennt die verwendeten Medien und verlinkt auf die jeweiligen Beiträge. Nach Angaben des Unternehmens werden die Inhalte der beteiligten Verlage zudem nicht zum Training des KI-Systems verwendet.
Auch wirtschaftlich sollen die Medien beteiligt werden. NewsGuard will nach eigenen Angaben einen Teil der Einnahmen mit den Nachrichtenmedien teilen, deren Inhalte in den Antworten verwendet werden. Verlagspartner, die ihren Leserinnen und Lesern NewsGuard AI anbieten und neue Abonnent:innen vermitteln, können ebenfalls an den daraus entstehenden Einnahmen beteiligt werden.
Das reguläre Abonnement kostet nach Angaben von NewsGuard acht Euro im Monat. Derzeit können Nutzer:innen zehn Anfragen pro Tag kostenlos stellen. Anschließend ist ein zweiwöchiger Testzeitraum mit unbegrenzter Nutzung möglich. Werbung ist nach Angaben von Roberta Schmid, Managing Editor und Senior VP of Partnerships, Europe bei NewsGuard, derzeit nicht vorgesehen.
Zu den ersten europäischen Co-Marketing-Partnern zählen unter anderem Ouest-France aus Frankreich, 5min.at aus Österreich sowie Linkiesta und MicroMega aus Italien. Für Deutschland wurde zum Start zunächst kein vergleichbarer Verlagspartner genannt.
Wer entscheidet über die Quellen?
Das Konzept wirft zugleich die Frage auf, nach welchen Kriterien NewsGuard bestimmt, welche Quellen in den Dienst aufgenommen werden. Das Unternehmen betont, seine Bewertungskriterien würden unabhängig von der politischen Ausrichtung eines Mediums angewendet. Vor der Veröffentlichung oder Aktualisierung einer Bewertung könne die betroffene Redaktion Stellung nehmen; zudem würden die Bewertungen von mehreren Redakteuren geprüft.
Kritik an solchen Bewertungssystemen gibt es dennoch. Der Journalist Will Oremus stellte bereits im Zusammenhang mit früheren NewsGuard-Bewertungen die Frage, wer letztlich über die Glaubwürdigkeit von Nachrichtenquellen entscheide. Auch der Deutsche Fachjournalisten-Verband verwies in einer früheren Analyse darauf, dass NewsGuard vor allem komplette Medienangebote bewertet und nicht die Richtigkeit jeder einzelnen Aussage eines einzelnen Artikels.
Eine in Science Advances veröffentlichte Studie untersuchte zudem die Wirkung von NewsGuards Quellenbewertungen. Demnach hatten die Glaubwürdigkeitskennzeichnungen im Durchschnitt nur begrenzte Auswirkungen auf die Qualität der von den untersuchten Teilnehmern konsumierten Nachrichten. Die Untersuchung bezog sich allerdings auf die NewsGuard-Browsererweiterung und deren Quellenbewertungen, nicht auf den neuen KI-Dienst.
KI und Nachrichten als Geschäftsmodell
Mit NewsGuard AI will das Unternehmen auch auf die wachsende Nutzung von KI für die Nachrichtensuche reagieren. Der Dienst soll dabei nicht nur Quellen sichtbar machen, sondern Medien auch an den Einnahmen beteiligen, wenn ihre Inhalte für Antworten genutzt werden.
Wie gut das in der Praxis funktioniert, muss sich allerdings noch zeigen. Zum europäischen Start lagen zunächst keine unabhängigen Vergleichstests vor, die NewsGuard AI mit anderen KI-Diensten für aktuelle Nachrichten vergleichen.