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Netzgespräche: Bloggerin Anja Kiefer

AnjaKiefer_ZitatAnja Kiefer bloggt seit Mai 2013 auf „das Tuten der Schiffe“ über ihr Leben in Hamburg. Im Monat erreicht sie mit ihrer Mischung aus Stadterzählungen, DIY- Postings und Blogeinträgen über Interiordesign fast 10.000 LeserInnen, die in über 1.100 Kommentaren ihre Gedanken mit Kiefer teilen. Die Bloggerin ist auf vielen Social-Media-Kanälen vertreten, sagt von sich selbst aber, dass ihr Instagram und die über 2.800 Follower dort ganz besonders am Herzen liegen.

Moin, Moin, Frau Kiefer, beschreiben Sie doch bitte Ihren Blog in drei Worten!
Anja Kiefer: Hamburg. & ich.

Seit wann bloggen Sie?
Anja Kiefer: Ich begann im Mai 2013 mit selbst gebasteltem Design und einer Art Kaltstart. Mein Blogwissen zog ich aus YouTube-Tutorials. Mein Blog wurde – wohl aufgrund des bildhaften Namens – sehr schnell wahrgenommen, und so beschloss ich Ende letzten Jahres eine komplette Überarbeitung, stürzte mich in die Logoentwicklung und machte alles hübsch. Den Blog, wie er jetzt dasteht und mit der .de-Endung gibt es seit dem 1.1.2015 auf WordPress.

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Das mit dem „Hübsch machen“ ist Ihnen definitiv gelungen. Sehr schönes Logo, das fällt direkt ins Auge! Apropos Auge, wie sieht es denn an Ihrem Arbeitsplatz aus?
Anja Kiefer: Um ehrlich zu sein, bin ich da nicht sehr strukturiert. Ich versuche jedoch, mir einiges an Professionalität abzuverlangen. Wenn ich blogge, dann blogge ich. Dabei sitze ich gern am Schreibtisch oder Esstisch und habe frischen Kaffee oder Tee an meiner Seite. Ich sehe nicht parallel fern oder tue gleichzeitig anderes. Anders ist es bei dem Schritt der Fotobearbeitung. Das läuft mittlerweile so routiniert ab, dass ich das oft beim Netflixserien gucken mache, dann meist auf dem Sofa im Schneidersitz mit meinem gepolsterten Laptoptischchen auf den Knien. An einem Blogpost arbeite ich nicht selten drei bis vier Stunden. Ich würde sagen, diese Zeit verbringe ich hälftig auf dem Sofa, hälftig am Schreibtisch.

Wie sind Sie zum Bloggen gekommen?
Anja Kiefer: Ich las besondere Blogs schon einige Jahre, um mich fremdinspiriert zu halten. Irgendwann wollte ich auch gern Inspiration sein, statt Inspiration nur zu konsumieren. Zudem wollte ich mir ein funktionierendes und rein positives Gegengewicht zu meinem damaligen, sehr harten Job als Sozialpädagogin aufbauen. Den habe ich mittlerweile aufgegeben und befinde mich in einer beruflichen Umbruchphase, um auch beruflich im Social-Media-Bereich anzukommen. Das ist alles durch das Bloggen und meine vielen Agenturkontakte passiert. Sehr spannende Entwicklung. Vom Sozialen zum Digitalen.

Wer ist Ihre Zielgruppe?
Anja Kiefer: Meine Zielgruppe sind hamburginteressierte Menschen zwischen 20 und 50 … so in etwa. Dabei habe ich einen solchen Themenmix im Angebot, dass ich sicher zu Hamburger Themen und der Interiorkategorie auch viele männnliche Leser anspreche. Zu den Kombüsenausflügen, der Do-it-yourself-Kategorie und den eher persönlichen Themen äußern sich eher Frauen.

Wie gehen Sie denn mit den Kommentaren Ihrer LeserInnen um?
Anja Kiefer: Oh, die nehme ich sehr ernst und freue mich, denn die LeserInnen-Reaktionen sind ja auch Ansporn, so wie die Likes bei Facebook und Instagram. Jedoch wird nicht wahnsinnig viel kommentiert auf meinem Blog. Die meisten Reaktionen erhalte ich auf sehr persönliche Blogposts. An der Stelle wundere ich mich manchmal, wie viele Menschen intensiv meinen Weg begleiten. Ich versuche dann, die meisten Kommentare auch zu beantworten oder mich mindestens dafür zu bedanken.
Ich schalte jeden Kommentar gesondert frei, um der Gefahr entgegenzuwirken, fragwürdiges Gedankengut in meinem „Verantwortungsbereich“ unkontrolliert zu veröffentlichen. Bei rechtsextremen und militanten Themen würde ich mir vorbehalten, Kommentare nicht zu veröffentlichen. Sollte jemand Kritik an den Inhalten meiner Texte haben, stelle ich das dennoch online, denn es bildet den authentischen Teil der Reaktionen ab.

Sie haben ja Ihren alten Beruf aufgegeben, wie finanzieren Sie Ihren Blog?
Anja Kiefer: Da ich mich im Übergang vom Hobby zur Teilselbständigkeit befinde und wirklich viel Zeit und Herzblut investiere, freue ich mich über Kooperationen, die mir dabei helfen, die Design-, Server-, Hoster-, und Kamera/EDV-Kosten und einen Teil der Zeit, die ich investiere, wieder reinzubekommen. Ich professionalisiere mich diesbezüglich zunehmend.

Und wie vermarkten Sie ihn?
Anja Kiefer: Einen Teil der Aufmerksamkeit neuer LeserInnen bekomme ich dadurch, dass Firmen, Museen, Orte, über die ich schreibe, darüber auf Facebook berichten.
Auch meine zweitverwerteten Blogposts auf www.hamburg.de bringen Aufmerksamkeit. Zudem habe ich Aufkleber und Postkarten drucken lassen. Auch eine eigene Social-Media-Strategie für die Blogthemen ist nützlich. Agenturen werden mittlerweile ganz von selbst auf mich aufmerksam und ich denke, dass jedes Event, bei dem wir Hamburger BloggerInnen im Dunstkreis der jeweils anderen wahrgenommen werden, auch neue Aufmerksamkeit mit sich bringt. Von großen Vermarktungen halte ich nichts.

Können Sie ein bisheriges Highlight Ihrer Blogger-Karriere benennen?
Anja Kiefer: Dazu fallen mir spontan zwei Dinge ein:
Zum einen, die Bloggerin, die ich schon Jahre las und deren unbändige Kreativität ich bewunder(t)e, im Leben 1.0 zu treffen, ganze Tage mit ihr zu verbringen und sie in echt genau so zu mögen wie virtuell. Überhaupt zum Hamburger Lifestylebloggerinnenzirkel zu gehören, das genieße ich sehr.
Und zum anderen auch der Tag, an dem ich bei Hamburg.de veröffentlichte und mich nachmittags ein Hotelmensch einlud, ein Wochenende die Suite seines Hotels in der Speicherstadt zu bewohnen – oder die Reise nach Groningen oder die Bloggerinnenfreundschaftsbesuche mit einer befreundeten Bremer Bloggerin … ach, da kommt einiges zusammen.

Welche drei Dinge sind Ihnen beim Bloggen am wichtigsten?
Anja Kiefer: Glaubwürdigkeit, Authentizität und das eigene Tempo.

Welche Erfahrungen haben Sie mit PRlern und Marketinganfragen gemacht?
Anja Kiefer: Tja, das geht von … bis. Von echten Begegnungen und schönen Anfragen auf Augenhöhe, in denen es ernsthaftes Interesse an meiner Tätigkeit als Bloggerin gab …  aber leider sind noch immer die Anfragen und Kontakte in der Überzahl, in denen Menschen aus Werbung und PR etwas von mir wollen, aber nichts zu geben haben. Mittlerweile reagiere ich manchmal schon genervt, wenn ich als kostenlose Werbeplattform agieren soll. Das mache ich nur bei Projekten und Newcomern, deren Ideen mir super gefallen.

Was ist für Sie eine gute Marketinganfrage?
Anja Kiefer: Jemand hat sich mit meinem Blog (zumindest kurz, aber dennoch) ernsthaft auseinandergesetzt, hat sich Gedanken dazu gemacht, was eine gute gemeinsame Sachen sein könnte, hat realistische Ideen dazu, wieviel Aufwand es für BloggerInnen bedeutet, einen Post zu verfassen und nach diese Analyse eine schönes Angebot für mich, von dem die Marke, ich und meine LeserInnen profitieren.

Und was ist eine schlechte?
Anja Kiefer: Mein Name ist schon in der Anrede falsch geschrieben, die Anfrage wurde wahllos an jede Menge BloggerInnen geschickt, es wurden im Standardanschreiben Textbausteine benutzt. Dann werden ein Text und dazugehörige Bilder mitgeschickt, die ich veröffentlichen soll und am besten passt das gesamte Thema nicht mal zu meinem Blog und meiner Zielgruppe.

Was planen Sie für die Zukunft vom Blog?
Anja Kiefer: Ich freue mich, wenn ich den Bereich Reisen etwas ausbauen kann, überlege ein bisschen, ob ich auch soziale Reportagen machen könnte … Es bleibt jedenfalls spannend.

Für diese spannende, kommende Zeit wünsche ich Ihnen viel Erfolg! Danke für das schöne Interview.

Über die Autorin:
Andrea_150x150pxAndrea Zschocher ist freie Journalistin und Bloggerin. Sie schreibt gern, aber nicht ausschließlich über Familie, Beruf und die Vereinbarkeit dieser Lebenswelten. Auf ihrem Blog „Runzelfüßchen“ schreibt sie über die schönen Seiten am Leben mit Kind. Darüber hinaus beschäftigt sie sich beruflich und privat mit Blogs, Social Media und Networking.