
HBO Max erweitert seine mobile App in den USA um zwei neue Funktionen für die Suche nach Filmen und Serien. Mit „HBO Max Shorts“ führt der Streaming-Dienst einen personalisierten, vertikal scrollbaren Video-Feed ein, während eine experimentelle Konversationssuche auch natürliche und offen formulierte Anfragen verstehen soll.
Die „HBO Max Shorts“ zeigen Trailer, Clips und Bonusmaterial sowie prägnante Szenen aus Filmen und Serien. Nutzer:innen können über den neuen „Shorts“-Button in der unteren Navigation durch die Videos scrollen. Die Auswahl wird anhand des bisherigen Sehverhaltens personalisiert. Interessiert ein Titel, lässt er sich direkt starten oder zur persönlichen Merkliste hinzufügen.
Für die Zusammenstellung der Clips setzt HBO Max auf ein eigenes KI-Tool. Dieses durchsucht mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen und Metadaten auf Szenenebene tausende Stunden an Inhalten und schlägt menschlichen Redakteur:innen besonders geeignete Szenen vor. Die finale Auswahl treffen die Redakteur:innen, bevor die Ausschnitte für das vertikale Format aufbereitet werden.
Zum Start wird „HBO Max Shorts“ mit ausgewählten iOS-Nutzer:innen in den USA getestet. Anschließend soll die Funktion auf weitere Geräte und Märkte ausgeweitet werden. Geplant ist zudem, künftig Sportinhalte einzubeziehen und die Funktion anhand der Nutzung weiterzuentwickeln.
Parallel testet HBO Max eine konversationsbasierte Suche. Die Funktion „Ask HBO Max“ ist zunächst für ausgewählte erwachsene Nutzer:innen in den USA auf Android verfügbar und soll ebenfalls später auf weitere Geräte und Märkte ausgeweitet werden. Mithilfe von natürlicher Sprachverarbeitung und semantischer Suche soll die Funktion die Absicht hinter einer Anfrage erkennen und passende Inhalte empfehlen, auch wenn die verwendeten Begriffe nicht exakt in den Metadaten vorkommen.
So können Nutzer:innen beispielsweise nach einer Komödie fragen, wenn ihnen danach ist, oder nach einem „dysfunctional family drama“ oder dem „best movie for a girls night in“. Die Funktion soll damit nicht nur konkrete Titel oder Genres finden, sondern auch eher situationsbezogene Wünsche bei der Auswahl berücksichtigen.
Netflix hat den Schritt bereits vorgemacht
HBO Max folgt damit einem Ansatz, den Netflix bereits im Frühjahr 2026 eingeführt hat. Der Streaming-Dienst überarbeitete seine mobile Benutzeroberfläche und stellte mit „Clips“ ebenfalls einen vertikalen Video-Feed vor, der Nutzer:innen bei der Auswahl von Filmen, Serien und Specials unterstützen soll.
Netflix beschreibt „Clips“ als personalisiertes Highlight-Reel, das auf das individuelle Nutzungsverhalten zugeschnitten ist. Die kurzen Ausschnitte sollen die Suche nach neuen Inhalten vereinfachen und ermöglichen, interessante Titel direkt aus dem Feed zur persönlichen Liste hinzuzufügen oder mit Freund:innen und Follower:innen über SMS und soziale Medien zu teilen.
Auch Netflix begründet die Neugestaltung mit der zunehmenden Bedeutung der mobilen Nutzung. Das neue Design soll die Navigation vereinfachen und die Entdeckung von Inhalten stärker an die visuelle und schnelle Nutzung von Smartphones anpassen. Perspektivisch will Netflix „Clips“ unter anderem um Podcasts, Live-Programme sowie Genre- und Themenkollektionen erweitern.
Das neue mobile Design war zunächst in den USA, Großbritannien, Australien, Kanada, Indien, Malaysia, Pakistan, den Philippinen und Südafrika verfügbar. Nach einer Aktualisierung vom 14. Juli 2026 ist es inzwischen auch in Brasilien, Frankreich, Deutschland, Südkorea und Mexiko verfügbar.
Damit zeichnet sich ein gemeinsamer Trend der Streaming-Dienste ab: Statt Nutzer:innen ausschließlich über klassische Menüs, Suchfelder und Vorschaubilder durch umfangreiche Kataloge zu führen, setzen die Anbieter zunehmend auf kurze, visuelle und personalisierte Empfehlungen.
KI trifft auf Social-Media-Prinzipien
Mit den neuen Funktionen greift HBO Max zugleich Nutzungsmuster auf, die durch soziale Plattformen wie TikTok geprägt wurden. Der vertikale Feed ermöglicht es, Inhalte per Wischbewegung fortlaufend zu entdecken, während die Personalisierung dafür sorgen soll, dass möglichst passende Ausschnitte angezeigt werden.
Der Unterschied zu klassischen Social-Media-Feeds liegt dabei im Ziel: Nicht das nächste Kurzvideo steht im Mittelpunkt, sondern die Entscheidung für einen Film, eine Serie oder ein anderes Streaming-Angebot. Die kurze Sequenz soll Interesse wecken und möglichst unmittelbar zum vollständigen Inhalt führen.
HBO Max verbindet dabei algorithmische Empfehlungen mit menschlicher redaktioneller Auswahl. Während die KI große Mengen an Videomaterial nach geeigneten Szenen durchsucht, entscheiden Redakteur:innen letztlich, welche Ausschnitte veröffentlicht werden. Netflix und HBO Max zeigen damit, wie Streaming-Dienste ihre Content-Discovery zunehmend mit KI und aus sozialen Medien bekannten Nutzungskonzepten weiterentwickeln.