Forschung: Social Media verliert Rolle als gesellschaftlicher Seismograph

Bild: © AdobeStock / master1305
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Eine neue Vorabstudie (Preprint) der Forschenden Petter Törnberg und Richard Rogers von der Universität Amsterdam stellt die bisherige Nutzung von Social Media als Indikator gesellschaftlicher Stimmungen grundsätzlich infrage. Die Arbeit, veröffentlicht auf OSF, beschreibt einen tiefgreifenden Wandel digitaler Kommunikation und warnt davor, Social-Media-Daten weiterhin als verlässliches Stimmungsbarometer zu interpretieren.

Die Autoren argumentieren, dass sich Social Media von einem offenen, interaktiven Netzwerk zunehmend zu einem fragmentierten System entwickelt. Dabei identifizieren sie drei zentrale Entwicklungen: den Übergang vom sozialen Netzwerk hin zu einem algorithmisch gesteuerten „Rundfunkmodell“, den Einfluss generativer KI und damit eine Verschiebung hin zu „post-partizipativen“ Plattformen sowie eine zunehmende Plattformmüdigkeit, die Nutzer:innen in den Rückzug aus öffentlicher Kommunikation treibt.

„Wir erleben einen Wandel, der ebenso grundlegend ist wie die Entstehung der sozialen Medien selbst: eine Neuordnung der epistemischen und sozialen Grundlagen der digitalen Kommunikation“, schreiben Törnberg und Rogers.

Für die Forschung hat diese Entwicklung weitreichende Folgen. Wenn öffentliche Kommunikation stärker in private oder algorithmisch gefilterte Räume verlagert wird, verliert Social Media laut Studie seine Aussagekraft als gesellschaftlicher „Seismograph“. Trends, Stimmungen und kollektive Dynamiken lassen sich dadurch nur noch eingeschränkt aus den Plattformdaten ableiten.

osf.io via socialmediamorgen.de